Feiertage unter einem Dach Chanukka und Weihnachten gemeinsam feiern
Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg und Gerda Dänekas können in diesem Jahr Chanukka und Weihnachten gleichzeitig feiern. Sie verraten, wie das aussieht.
Leer/Weener - Bei Albrecht Weinberg heißt es am 24. Dezember „Happy Chanukka“. Der Holocaust-Überlebende feiert dann das Lichterfest. Und eines der wichtigsten jüdischen Feste fällt nach dem jüdischen Kalender in diesem Jahr ausnahmsweise genau in die Weihnachtszeit. „Wir können diesmal gleichzeitig feiern“, freut sich Gerda Dänekas.
Was und warum
Darum geht es: Albrecht Weinberg und Gerda Dänekas feiern christliches Weihnachten und jüdisches Lichterfest (Chanukka) zusammen.
Vor allem interessant für: alle, die sich für religiöse Traditionen interessieren
Deshalb berichten wir: Weihnachten und Chanukka fallen in diesem Jahr in denselben Zeitraum, das kommt nicht so oft vor. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Kennengelernt haben die beiden sich im Altenheim, als Weinberg vor zehn Jahren aus den USA zurückkehrte. Dort befand sich lange Jahre der Lebensmittelpunkt des gebürtigen Rhauderfehners. Gerda Dänekas arbeitete damals als Altenpflegerin in der Einrichtung, als die beiden beschlossen, zu zweit eine Wohngemeinschaft zu gründen. Und so steht im Wohnzimmer der beiden neben einem Weihnachtsbaum auch eine Menora. Dieser Kerzenhalter spielt beim Lichterfest der Juden eine ganz besondere Rolle. Es fällt in die dunkle Jahreszeit. Erinnert wird damit an drei wichtige Ereignisse in der Geschichte des jüdischen Volkes. Nämlich von der Befreiung aus hellenistischer Herrschaft, der Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem – und ein Lichtwunder, das acht Tage währte. In Erinnerung daran wird immer mit Einbruch der Dunkelheit ein neues Licht an der „Chanukkia“ – einem speziellen Leuchter entzündet – bis alle Kerzen brennen. Dazu wird meist eine neunte Kerze verwendet, die „Schamasch“ (Diener) heißt. So ist der Leuchter acht- oder neunarmig.
Lichterfest in Weener verbracht
„Chanukka wird acht Tage lang gefeiert“, erzählt Weinberg. In diesem Jahr fallen diese auf den 18. bis zum 26. Dezember. Weinberg spricht beim Entzünden der Kerzen dann einen Segensspruch und singt ein Lied. „Es gibt immer ein festliches Essen und Geschenke.“ In der Chanukka-Zeit werden auch Karten an Freunde und Bekannte verschickt.
An seine Kindheit hat Weinberg besonders schöne Erinnerungen. „Das Lichterfest haben wir meist bei unseren Verwandten in Weener verbracht“, erzählt er. Jeden Tag ging es in die Synagoge in der Westerstraße, um zu beten und zu singen und eine weitere Kerze zu entzünden. „Wir haben unter einfachen Verhältnissen im Obergeschoss im Haus meiner Tante an der Kommerzienrat-Hesse-Straße übernachtet, aber es gab dort dicke Daunendecken. Das war herrlich.“ Familienbesuch gibt es an Weihnachten auch bei Gerda Dänekas und Albrecht Weinberg. Am 2. Weihnachtstag wird es turbulent: Da kommen die fünf Enkel von Gerda Dänekas zur Bescherung.
Jüdisches Leben in Weener
Weinberg verbrachte die Chanukka-Feste seiner Kindheit mit Weener in der zeitweise größten jüdischen Gemeinde im Rheiderland. Ihre Entstehung geht laut Alemannia Judaica, der Arbeitsgemeinschaft für die Erforschung der Geschichte der Juden im süddeutschen und angrenzenden Raum, ins 17. Jahrhunderts zurück. Eine jüdische Schule (seit 1853 Israelitische Elementarschule), ein rituelles Bad, einen Friedhof und eine Synagoge gab es in Weener. Das Herz der Gemeinde hatte seinen Platz an der Westerstraße. Zunächst war dort ein Betraum vorhanden. 1828 war die Zahl der jüdischen Familien am Ort groß genug, um ein dort Grundstück zum Bau einer Synagoge zu kaufen. Sie konnte im folgenden Jahr eingeweiht werden, heißt es bei Alemannia Judeica.
1928 wurde die Synagoge renoviert, das 100-jährige Bestehen wurde am 22. September 1929 im Hotel zum Weinberg gefeiert. Nicht einmal zehn Jahre später wurde das Bauwerk beim Novemberpogrom 1938 in den frühen Morgenstunden des 10. November bis auf die Grundmauern niedergebrannt.
Knapp zwei Wochen lang haben Archäologiestudenten aus Göttingen im Frühjahr dieses Jahres die Fundamente des Baus freigelegt. Dabei fanden sie auch kleine Fragmente der Innenausstattung wie Splitter von Fensterglas oder Teile von Hohlziegeln. Am Haus Nummer 32 in der Westerstraße hängt eine Gedenktafel. Hier befanden sich neben der Synagoge auch das Rabbinerhaus und die jüdische Schule. Die Fassade des Gebäudes ist noch im Original erhalten und vor der Menora, dem siebenarmigen Leuchter, finden regelmäßig Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Nazi-Regimes statt.