Kolumne „Alles Kultur“ Hunnert!
Diesmal hat unsere Autorin hier allen Grund zum Feiern: Es ist ihre 100. Kolumne. Und das ist einfach: Hunnert!
Opa schaute sich sein neues Fohlen an, legte den Kopf schief, pfiff kurz durch die Zähne und sagte: „Hunnert!“ Eine sich immer wiederholende, vertraute Situation, die ich mir jederzeit detailgenau ins Herz rufen kann. Hunnert! – Bedeutet auf Plattdeutsch so etwas wie Prima! Klasse! Astrein! Wenn Opa etwas noch besser als das fand, dann bebten die Nasenflügel ein wenig und er sagte mit tränenzittriger Stimme: „Hun-nert-pro-zen-tig!“ Dann folgte ein Zungenschnalzer und er putzte sich die Nase mit seinem Stofftaschentuch.
Zur Person
Annie Heger (38), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des „PLATTart“-Festivals.
Ich kann heute ganz laut „Hunnert!“ sagen, denn heute ist dies hier meine 100. Kolumne. Meine 100. Kolumne kommt etwas später als die der anderen Autor*innen hier, da gerade in diesem Jahr sehr viele Feiertage auf meinen Kolumnenmontag fielen. So übrigens auch nächsten Montag wieder. Dabei wollte ich doch etwas zu unterschiedlichen Traditionsküchen zum Weihnachtsfest schreiben. Hebe ich mir für nächstes Jahr auf. Ja, ich plane das nächste Kolumnenjahr, denn ich habe vor weiterzuschreiben. Bis Joachim Braun sagt, es sei Schluss.
Diese Kolumne macht mein Nachhausekommen nämlich noch schöner. Denn wir scheinen dadurch verbundener zu sein. Wir teilen an verschiedensten Orten Themen, Gedanken, Erinnerungen und kühne Wünsche. Es vergeht kein Einkauf bei Behrends in Wiesmoor, bei dem nicht irgendjemand im Gang mir zuruft: „Find ich genauso.“ oder „Hest weer fein schreven!“. Manchmal auch ein besorgt-mahnendes „Muttst uppassen, wat du schrievst.“
Ich habe sehr viel von Euch und Ihnen gelernt. Zum Beispiel, dass die meisten geduzt werden wollen, jedoch einige sehr auf dem Sie bestehen. Ich bemühe mich, allen gerecht zu werden. Und ich versuche mir selbst gerecht zu werden und mich durch die vielen Reaktionen nicht verunsichern zu lassen. Ich bleib ich und meine weltumarmende Haltung zu gelingender, gemeinsamer Kultur bleibt. Ich schreibe sehr gerne für Euch. Und Sie. Die Menschen hier sind besonders. Und könnte ich durch die Zähne pfeiffen, dann würde ich es tun, den Kopf zu Seite legen, dat Land un de Lüü beschauen und sagen: Hunnert!
Kontakt: kolumne@zgo.de
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Andere Fragen und andere Antworten
Ihr jungen Frauen habt mich inspiriert