Flachsmeerer feiern Weihnachten  Gemeinsam einsam an Heiligabend

Geertje Wehry
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Von Geertje Wehry
| 15.12.2022 16:15 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Petra und Johannes Frey feiern Heiligabend mit Menschen, die sonst einsam wären. Foto: Wehry
Petra und Johannes Frey feiern Heiligabend mit Menschen, die sonst einsam wären. Foto: Wehry
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Ein Flachsmeerer Ehepaar lädt zum Weihnachtsfest ein. Bereits im elften Jahr wird bei Kartoffelsalat und Würstchen Zeit miteinander verbracht.

Flachsmeer/Ihren - Es ist wohl einer der Tage, an dem einsamen Menschen sehr deutlich wird, dass sie wenig Menschen um sich herum haben: Heiligabend. Während die meisten den traditionsreichen Abend im Kreise von Familie und Angehörigen verbringen, gibt es jedoch auch in allen Altersstufen Menschen, die mit niemandem an diesem Tag feiern können. Deshalb bieten Johannes und Petra Frey aus Flachsmeer bereits seit elf Jahren „Heiligabend nicht allein sein“ an. Eingeladen sind Frauen und Männer, die sonst allein zu Hause sitzen würden.

Der Grundstein zu dem zwanglosen, aber feierlichen Treffen wurde bereits in Petra Freys Kindheit gelegt. „Mein Vater hat auswärts gearbeitet, Heiligabend wurde bei uns in der Familie darum nicht groß gefeiert. Aber meine Mutter hatte an dem Tag immer Kriegerwitwen zu Besuch“, erinnert sie sich. Später, als eine Nachbarin von ihr Witwe wurde, habe sie diese eingeladen. „Sie hat mit uns und unseren Kindern gefeiert“, erinnert sich Frey. Doch natürlich seien unter anderem in der Kirchengemeinde der evangelischen Freikirchlichen Gemeinde Ihren, in der sich das Ehepaar Frey engagiert, mehr Menschen an Heiligabend allein. Nicht für jeden sei es einfach, eine Einladung in das Zuhause unbekannter Menschen anzunehmen. So seien sie auf die Idee gekommen, eine Weihnachtsfeier in den Räumen der Kirche zu organisieren. Dort steht ein festlich geschmückter Tannenbaum und die Tische werden schön gedeckt.

Klassischer Menüplan

Los geht das Treffen um 18 Uhr. Gefeiert wird dann ganz traditionell mit Kartoffelsalat und Würstchen, selbstgebackenen Keksen und Liedern sowie Gedichten. „Die erste Anmeldung von jemandem, den ich zuvor nicht kannte, hatten wir tatsächlich aufgrund des Kartoffelsalats“, erzählt Petra Frey lachend. Sie bereitet alle Speisen im Vorfeld bei sich zu Hause vor. Auch Alternativen für Vegetarier sind im Angebot. „Höhepunkt sind immer vier bis fünf verschiedene Sorten Nachtisch. Wer macht sich denn noch einen Pudding allein?“, fragt sie. Während des Abends kümmert sie sich um die Gäste, während ihr Mann Johannes den Abwasch macht. Mehrere Gemeindemitglieder übernehmen außerdem einen Fahrdienst für diejenigen, die nicht mobil sind.

Angst davor, ganz allein zu sein, sollten Gäste nicht haben. „Man macht sich zum einen bekannt und zum anderen ist es hier in Ostfriesland ja auch eigentlich unmöglich niemanden – wenn auch über Ecken – zu kennen“, sagt Johannes Frey lachend. Langeweile sei bei den vergangenen zehn Feiern – eine habe wegen Corona abgesagt werden müssen – nicht aufgekommen. Von Geschäften im Ort unterstützt, gibt es sogar kleine Geschenke für die Gäste.

Jeder ist willkommen

Nicht nur Senioren feiern mit. Wohnort, Alter, Geschlecht und auch Religion spielen keine Rolle. „Die einzige Voraussetzung zur Anmeldung ist, dass die Leute sonst den Abend allein verbringen müssten“, so Petra Frey. Anmeldungen nimmt das Ehepaar Frey zur besseren Planung bis zum 20. Dezember unter der Rufnummer 04961/8097497 oder der Email p.frey@gmx.net. Häufig hören sie, dass die Teilnehmer lange darüber nachgedacht hätten, ob sie sich anmelden. Viele kämen jedoch nicht nur einmal. Die Teilnahme ist kostenlos.

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