Engpässe in Apotheken Landkreis Leer – Viren toben sich in den Atemwegen aus
Insbesondere bei Medikamenten für Kindern gibt es derzeit Lieferengpässe. Gleichzeitig halten Atemwegserkrankungen Mediziner, Apotheker und Familien auf Trab.
Landkreis Leer - Es wird geniest, geschnieft, gehustet und gefiebert: Auch im Kreis Leer halten Atemwegserkrankungen Ärzte und Apotheker auf Trab. Dabei sind es laut dem Kreisgesundheitsamt mehrheitlich Grippe-Erreger, die sich aktuell austoben. Der Anteil der Influenza-Viren an den Atemwegserkrankungen liege zurzeit bei 42 Prozent, sagte Jens Gerdes, Pressesprecher des Landkreises Leer. Rund 30 Prozent der Fälle seien auf sogenannte RS-Viren zurückzuführen, rund sechs Prozent auf Corona. Die beiden erstgenannten Erkrankungen sind zwar nicht meldepflichtig.
Doch die Kreisbehörde beteiligt sich an einem freiwilligen Meldesystem des Niedersächsischen Gesundheitsamtes. „Jeden Freitag gibt es eine Abfrage der Daten aus ausgewählten Kindertagesstätten, um einen repräsentativen Stand zu bekommen“, erklärt Jens Gerdes. Gestern veröffentlichte das Landesgesundheitsamt die Statistik für die vergangene Kalenderwoche. 27 von 44 Landkreisen und 254 von 283 Kitas haben sich beteiligt. Anhand dieser Daten ist ersichtlich, dass die ohnehin schon hohe Aktivität noch einmal deutlich zugenommen hat.
Anzahl kranker Kinder steigt
Demnach waren 7345 von 20.646 betreuten Kindern erkrankt, das entspricht einem Anteil von 35,6 Prozent – nach 29,7 Prozent in der Vorwoche und 24,3 Prozent zwei Wochen zuvor. In 26 der 44 Landkreise war die Aktivität „sehr hoch“, das galt auch für den Leeraner Bereich. Die Werte liegen nach Angaben des Landesgesundheitsamtes deutlich über dem Niveau aller vorhergehenden Saisons seit 2007. Das führt dazu, dass Kinderärzte im Kreis Leer überlastet sind und sich inzwischen auf die Behandlung der jüngsten Patienten konzentrieren. Auch die Apotheken haben mehr als genug zu tun, bestätigt Oliver Hirsch, Vorsitzender des Bezirks Emden des Landesapothekerverbandes. „Hier boxt der Papst“, sagte der Inhaber der Emder „Sonnen-Apotheke“.
Erschwerend kommen Lieferengpässe bei Arzneien hinzu, von denen Kleinkinder akut betroffen sind. „Ibuprofen und Paracetamol sind als Tabletten für Erwachsene, nicht aber als Säfte und Zäpfchen für Kinder verfügbar“, so Hirsch. Er bekomme inzwischen E-Mails von verzweifelten Müttern und könne den Engpass etwas abmildern, indem seine Apotheke die Zäpfchen und Säfte aus den Tabletten selber herstelle. Das sei zwar erheblich teurer, aber hilfreich, „um die größte Not zu lindern“.
Hiesige Hersteller stellen Produktion ein
Generell werde die Liste der nicht lieferbaren Medikamente immer länger, kritisierte Hirsch: „30 andere Wirkstoffe sind ebenfalls nicht zu kriegen. Das nimmt ungeahnte Ausmaße an, die wir so noch nicht erlebt haben. Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass wir mal in eine solche Situation kommen.“ Die Ursachen seien vielfältig. Ein Grund seien die Lieferketten-Probleme, die verschärfte Auswirkungen hätten, weil China ein großer Lieferant sei und hiesige Hersteller aus Kostengründen ihre Produktion einstellen würden.
Unterdessen sind auch die im Labor nachgewiesenen Corona-Infektionen im Kreis Leer wieder etwas angestiegen. Im Laufe des Monats Dezember kamen bis gestern 856 Nachweise hinzu, der Inzidenzwert erhöhte sich von 200,1 am 30. November auf 255,8. Zudem gab es in diesem Zeitraum sieben weitere amtlich gemeldete Todesfälle in Verbindung mit Covid 19, insgesamt sind es nun 178.