Hamburg Wie man seinem Kind Werte vermittelt – auch ohne Gott und die Kirche
Werte in der Erziehung sind wichtig. Doch woher nehmen Eltern diese, wenn die Kirche und Gott als Wegweiser wegfallen?
In diesem Text erfährst Du:
Manchmal fühlt sich der Alltag mit Kindern an wie der der reinste Debattierklub. Jede elterliche Ansage – und mag sie noch so profan sein – wird infrage gestellt. Und da nicht jede Mutter oder jeder Vater erpicht auf eine solche Zweitkarriere ist, wünscht man sich vielleicht in manchen Momenten ein einfaches Argument, um jeden Widerstand zu beenden. Eine Autorität, an der nicht gezweifelt wird, wenn man sie bittet, den Bruder nicht zu schubsen oder der Schwester nicht das Spielzeug zu entreißen.
Hätte man doch nicht aus der Kirche austreten sollen? Leicht verzweifelt schweift der Blick auf den leeren Raum über der Küchentür, an der kein Kruzifix hängt. Der liebe Gott – oder eher der strafende Gott – war lange Zeit eine prägende Figur in der Kindererziehung. Dahin zurück will wohl niemand. Doch auch Eltern, die weder an Gott glauben noch einer Kirche angehören, stehen vor der Herausforderung, ihren Kindern Werte wie Respekt oder Mitgefühl zu vermitteln. Wie klappt das, ohne die strafende Macht der Kirche in der Hinterhand?
Experten sind sich einig, dass Kinder Werte benötigen. Auf ihnen basiert unser gesellschaftliches Miteinander. Außerdem möchten wohl alle Eltern ihre Kinder zu guten Menschen erziehen, auch wenn die Definition davon, was genau das bedeutet, unterschiedlich ist.
Doch wie vermittelt man Werte in der Erziehung? Auf zwei Wegen:
Kinder imitieren unser Verhalten. Das ist manchmal unglaublich süß („Oh, guck mal: Es hat sich mit seinem Buch in deinen Lesesessel gesetzt!“) und manchmal weniger („Woher kennst du denn all diese Schimpfwörter? Bist du wieder mit Mama Auto gefahren?“). Möchte man seinem Nachwuchs Respekt gegenüber anderen näherbringen, ist es wichtig, sich auch selbst respektvoll zu verhalten. Wobei natürlich auch Eltern nur Menschen sind, die sich – erst recht in Stresssituationen wie dem Straßenverkehr – mal falsch verhalten. Daher gibt es ja noch einen zweiten Weg.
Schon im Babyalter erklären manche Eltern ihrem Kind immer wieder, warum es sein Essen nicht auf den Boden werfen und andere nicht beißen soll – auch wenn diese das noch gar nicht verstehen. Diese Erklärungen bleiben in der Wertevermittlung wichtig. Durch den gemeinsamen Austausch darüber, wie man als Familie miteinander leben will, verfestigen sich Werte wie Respekt, Vertrauen oder Dankbarkeit.
Das geht auch ganz ohne Religion oder Glauben. Statt Nächstenliebe einfach deshalb vorzuschreiben, weil es nun einmal in der Bibel steht, können Kinder im gemeinsamen Gespräch den Sinn und die Vorteile hinter den einzelnen Werten verstehen. Logisch, oder? Man versteht etwas schließlich viel besser, wenn man den Sinn dahinter selbst entdeckt – statt es einfach nur nachzuplappern.
Außerdem setzen Eltern so einen Grundstein für das spätere Leben ihres Kindes. Denn Werte wandeln sich, ob in der Gesellschaft oder beim Individuum. Es ist wichtig, dass Kinder lernen, verschiedene Wertvorstellungen anzuerkennen und mit ihnen umzugehen. Das gelingt besser, wenn der Dialog und die Auseinandersetzung darüber von klein auf gelernt werden.
Ohne die Kirche, die einem Werte vorgibt, müssen sich Eltern selbst darüber klar werden, was ihnen wichtig ist. Und auch wenn man den Kindern vieles automatisch mitgibt, kann ein bewusstes Nachdenken über Familienwerte sinnvoll sein. Schließlich bestimmen sie, wie man miteinander leben möchte. Beispiele für Werte, die vielen Eltern wichtig sind, sind: Respekt, Vertrauen, Ehrlichkeit, Toleranz oder Mitgefühl.
Und auch wenn man selbst aus der Kirche ausgetreten ist und mit Religion nicht viel am Hut hat: Warum soll man sich nicht ein wenig von der Bibel inspirieren lassen? Vieles von dem, was auf christliche Werte zurückgeführt werden kann, wie Mitgefühl oder Nächstenliebe, klingt auch für Atheisten nach einem guten Erziehungsansatz. Sie stammen vielleicht aus der Bibel, sind aber auch ganz ohne einen Gott, der einen bei nicht Einhalten der Regeln bestraft, eine gute Idee.
Dieser Artikel erschien zuerst im Dezember 2021.