Forderungen an Politik  Bundesweit Probleme im Rettungsdienst – auch in Ostfriesland

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 13.12.2022 16:19 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Was muss passieren, damit die Helfer nicht mehr am Limit arbeiten? Ein neues „Bündnis pro Rettungsdienst“ hat sich am 12. Dezember in Berlin mit Forderungen an die Politik gewandt. Foto: Zinken/dpa
Was muss passieren, damit die Helfer nicht mehr am Limit arbeiten? Ein neues „Bündnis pro Rettungsdienst“ hat sich am 12. Dezember in Berlin mit Forderungen an die Politik gewandt. Foto: Zinken/dpa
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Das neu gegründete „Bündnis pro Rettungsdienst“ schlägt Alarm. Die Politik müsse dringend handeln. Auch in Ostfriesland kämpfen die Retter mit Problemen.

Ostfriesland/Berlin - „Die Überlastung des Rettungsdienstes und Fehlsteuerungen im System haben den Rettungsdienst bundesweit in die Krise geführt.“ Das schreibt das neu gegründete „Bündnis pro Rettungsdienst“ in einer Mitteilung. Es fordert die Politik zu „schnellem Handeln“ auf.

In Ostfriesland hatten die Rettungsdienste in diesem Jahr mit überdurchschnittlichen Kapazitätsengpässen zu kämpfen. Unsere Zeitung hatte bei der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland angefragt, ob seit April die Bereitstellung von Rettungswagen, Notarztwagen oder Krankentransportwagen zu irgendeinem Zeitpunkt unterschritten worden sei. „Ja, deutschlandweit“, antwortete Leitstellen-Chef Tomke F. Albers im November. „Wir waren nicht die Ausnahme, sondern Bundesdurchschnitt.“

Ostfriesische Notfallrettung war wochenlang an ihren Grenzen

In Ostfriesland ist vor allem aufgrund von Corona-Infektionen so viel Personal ausgefallen, dass Krankentransporte zurückgefahren werden mussten, um genügend Rettungswagen einsatzbereit zu haben. Die vorgeschriebenen Hilfsfristen sollen aber eingehalten worden sein. Das berichtete die Stadtverwaltung Emden für die dortige Rettungsleitstelle – und Albers für die Regionalleitstelle, die für die Landkreise Aurich, Leer und Wittmund zuständig ist. Die Notfallrettung ist laut Albers in diesem Jahr aber „definitiv über Wochen an ihre Grenzen gekommen“.

Das Rettungsdienst-Bündnis sieht mehrere Ursachen: „Eine gesunkene Schwelle für die Inanspruchnahme, unzureichende Kenntnis, welche Notrufnummer die jeweils richtige ist und lange Wartezeiten sowie eingeschränkte Verfügbarkeit im ambulanten Sektor führen zu einer Überlastung des Rettungsdienstes.“ Zum Bündnis gehören die Björn-Steiger-Stiftung, die Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte, die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft, die Gesellschaft für Rettungswissenschaften, der Berufsverband Rettungsdienst und die Mitarbeiterseite der Arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas.

Forderungen des „Bündnisses pro Rettungsdienst“

Das Bündnis fordert „eine enge Verzahnung zwischen den Notrufnummern 112 und 116117“. Notrufe, die nach Bewertung der Rettungsleitstelle keine akut bedrohliche Situation darstellen, müssten an die 116117 weitergegeben „und dort durch eine Gesundheitsberatung oder den ärztlichen Hausbesuch beantwortet werden“. In Pilotvorhaben erfolgreich erprobte Projekte wie der Gemeindenotfallsanitäter und der Notfallkrankenwagen müssten „in den Regelbetrieb überführt werden, um Rettungswagen und Notärzte zu entlasten und nicht jedem Notruf eine Krankenhausbehandlung folgen zu lassen“.

Der Einsatz von Gemeindenotfallsanitätern ist von den Kreisen Ammerland und Cloppenburg sowie der Stadt Oldenburg erprobt worden. Er wird aktiv, wenn der Leitstelle ein Transport mit dem Rettungsdienst nicht erforderlich zu sein scheint. Auf der Projekt-Seite www.gemeindenotfallsanitaeter.de heißt es: „Gemeindenotfallsanitäter behandeln die Patienten und koordinieren die Hilfe vor Ort zwischen dem Hausarzt, dem Krankenhaus, dem Altenheim oder dem Pflegedienst.“

Rettungskräfte steigen offenbar frühzeitig aus dem Beruf aus

Notfallkrankenwagen sind im Ammerland seit dem Jahr 2020 im Einsatz. Sie sind laut dortigem Rettungsdienst „nicht nur für den Transport, sondern auch für die Erstversorgung sowie die Überwachung von Patienten konstruiert und ausgerüstet“. Sie seien zwischen Rettungs- und Krankenwagen angesiedelt. Geschäftsführer Michael Peter erklärt auf der Internetseite des Rettungsdienstes, dass sie unter anderem „bei Armbrüchen, Stürzen, Einweisungen oder auch fieberhaften Erkrankungen zum Einsatz kommen“.

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Laut „Bündnis pro Rettungsdienst“ hat die Belastung Folgen: „Aus gesundheitlichen Gründen können nur Wenige bis zum Renteneintrittsalter im Beruf bleiben. Viele verlassen den Beruf schon nach wenigen Jahren. Als Folge der Personalnot hat die Zahl der unbesetzten Einsatzfahrzeuge in den letzten Jahren stark zugenommen.“ Es fordert: „Eine Ausbildungsinitiative, moderne Arbeitszeitmodelle sowie angemessene Bezahlung müssen erreicht werden.“