Geschichte  Gedenkstätte Esterwegen gibt Einblicke in NS-Verbrechen

Insa Pölking
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Von Insa Pölking
| 13.12.2022 17:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zahlreiche Studenten sowie Mitarbeiter der Uni Osnabrück und der Gedenkstätte Esterwegen beteiligten sich an dem dreijährigen Projekt. Foto: Universität Osnabrück
Zahlreiche Studenten sowie Mitarbeiter der Uni Osnabrück und der Gedenkstätte Esterwegen beteiligten sich an dem dreijährigen Projekt. Foto: Universität Osnabrück
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Die Universität Osnabrück untersuchte Orte nationalsozialistischer Verbrechen im Emsland. Die Studenten fanden heraus, wo mehr als 10.000 Kriegsgefangene begraben wurden.

Esterwegen - Alte Zahnpastatuben, ein Lagerfriedhof und ein Schießstand, der sich noch erahnen lässt: Mit der Universität Osnabrück untersuchte die Gedenkstätte Esterwegen Orte nationalsozialistischer Verbrechen im Emsland – und gewann dabei neue Einblicke.

In dem Kooperationsprojekt „Boden|Spuren. Gewaltorte als Konfliktlandschaften in der Geschichtskultur“ haben Studierende der Universität Osnabrück die Landschaften von Opfer- und Täterorten in Aschendorfermoor, Dalum und Esterwegen auf historische Spuren untersucht. Insgesamt drei Jahre forschten die Studenten und Wissenschaftler während des von „Jugend erinnert“ geförderten Projekts.

Begräbnisort für mehr als 10.000 Kriegsgefangene

Das Programm startete 2020 mit zehn Studierenden der Universität Osnabrück. Während des Projekts untersuchten sie die Geschichte der Kriegsgräberstätte Dalum. Bei Bodenanalysen gewannen die Forscher nicht nur neue Einblicke in die Geschichte des Lagers. „Deutlich wurde insbesondere die komplexe Vielschichtigkeit der materiellen Überformung solcher Orte von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart“, erläutert Professor Dr. Christoph Rass von der Universität Osnabrück.

So fanden die Forschenden während ihrer Bodenanalysen heraus, dass die heutige Kriegsgräberstätte im Zweiten Weltkrieg von einem Lager des Reichsarbeitsdienstes zu einem Begräbnisort für mehr als 10.000 sowjetische Kriegsgefangene wurde.

Zahnpastatuben aus Aschendorfermoor

Und auch auf dem ehemaligen Gelände des emsländischen Strafgefangenenlagers II Aschendorfermoor ließen sich nach Aussagen der Teilnehmer Spuren aus der Vergangenheit finden. „Dieses Areal ist heute eine landwirtschaftlich genutzte Fläche und nicht mehr als Lager zu erkennen“, berichtet der Professor der Osnabrücker Universität.

Die Geschichte und Topografie sei bereits in der Nachkriegszeit unsichtbar gemacht worden. Dennoch befänden sich Spuren des NS-Terrors im Boden und auf dem Gelände der nahen Kriegsgräberstätte. So stießen die Forschenden während ihrer Bodenuntersuchungen auf zahlreiche Alltagsgegenstände der damaligen Inhaftierten und Wachmannschaften. Darunter Knöpfe der Häftlingsuniformen, Zahnpastatuben und eine Nivea-Dose aus den 1930er Jahren, berichtet Dr. Christoph Rass.

Studierende der Universität Osnabrück haben die Bodenoberfläche von Opfer- und Täterorten vermessen. Foto: Universtität Osnabrück
Studierende der Universität Osnabrück haben die Bodenoberfläche von Opfer- und Täterorten vermessen. Foto: Universtität Osnabrück

Die ehemalige Schießbahn des Lagers Esterwegen war der dritte und letzte Abschnitt für die Forschungen des Projektteams im Jahr 2022. Die Anlage diente bis 1945 als Ausbildungsstätte von SS- und SA-Wachmannschaften. Errichtet wurde die Schießbahn in den 1930er Jahren durch Zwangsarbeit der Häftlinge. In dem heutigen Waldstück in Esterwegen untersuchten die Teilnehmenden des Kooperationsprojekts den Boden nach Überresten von Bebauung und entdeckten unter anderem, dass die Schießbahn heute noch als Schneise im Boden zu erkennen ist.

Die gesamten Ergebnisse und Funde der Untersuchungen werden ab sofort in der Gedenkstätte Esterwegen als Sonderausstellung gezeigt. Das Projektteam erarbeitete zudem ein umfangreiches digitales Ausstellungskonzept. Zu der analogen Ausstellung, können ausführliche Vertiefungsinhalte online eingesehen werden. In der Sonderausstellung sind diese über einen QR-Code zugänglich, teilt die Gedenkstätte mit.