Rathaus-Neubau in Barßel  Politiker streiten über die Größe und Breite

Hans Passmann
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Von Hans Passmann
| 13.12.2022 13:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Rat der Gemeinde Barßel kam zu seiner letzten Sitzung in diesem Jahr zusammen. Nicht immer verliefen die Abstimmungen einstimmig. Foto: Passmann
Der Rat der Gemeinde Barßel kam zu seiner letzten Sitzung in diesem Jahr zusammen. Nicht immer verliefen die Abstimmungen einstimmig. Foto: Passmann
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Wie groß soll der Saal im neuen Bürgerhaus werden? 123 oder 152 Quadratmeter? Wird überhaupt ein Veranstaltungsraum benötigt. Das war Anlass für Diskussionen in der Ratssitzung in Barßel.

Barßel - Der Streit und die Diskussionen um den Neubau des Rathauses und des Bürgerhauses in Barßel nehmen in den politischen Gremien kein Ende. Aktuelles Beispiel hierfür war am Montagabend die Sitzung des Gemeinderates im Hotel- und Landgasthof Herzog auf dem Carolinenhof. Da ging es um die Entscheidung über die Ausführung des „Bürgerhauses“.

Vornehmlich stritten sich die Politiker darüber, wie groß denn nun der Saal werden soll. Ob nun wie zunächst geplant 123 Quadratmeter oder nach den neuesten Berechnungen des Architekten Christian Bär aus Bad Zwischenahn 152 Quadratmeter. Das würde eine Verteuerung von rund 210.000 Euro bedeuten.

Wie groß ist der Bedarf für einen Saal?

Die Diskussionen waren schon fast zum Haare raufen. Bei einigen Argumenten schlug Bürgermeister Nils Anhuth (parteilos) die Hände vors Gesicht. Er hatte zuvor erklärt, dass nach einem Beschluss des Rates vom 30. September 2020 nun über das Volumen des Bürgerhauses entschieden werden müsse, nachdem die Leistungen des ersten Bauabschnitts vergeben worden seien. Gerade im Hinblick auf den Gesamtterminplan müsse eine Entscheidung getroffen werden.

„Das Bürgerhaus bedeutet einen Mehrwert für die Gemeinde Barßel. Eine Abfrage bei Vereinen und Institutionen ergab 300 Buchungen im Jahr. Nun muss gesagt werden, wie groß der Saal werden soll“, so Anhuth.

„Bei der Nutzung des Saals sollte auf eine hinreichende Flexibilität Wert gelegt werden. Es wird ja nicht nur ein reiner Ratssaal, sondern es soll ein multifunktionaler Saal werden, in dem auch Veranstaltungen stattfinden. Daher ist es sinnvoll, den Saal in der Breite um zwei Meter zu vergrößern. Es ist vergleichsweise so, als wenn man einen großen Traktor mit einer kleinen Maschine ausstattet. Da muss man mal halt in den sauren Apfel der Verteuerung beißen“, so Architekt Bär.

Keine friedliche Stimmung

Von friedlicher Weihnachtsstimmung war während der Sitzung keine Spur. „Der Bau ist schon überteuert. Wir sollten den Bau des Bürgerhauses stoppen. Als Privatmann und Unternehmer hätte man schon längst Abstand vom Bau genommen. Wir verrennen uns damit. Der Schuldenstand der Gemeinde steigt“, argumentiert Ratsherr Hannes Coners (Grüne). „Wenn wir ein Unternehmen wären, dann würde der Bau schon längst stehen“, gab es vom Bürgermeister die Retourkutsche.

„Ich habe schon damals gesagt, die Baukosten gehen wie eine Rakete in die Höhe. Es gibt ein Schloss am Wörthersee. Wir bauen hier ein Schloss an der Soeste“, meinte Ratsherr Hartmut Wrede (SPD). Das könne man keinem mehr verkaufen. „Für Mittagsverpflegung an den Schulen haben wir kein Geld, aber für das Bürgerhaus wohl. Die Kosten des Bürgerhauses werden steigen. Das ist doch schon jetzt klar. Es ist so, als wenn man sagt, der Osterhause kommt zu Weihnachten“, so der SPD-Ratsherr. „Die Mittagsverpflegung an den Schulen ist Aufgabe des Landes und nicht der Gemeinde. Es kann nicht sein, dass wir Bittsteller beim Land sind“, entgegnete der Bürgermeister.

„Neubau war richtige Entscheidung“

„Wir nehmen viel Geld in die Hand. Es ist eine schwierige Aufgabe. Dem politischen Gegner und dem Bürgerbegehren haben wir es zu verdanken, dass der Bau des Rathauses und des Bürgerhauses teurer wird. Wir haben uns für das Rathaus und Bürgerhaus entschieden. Das war die richtige Entscheidung. Wir haben die große Chance auf ein wunderbares Bürgerhaus in der Ortsmitte. So etwas wünscht sich jede Gemeinde“, votierte Ratsherr Johannes Geesen (CDU) für den Bau.

„Ich war immer für die Sanierung des jetzigen Rathauses. Nun sind es über 15 Millionen Euro für einen Neubau. Dafür wird der Straßenbau zurückgestellt“, kritisierte Ratsherr Hubert Niemeyer (Bürgerfraktion). Man brauche kein Bürgerhaus mit Saal. Die Vereine hätten fast alle ihre eigenen Räume.

„Wir wollen auf einen eigenen Saal als Gemeinde zurückgreifen können. Bezüglich des Straßenausbaus gibt es keine Fördermittel mehr. Daher sind diese Projekte ins Stocken geraten“, so Anhuth.

Mit 15 Ja-Simmen, acht Nein-Stimmen und fünf Enthaltungen stimmte der Rat dem zweiten Bauabschnitt mit Saalvergrößerung zu.

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