Berlin Deutsche gehen zu früh in Rente: Scholz‘ brisanter Offenbarungseid
Kanzler Olaf Scholz sagt plötzlich, die Menschen müssten länger arbeiten, damit die Renten bezahlbar und Fachkräfte erhalten bleiben. Folgt auf Scholz‘ Erkenntnis endlich eine verantwortungsvolle Rentenpolitik?
Angesichts der Kanzler-Worte kann man sich nur die Augen reiben. Olaf Scholz will den Anteil derer steigern, die bis zum regulären Renteneintrittsalter arbeiten. Denn obwohl die offizielle Schwelle in Richtung 67 Jahre nach hinten rückt, und obwohl die Lebenserwartung stetig steigt, gehen die Menschen de facto nicht später in Rente. Die Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-Jährigen stagniert.
Das vergrößert den sozialen Sprengstoff, der sich längst auftürmt. Wer länger lebt, aber nicht länger arbeitet, erhält länger Rente. Dabei schrumpft der Anteil der arbeitenden Bevölkerung bald dramatisch gegenüber der wachsenden Zahl der Rentner. Die Augen muss man sich reiben, weil Scholz und seine SPD seit vielen Jahren eine Rentenpolitik betreiben, die die Probleme ignoriert.
Kaum war die Rente mit 67 beschlossen, führte die SPD für langjährige Einzahler die Möglichkeit ein, doch schon mit 63 abschlagsfrei oder - für Spätgeborene - mit verringerten Abschlägen auszuscheiden. So wurde die eigene Reform konterkariert.
In diesem Jahr wurden die Renten so stark erhöht wie nie zuvor. Die Grundrente, die über den Sozialhilfesätzen liegt, ist schon beschlossen. Jetzt sitzt Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil von der SPD daran, Scholz‘ Wahlversprechen eines stabilen Rentenniveaus umzusetzen. Das alles motiviert eher dazu, nicht länger, sondern kürzer zu arbeiten. Desaströser Nebeneffekt: Der Fachkräftemangel wird noch verstärkt.
Dass all das bald nicht mehr zu bezahlen ist, kann auch den schlauen Kanzler nicht überraschen. Experten beziffern die in der Rente versteckten Staatsschulden auf drei Billionen Euro. Aber weil der Durchschnittswähler über 55 Jahre alt ist, haben die Parteien die Augen vor der tickenden Zeitbombe verschlossen.
Olaf Scholz hat sich als Respekt-Kanzler wählen lassen. Wenn der Respekt auch für Menschen unter 55 gilt, dann müsste eine neue, eine unbequeme Reform her. Vorschläge gibt es reichlich: Anreize für einen frühen Renteneintritt wieder abbauen, Rentenbeiträge statt Niveau stabilisieren, Beamte ins System holen, private Altersvorsorge stärken. Und es braucht auch in der Wirtschaft mehr Bereitschaft, ältere Arbeitnehmer zu respektvollen Bedingungen an Bord zu halten und eben nicht aufs Altenteil zu schicken.
Die Ampel war vor einem Jahr als Aufbruchs- und Modernisierungskoalition angetreten. Will sie ihr Versprechen wirklich einlösen, dann muss sie sich auch an die Rente trauen.