Kolumne „Alles Kultur“ Was bedeutet uns das Schenken?
Viele denken inzwischen, bei Weihnachten geht es vor allem um das Schenken. Doch was bedeutet uns das Schenken eigentlich? Mit dieser Frage beschäftigt sich unsere Kolumnistin.
Zehn Prozent der Menschen, die Weihnachten feiern, wissen nicht, warum man Weihnachten feiert. Ich checke bei meinen Konzerten jeden Abend einmal den Wissensstand der Anwesenden. Und obwohl der Abend „Bethlehem“ heißt, ich über den Stern, die Hirten und das Jesuskind spreche, ist die wirklich ungelogen einzige Antwort, die ich bei jedem Konzert in dieser Adventszeit bekommen habe: Geschenke.
Zur Person
Annie Heger (38), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des „PLATTart“-Festivals.
Ja, natürlich, was wäre Weihnachten ohne Geschenke? Und das ist keine neuzeitige und konsumorientierte Erfindung. Das Schenken war schon bei den alten Römern eine Tradition, die noch nichts mit unserem heutigen Fest zu tun hatte, doch da schenkte man sich am Jahresende bereits Glücksbringer für das kommende Jahr. Und auch die Weisen aus dem Morgenland brachten ihre wertvollen und bedeutungsvollen Königsgaben.
Zwölf Prozent aller Frauen wünschen sich übrigens selbst gemachtes, 8,4 Prozent der Männer schenken es ihnen. 27,5 Prozent lieber Parfüm. 34,4 Prozent der Männer wünschen sich Technik- und Elektrogeräte, nur zu einem Viertel wird dieser Wunsch erhört. Und meine Frau hat mir erzählt, dass Netzspinnweibchen ihre Partner auffressen, wenn sie kein Geschenk in ausreichender Größe nach Hause bringen, und dass wir so weit vom Tierreich nicht entfernt seien.
Ich liebe Schenken. Das ganze Jahr über mache ich mir Gedanken, um dann beim Auspacken gespannt in die Gesichter der Liebsten zu sehen. Sich einmal ganz und gar mit den Gedanken nur auf diesen Menschen zu konzentrieren, die letzten Begegnungen durchzuspielen, was ihn erfreuen könnte. Ich schenke fast lieber, als dass ich Geschenke bekomme. Schenken bedeutet ja auch eigentlich Geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Und doch am Ende mehr zu gewinnen – dadurch, dass man gegeben hat. Also ich zelebriere das auch, versteht mich nicht falsch. Ich baue meine Geschenke noch bis zu zwei Wochen auf einem Gabentisch auf.
Habt ihr schon alle Weihnachtsgeschenke? Wenn nicht, ich wüsste da bestimmt was.
Kontakt: kolumne@zgo.de
Jauchzet laut und bleibt mit uns sitzen
Andere Fragen und andere Antworten
Dafür feier ich den Film!
Frauen – Leben – Freiheit