Nachfolgerin wirft hin  Querelen um das Tierheim Stapelmoor

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 07.12.2022 18:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Iris Holzapfel leitet das Tierheim in Stapelmoor. Foto: Ortgies/Archiv
Iris Holzapfel leitet das Tierheim in Stapelmoor. Foto: Ortgies/Archiv
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Es tut sich einiges beim Personal im Tierheim Stapelmoor. Die Nachfolgerin hat schon wieder gekündigt. Was ist los?

Stapelmoor - Die Suche nach einer Nachfolge war nicht leicht. Im Sommer war es doch geschafft: Anke Wilken sollte nach einer Übergangsphase die Leitung des Tierheimes Stapelmoor von Iris Holzapfel übernehmen. Diese Pläne sind geplatzt. Wilken hat nur kurz nach ihrem Start im Oktober wieder gekündigt. „Selbstverständlich finde ich es schade, dass ich nicht mehr im Tierheim arbeite“, sagt sie auf Nachfrage der Redaktion. Sie sei aber mit den Umständen nicht zufrieden gewesen: Mitarbeiter müssten Zeit haben, um die Hunde zu beschäftigen, das sei nicht der Fall. „‚Nur‘ Gassi mit Ehrenamtlichen reicht leider nicht. Manche Hunde müssen resozialisiert und es muss mit ihnen gearbeitet werden. Bei weit über 20 Hunden ist das nicht möglich. Trotz der Dringlichkeit wurde ein Aufnahmestopp durch die erste Vorsitzende abgelehnt.“ Leider könne man auch als Verein nicht immer allen Tieren aus verschiedenen Kommunen helfen, auch wenn man möchte.

Was und warum

Darum geht es: Es gibt immer wieder Berichte über Querelen rund ums Tierheim Stapelmoor. Wir haben mit der jetzigen Leiterin und der Nachfolgerin gesprochen, die es dann doch nicht wurde.

Vor allem interessant für: die, die sich für Tierschutz interessieren

Deshalb berichten wir: Im Sommer hatte sich nach langer Suche eine Nachfolgerin gefunden. Daraus wird allerdings nichts.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

Die erste Vorsitzende, die sie anspricht, ist Iris Holzapfel, die das Tierheim nun weiterhin leitet. „Die letzten beiden Privatabgaben an Hunden, die ich abgelehnt habe, sind dann als Fundhunde hier hergekommen. Man kann die Tiere ja nicht draußen sitzen lassen. Einen Stopp in der Form haben wir nie gemacht“, sagt sie. „Es werden gerade im Internet Vorwürfe erhoben, die sind schon schlimm. 2020 und 2021 haben wir 60 Hunde vermittelt. Trotzdem wird einem das Horten von Tieren unterstellt. Und die Zahl der Katzen ist vergleichsweise niedrig. Wir haben mit den Pflegestellen 157 Katzen, wir dürfen 180 aufnehmen.“

Anke Wilken hatte das Tierheim übernehmen wollen. Foto: privat/Archiv
Anke Wilken hatte das Tierheim übernehmen wollen. Foto: privat/Archiv

Personalsituation angespannt

Nicht nur die Belegung, auch die Personalsituation bemängelt Wilken. „Ich war nicht in der Lage, Mitarbeitern einen Ausgleichstag für gearbeitete Feiertage zu geben. Freie Tage waren auch fast nur möglich, wenn Ehrenamtliche den Dienst eines Tierpflegers übernommen haben.“ Das und die Arbeit einzelner Pfleger unter anderem mit gefährlichen Hunden habe sie nicht verantworten wollen. Dass das Tierheim unter Personalmangel leidet, unterschreibt Iris Holzapfel. „Fachkräfte werden überall händeringend gesucht. Man kann sie nicht herbeizaubern.“ Man sei auf der Suche nach ausgebildeten Tierpflegern.

Hier ist es gemütlich. Leider werden viele Katzen ausgesetzt und sind sich selbst überlassen. Foto: Archiv
Hier ist es gemütlich. Leider werden viele Katzen ausgesetzt und sind sich selbst überlassen. Foto: Archiv

Und es kommt noch eine Welle auf uns zu“, so Holzapfel. „Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet eine Schließung von bundesweit jedem vierten Tierheim.“ In der Mitteilung des Tierschutzbundes wurden die Energiekosten, die gestiegenen Tierarztkosten und die vielen Haustiere, die während Corona angeschafft worden sind und wegen ihrer Macken in den Heimen gelandet sind, als Gründe genannt. Diese Probleme gehen auch am Heim in Stapelmoor nicht spurlos vorbei. „Die Tierheime tauschen sich untereinander zu Energiespartipps aus. Aber die Mehrkosten sind sehr hoch. Auch die Tierarztkosten. Die Sätze wurden lange nicht erhöht, deshalb kann man sich kaum beschweren, aber die Kosten verdoppeln sich teilweise.“ Ein Tier werde nur kastriert, entwurmt und geimpft vermittelt. „Aber wenn man die Gebühr erhöht, kann das heißen, dass weniger Tiere vermittelt werden können, das können wir auch nicht wollen“, sagt Holzapfel.

Im Januar, wenn sich die Wogen gelegt haben, stünden Neuwahlen des Vorstandes an, sagt Holzapfel. „Leider haben die Schriftführerin und die Kassenwartin ihre Ämter niedergelegt“, erklärt sie. Während Wilken das den personellen Problemen und der Belegung des Tierheimes zuschreibt, sieht Holzapfel den Grund darin, dass sie den Arbeitsaufwand der Aufgaben nicht mehr stemmen konnten. „Eigene Tiere, Job, Familie. Es ist sehr schade. Es waren sehr gute Mitarbeiterinnen. Aber die beiden sind noch oft beim Tierheim und packen mit an. Es gibt guten Kontakt“, sagt sie. Fest stehe, dass die Querelen – gerade bei Facebook – den Tieren nicht helfen würden. Was hilft denn? „Wir können hochwertiges Trockenfutter für Katzen und Hunde brauchen.“ Helfende Hände natürlich auch.

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