Lichterglanz im Advent Die tragische Geschichte des Fehntjer Weihnachtshauses
Familie Letas aus Rhauderfehn schmückt ihr Haus jedes Jahr weihnachtlich. Die vielen Lichter sind der Familie sehr wichtig – auch wenn es nicht ganz billig ist.
Rhauderfehn - Clark Griswold hockt im Dunkeln auf dem Hausdach und tackert eine Lichterkette nach der nächsten fest. Schließlich ist das Dach nach einigen Pannen geschmückt. Die Familie steht voller Erwartung vor dem Haus und macht einen Trommelwirbel. Der Familienvater stöpselt den Stecker ein, doch alles bleibt dunkel. Das ist eine Szene aus dem bekannten Weihnachtsklassiker „Schöne Bescherung“.
Familie Letas aus Rhauderfehn sieht ihn sich jedes Jahr zur Weihnachtszeit an. Vor 17 Jahren wünschte sich Silvia Letas von ihrem Mann: „So müssen wir es auch schmücken.“ Seitdem erstrahlt ihr Haus in der zweiten Südwieke samt Vorgarten voller Lichterglanz und selbstgebauter, wetterfester Weihnachtsdekoration. Immer wieder gibt es Neues zu entdecken. Vieles davon baut Mathias Letas in seiner Werkstatt selbst. Tatkräftige Unterstützung bekommt er dabei von seinen Kindern.
Neue Pyramide ist ein Highlight
Highlight in diesem Jahr ist eine fünfstöckige Pyramide aus hölzernen Kabeltrommeln, die er von seinem Nachbarn, dem Elektriker, besorgte. Aus fünf Holzklappböcken fertigte er einen überdimensionalen Stern. Weiße Wasserschläuche und rot-weißes Absperrband verwandelte er in große Lollys.
Neben der Haustür steht ein Holzwagen mit Rollen und Pinguinen. Es ist eine Weihnachtsbude, aus der Glühwein geschenkt werden kann. Dazu gehört ein Stehtisch mit Lichterketten, gebaut aus Kabelrollen. Eingangsbereich, Auffahrt und Vorgarten. Alles ist üppig geschmückt. Die Tochter habe im Postkasten auch schon Briefe an den Weihnachtsmann von Kindern aus der Nachbarschaft entdeckt. Gemeinsam mit ihrer Mutter habe sie Antwortbriefe geschickt.
Dieses Jahr blieben einige Lichterketten wegen der hohen Energiekosten im Karton, berichtet Letas. „Wir haben dieses Mal nur 25 Lichterketten verwendet“, erzählt er. „Der kleine Weihnachtsmarkt im Garten entfällt. Ursprünglich wollten wir nur ein paar Räume und die Tür schmücken. Aber wenn man erst einmal dabei ist, überrollt es einen.“ Der Nachbar habe schon gefragt, ob er dieses Jahr zum Grinch werde, sagt der leidenschaftliche Weihnachtshandwerker. Das ist eine Kinderbuch- und Filmfigur, die die Feiertage hasst.
Tragischer Hintergrund für Festschmuck
Die Familie zahle jährlich etwa 400 Euro zusätzlich an Stromkosten für die Weihnachtsbeleuchtung. „Es ist ja auch nur eine begrenzte Zeit. Dafür muss der Trockner ausbleiben“, sagt Letas lachend. Um etwas zu sparen, wird die Beleuchtungsdauer reduziert. Morgens bleibe alles dunkel. Von 17 bis 21.30 Uhr gehen dann die Lichter an. Die Resonanz sei durchgängig positiv. Viele kämen vorbei und gucken sich alles an. Fotos werden gemacht. „Sie kommen auch aufs Grundstück. Das stört uns nicht“, so Letas. „Darum geht es ja auch, dass die Leute viel Freude haben.“
Das große Schmücken hat aber auch einen tragischen Hintergrund. Sohn Christian erlitt zwei Tage nach seinem 13. Geburtstag einen starken Stromschlag im eigenen Garten, durch den er bis heute im Rollstuhl sitzt. Gehen ist nur mit Unterstützung möglich. „Er hat nach dem Unfall ein zweites Leben gewonnen“, berichtete der Familienvater.
Um das jedes Jahr aufs Neue zu feiern, werde so viel geschmückt. Bei der Umsetzung neuer Ideen helfe Christian. Seit viereinhalb Jahren lebt der Sohn in einer Wohngruppe der Caritas Papenburg. Jedes Jahr kommt Christian mit seiner Wohngruppe und den Betreuern auf Bratwurst und Punsch am Weihnachtshaus vorbei. „Da freuen sich immer alle drauf“, berichtet der Familienvater. „Christians Mitbewohner fragen schon im Oktober, wann sie wieder zu uns kommen dürfen.“ Auch dieses Jahr wurde in der 2. Südwieke am Vorabend des zweiten Advents gemeinsam gefeiert. Tochter Julia sorgte in der selbstgebauten Pinguinbar für heißen Punsch. Mathias Letas kümmerte sich um die Bratwürste. Eine Feuertonne, die zugleich als Stehtisch diente, brachte angenehme Wärme. Ein schöner Abend, der bei Familie Letas Tradition hat.
Pläne für weitere Weihnachten
Fürs nächste Jahr hat Mathias Letas neue Baupläne: Eine große Weihnachtslokomotive mit Rädern von ausgedienten Rollstühlen soll es werden. „Und ich möchte gerne irgendwas für die Wieke zaubern“, sagte er schmunzelnd. Das Weihnachtshaus der Familie Letas ist noch bis zum 6. Januar 2023 zu bestaunen.