Hoheellernschule in Leer Seit Jahren Großbaustelle – jetzt melden sich die Eltern zu Wort
Seit Jahren wird an der Hoheellernschule in Leer unter deutlich erschwerten Bedingungen unterrichtet. Jetzt ist der Schulleiterin der Kragen geplatzt. Verständlich, finden Elternvertreter.
Leer - Es war hoch hergegangen in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses. Kim-Astrid Weers-Blank, der Schulleiterin der Hoheellernschule, war der Kragen geplatzt. Sie drohte, nicht länger Schulleiterin sein zu wollen. Die Grundschule ist seit sechs Jahren eine Dauerbaustelle. Asbest-Sanierung, Wasserschäden, Umplanungen – Lehrer und Schüler hangeln sich von einem Provisorium zum nächsten. Immer wieder gab es Versprechungen, dass es bald besser werde, immer wieder wurde es sogar noch schlimmer. Zudem sei die Kommunikation mit der Stadtverwaltung schlecht, hatte Weers-Blank beklagt. Die Stadtverwaltung widerspricht dem.
Was und warum
Darum geht es: Seit Jahren ist die Hoheellernschule eine Großbaustelle, mittlerweile liegen die Nerven blank – bei der Schulleiterin, aber auch bei den Eltern.
Vor allem interessant für: Eltern, Schüler und Lehrer der Hoheellern- und auch der anderen Grundschulen in der Stadt
Deshalb berichten wir: Elternvertreter hatten um das Gespräch gebeten, weil sie glauben, dass vielen die Situation in der Schule gar nicht bewusst ist. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Die aktuelle Situation beschreiben Renate Driefholt, Elternvertreterin der Klasse drei, und Jens Müller, Vorsitzender des Schulelternrats, so: Das alte Schulgebäude sei komplett geräumt. Bis auf einige Klassen, die im Mensa-Gebäude unterrichtet werden, hätten alle anderen in die Container umziehen müssen, die auf dem Schulhof aufgestapelt wurden. Auch das Lehrerzimmer sei nicht nutzbar. Bis zur ersten Pause könnten sich die Lehrer in der Mensa aufhalten, danach stehe ihnen ein Raum zur Verfügung, der eigentlich genutzt werden solle, um problematischen Schülern einen Rückzugsort zu bieten. In ihm hätten nicht alle Lehrer Platz. Wer nicht rechtzeitig komme, müsse halt in der Klasse bleiben.
Rückenstärkung für die Schulleiterin
Mitte November habe es eine – sehr positive und konstruktive – Ortsbegehung mit Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos), Teilen der Politik, der Stadtverwaltung und auch Elternvertretern gegeben, bei der man den Politikern das Entsetzen deutlich habe ansehen können.
„Wir wollen unserer Schulleiterin den Rücken stärken“, sagt Driefholt. Kim-Astrid Weers-Blank kämpfe für ihr Kollegium und die rund 280 Schüler. Wenn man jahrelang unter diesen Bedingungen arbeiten müsse – zunächst als stellvertretende Schulleiterin und jetzt als Schulleiterin – sei doch klar, dass die Reaktion irgendwann auch mal heftig werde.
Manchmal fehlen nur Kleinigkeiten
Zudem müsse man den Eindruck gewinnen, dass längst nicht alles getan werde, um die Situation zu entschärfen. „In vielen Räumen fehlt nur noch eine Kleinigkeit. Warum kann man das nicht schon mal machen, bevor die großen Sachen angegangen werden“, fragt Müller. Eine der großen Sachen sei zum Beispiel die Umgestaltung des Dachgeschosses, wo Klassenräume anstelle der Aula entstehen sollen. Dabei seien Dachbalken mit Schimmelbefall entdeckt worden, die nun saniert werden müssten, teilt die Stadtverwaltung mit. Pläne müssten angepasst, ein neues Brandschutzkonzept erstellt und Trinkwasser-, Heizungs- und Abwasserleitungen erneuert werden.
„Wir haben monatelang keinen Handwerker vor Ort gesehen. Einen Tag vor dem Vor-Ort-Termin mit dem Bürgermeister waren plötzlich welche da, am Tag danach auch. Seitdem aber wieder nicht mehr“, erzählt Driefholt. „Das wirkt schon ein bisschen komisch.“
Hellhörige Container
Die Container seien generell gar nicht schlecht, aber nicht als Dauerlösung, sagt Müller. Vor allem, weil sie sehr hellhörig seien. Das sei belastend für die Lehrer, die ohne Lehrerzimmer nicht einmal in den Pausen einen ruhigen Ort hätten. Schlimm sei es aber auch für Kinder, besonders für diejenigen, die generell Schwierigkeiten mit der Konzentration hätten. „Einige Kinder werden ein Stück weit schlechter von der Grundschule abgehen, als nötig“, befürchtet Driefholt.
Bis zum nächsten Schuljahr könnten die Arbeiten nun tatsächlich abgeschlossen sein, sagt die Stadtverwaltung. „Ich wette einen Kasten Bier dagegen“, sagt Müller und lacht ein wenig bitter.