Kliniken am Limit Kindermedizin darf kein Geschäftsmodell sein
Das grassierende RS-Virus bringt Kinderkliniken derzeit an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit. Diese aber haben sie schon in normalen Zeiten fast ausgereizt – es ist ein Fehler im System.
Eigentlich kaum zu glauben: Im reichen Deutschland sind die Kinderkliniken dramatisch überlastet. Da werden Kinder, die sonst auf jeden Fall stationär aufgenommen worden wären, nur noch ambulant behandelt. Selbst bei echten Notfällen werden Babys und Kleinkinder abgewiesen und müssen zu teils weit entfernten Kinderkrankenhäusern gebracht werden, weil einfach kein Bett mehr frei ist.
Diese Notlage hat drei Gründe. Für die ersten beiden kann keiner was: Erstens grassiert die gefährliche Atemwegserkrankung RSV, viele Säuglinge und Kleinkinder müssen künstlich beatmet werden. Und zweitens fehlt wegen Corona oft das Personal. Hier fordern die Kliniken, ihre Stationen ausnahmsweise mit weniger Pflegekräften als vorgeschrieben laufen lassen zu dürfen – oder machen das einfach.
Der dritte Grund aber liegt im kranken System. Seit Jahren werden Kliniken und Betten für Kinder abgebaut, weil sich ihre Behandlung für die Krankenhaus-Konzerne nicht lohnt. Das System der Fallpauschalen passt nicht zur Kindermedizin mit ihren vielen Notfällen, für die Personal und Betten vorgehalten werden müssen. Das kostet viel und bringt zu wenig ein. Hier sind Politik und Gesellschaft gefordert, denn eine gute medizinische Versorgung der Kleinsten darf kein Geschäftsmodell sein. Es gehört schlicht zur staatlichen Daseinsvorsorge.