Viele Fälle im Kreis Leer Grippe schlägt häufiger und früher zu
Die Grippewelle ist bereits im vollen Gange. Das Landesgesundheitsamt ruft Risikogruppen dazu auf, sich „baldmöglichst“ impfen zu lassen. Grund für den sprunghaften Anstieg der Fälle ist Corona.
Landkreis Leer - In Niedersachsen häufen sich die Grippe-Fälle. In Ostfriesland besonders betroffen ist derzeit der Landkreis Leer. Das Landesgesundheitsamt stuft die Aktivität der Influenzaviren im Kreisgebiet als „hoch“ ein. Offizielle Zahlen der Kreisverwaltung bestätigen den Eindruck. Demnach wurden im November bislang 49 Influenza-Fälle gemeldet. „Im vergangenen Jahr gab es in diesem Zeitraum noch keine gemeldeten Fälle“, so Kreissprecher Philipp Koenen.
Was und warum
Darum geht es: Die Zahl der Grippe-Fälle steigt derzeit rasant an.
Vor allem interessant für: Menschen, die unter Vorerkrankungen leiden.
Deshalb berichten wir: Die Grippe-Welle startet in diesem Jahr früher als erwartet. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
Dabei dürfte die tatsächliche Zahl der Fälle sehr viel höher liegen. „Die Grippe gehört gemäß dem Infektionsschutzgesetz nicht zu den meldepflichtigen Krankheiten, sodass in diesem Zuge keine direkte Erfassung erfolgt“, erklärt Tina Schmidt, Sprecherin des Leeraner Klinikums. Die Grippe sei meist keine Hauptdiagnose, das heißt, die Patienten werden oftmals nicht direkt aufgrund der Grippe im Krankenhaus behandelt. Daher führe die Klinik über die Anzahl der Grippepatienten keine Statistik.
Landesgesundheitsamt ruft zur Impfung auf
Auch bei der Kassenärztlichen Vereinigung in Aurich beobachtet man aber einen Anstieg der Fallzahlen. „Aus den Gesprächen, die wir mit Praxen führen, können wir das bestätigen“, sagt Geschäftsführer Dieter Krott. „Es gibt einen hohen Krankenstand und für die Praxen eine hohe Arbeitsbelastung.“ Auffällig sei, dass die Grippewelle in diesem Jahr besonders früh einsetzt und bereits jetzt viele Fälle verzeichnet werden. Das Landesgesundheitsamt sieht den „Beginn der epidemischen Phase der Influenza in Niedersachsen“ gekommen und rät deshalb Risikogruppen, dass eine Impfung „baldmöglichst“ erfolgen sollte. „Influenzaerkrankungen führen häufig nicht unmittelbar, sondern in Verbindung mit vorbestehenden Grunderkrankungen zum Tode“, so das Landesgesundheitsamt. Die tatsächliche Anzahl durch Grippe bedingter Todesfälle lasse sich erst nach Ende der Saison anhand der Todesfallstatistik feststellen. Abhängig von der Schwere der jeweiligen Influenzasaison könne die Übersterblichkeit in Deutschland mehr als 20.000 Fälle betragen.
Corona ist schuld
Dieter Krott stellt klar, dass in Ostfriesland genügend Impfdosen zur Verfügung stehen. „Es gibt keine Engpässe“, sagt er. „Die Mengen reichen aus.“ Das bestätigt Detlef Haffke, Sprecher der Niedersächsischen Kassenärztlichen Vereinigung. „Die Arztpraxen müssen immer sehr früh ihre Impfdosen bestellen“, erklärt er. Es gebe eine Vorlaufzeit von fast einem Jahr. In Niedersachsen seien 2,3 Millionen Impfdosen geordert worden. „Das ist natürlich immer eine Schätzung in die Zukunft“, so Haffke.
Im Falle einer besonders schweren Grippewelle könne es einen Aufschreckungseffekt in der Öffentlichkeit geben und die Nachfrage nach Impfungen sprunghaft steigen. Es gebe bislang aber keine Hinweise dafür, dass die Krankheitsverläufe aktuell schwerer sind als in den vergangenen Jahren, betont Haffke. Derzeit gebe es lediglich zwei Auffälligkeiten: Erstens nehme die Zahl der „echten“ Grippe-Fälle, für die also Influenzaviren verantwortlich sind, stark zu. Zweitens geschehe dies früher als sonst. Den Grund für die so auffallend früh startende Grippe-Saison in der Region sieht Haffke in den Corona-Maßnahmen der vergangenen Jahre. „Unser Immunsystem ist nicht mehr gut trainiert, die Abwehrkräfte zu mobilisieren“, erklärt er. „Das kommt dem Virus zugute.“