Osnabrück Alternative zu Öl und Gas: Lohnt sich die Wärmepumpe in Alt- und Neubau?
Seit dem Ukraine-Krieg wissen wir: Eine warme Wohnung ist keine Selbstverständlichkeit. Öl und Gas sind knapp und dementsprechend teuer. Lohnt sich jetzt der Umstieg auf die Wärmepumpe? Hier die acht wichtigsten Fragen und Antworten der Energie-Experten Andreas Holtgrave und Robert Doelling.
Der Winter ist bereits deutlich zu spüren. In vielen Haushalten werden in diesen Wochen die Heizungen aufgedreht. Die meisten Wohnungen werden noch mit Öl und Gas beheizt, doch die Wärmepumpen sind stark im Kommen. Aber wie funktionieren die eigentlich? Sind sie tatsächlich günstiger als Öl und Gas? Und welche Fördermöglichkeiten gibt es? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen:
Wie funktionieren Wärmepumpen?
Die Wärmepumpe funktioniert wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt. Um das Innere zu kühlen, gibt der Kühlschrank Wärme nach außen ab. Die Wärmepumpe hingegen transportiere Wärme aus der Umwelt – aus Luft, Boden oder Grundwasser – zum Heizen ins Haus, erklärt Robert Doelling, Gründer von energie-experten.org.
Es gibt verschiedene Arten von Wärmepumpen, die sich vor allem darin unterschieden, von welcher Quelle die Wärme stammt. Eine Erdwärmepumpe nutzt tief im Boden gelegene Wärme. Eine Luft-Wärmepumpe dagegen verwendet die Umgebungsluft.
Die Wärmepumpe selbst arbeite mit einem Kältemittel, das durch die Umgebungswärme verdampft. Ein Kompressor verdichtet den Kältemitteldampf anschließend „und bringt es dadurch auf eine sehr hohe Temperatur“, erklärt Doelling. Das verdichtete Kältemittel gebe seine Wärme schließlich an den Heizkreislauf ab, wodurch der Kältemitteldampf wieder herunterkühle und flüssig werde. „Und der Kreislauf der Wärmepumpe ist geschlossen“, sagt der Experte.
Die Krux: Für diesen Vorgang, vor allem für den Betrieb des Kompressors, benötigt die Wärmepumpe Strom. Während andere elektrische Heizsysteme den Strom jedoch direkt in Wärme umwandeln, ist der Strom bei einer Wärmepumpenheizung erforderlich, um Umweltwärme auf ein höheres Temperaturniveau zu bringen.
Wie viel Strom benötigt die Wärmepumpe?
„Das hängt von dem Wärmebedarf des Hauses und der Effizienz der Wärmepumpe ab“, sagt Andreas Holtgrave, Energieberater von der Verbraucherzentrale Niedersachsen und gibt ein Beispiel: Eine Familie, die rund 20.000 Kilowattstunden Gas im Jahr verbraucht, müsse – sobald der Preisdeckel gilt – mit rund 2.400 Euro an Gaskosten rechnen. Bei einer guten Wärmepumpe, die mit 5.000 Kilowattstunden Strom auskäme, lägen die Betriebskosten bei etwa 2000 Euro. Eine Differenz von 400 Euro im Jahr. „Da kann man dann noch mit einrechnen, dass ein Gaskessel durch einen Schornsteinfeger untersucht werden muss“, erklärt Holtgrave. „Das fällt dann bei der Wärmepumpe weg.“
An besonders kalten Tagen müsse die Wärmepumpe jedoch zusätzlich mit einem Heizstab in Gang gebracht werden. „Dieser Strombedarf fällt jedoch nicht derart ins Gewicht, dass die ganze Wirtschaftlichkeitsrechnung hinfällig wäre“, erklärt Doelling.
Muss man Altbauten sanieren, bevor man Wärmepumpen einbauen kann?
„Das muss nicht sein“, sagt Holtgrave. „Altbau ist nicht gleich Altbau.“ Wichtig sei, in welchem Zustand das Gebäude ist, wann es errichtet wurde und ob schon Sanierungsschritte unternommen worden sind. „Wenn das geklärt ist, dann kann man so ein Gebäude im Prinzip auf den Prüfstand stellen“, sagt der Experte. Wie gut ist der Wärmeschutz? Wie ist das Wärmeverteilnetz ausgelegt? Gibt es Heizungen, die eine besonders geringe Leistung ausweisen. Am besten hole man sich hierfür einen Energieberater mit ins Boot, sagt Doelling. Auch ein Sanierungsfahrplan für die nächsten Jahre mache durchaus Sinn.
Wie viel kostet die Anschaffung?
„Für ein typisches Einfamilienhaus kann man heutzutage wohl für eine Luftwärmepumpe mit durchaus 25.000 Euro brutto rechnen“, sagt Doelling. „Für eine Erdwärme-Heizung liegen sie wahrscheinlich eher bei 35.000 Euro an Investitionen.“ Davon müsse aber bei Altbauten noch die Förderung abgezogen werden: 25 bis 35 Prozent. Je nachdem, welche Heizung ersetzt wird. Wie hoch die Förderbeiträge sein können, lässt sich mithilfe des Förderrechners des Bundesverbandes Wärmepumpe ermitteln.
Für eine Wärmepumpe fallen höhere Anschaffungskosten an, als für eine Gas- oder Ölheizung, wie diese Statista-Grafik zeigt.
Gibt es auch für Neubauten noch Förderungen?
„Bei Neubauten hat der Bund das ganz stark zusammengestrichen“, sagt Holtgrave. Aktuell gebe es nur noch eine Förderung im Effizienzhaus 40 mit Nachhaltigkeitsklasse. In dem Zusammenhang könnte auch die Ausrüstung mit einer Wärmepumpe als integraler Bestandteil der Anlage gefördert werden. „Ansonsten kenne ich aktuell keinen Fördertatbestand im Neubau.“ Allerdings werde das im Ministerium gerade diskutiert: „Man plant eine Bundesförderung erneuerbare Energien, aber das sind bisher nur Arbeitspapiere.“
Vor allem bei Neubauten sind Wärmepumpen beliebt, wie diese Grafik zeigt:
Sind Wärmepumpen aktuell überhaupt noch zu bekommen?
Die hohe Nachfrage nach Wärmepumpen steht aktuell herben Lieferengpässen gegenüber. „Meiner Meinung nach darf man da aber nicht die Flinte ins Korn werfen“, sagt Doelling. „Man muss wahrscheinlich schon mit einem halben Jahr Lieferzeit rechnen, aber ich finde, ein halbes Jahr ist vertretbar.“ Letztlich müsse man aber auch flexibel sein, was die Herstellerauswahl angeht. „Wenn man sich auf ein Gerät festlegt, kann es natürlich sein, dass es das gerade nicht gibt.“
Kann man die Wärmepumpe mit einer Öl- oder Gasheizung kombinieren?
„Das ist möglich“, sagt Holtgrave. Wenn man mit zwei Wärmequellen gleichzeitig arbeitet, nenne sich das eine Hybridanlage. „Vom Konzept her, wäre es so, dass die Wärmepumpe bevorzugt dann arbeitet, wenn sie eine möglichst hohe Effizienz erzielen kann.“ Der fossile Kessel würde dann den Restbedarf abdecken, wenn es richtig knackig kalt wird. „Solche Sachen machen aber nur dann Sinn, wenn der fossile Kessel noch eine nennenswerte Lebensdauer hat.“
Wie diese Statista-Grafik zeigt, wird ein Großteil der Wohnungen weiterhin mit Gas oder Öl beheizt:
Lässt sich die Wärmepumpe durch eine Photovoltaikanlage betreiben?
„Das hängt davon ab, wie hoch der Strombedarf im eigenen Haushalt ist und wie hoch der Strombedarf der Wärmepumpe ist“, erklärt Holtgrave. Ohne Speicher werde eine PV-Anlage etwa ein Drittel des Haushaltsbedarf abdecken können. Mit einem Tagesspeicher sogar zwei Drittel. Bei der Wärmepumpe werde der Anteil niedriger sein, sagt der Experte. „Das hängt einfach mit der Saisonalität zusammen: Die Photovoltaik-Anlage liefert vor allem im Hochsommer. Da brauchen wir die Wärmepumpe aber nur für die Warmwasserbereitung. Und im tiefen Winter, da läuft die Wärmepumpe, aber da kommt nur relativ wenig Leistung von der PV-Anlage.“
In einer weiteren Ausgabe unseres interaktiven Leserforums haben unsere Moderatoren mit Matthias Vogt vom ADAC über E-Mobilität gesprochen. Die Strompreise explodieren. Lohnt sich der Umstieg unter den Umständen noch?
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