Kickers-Trainer tippt auf Spanien  „Emma“ und Hansi Flick sind seit 40 Jahren Kumpels

| | 25.11.2022 14:48 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Stefan Emmerling im November 1985 im Trikot der U18-Nationalmannschaft. Sein Kumpel Hansi Flick war da gerade zu Bayern München gewechselt. Fotos: Imago
Stefan Emmerling im November 1985 im Trikot der U18-Nationalmannschaft. Sein Kumpel Hansi Flick war da gerade zu Bayern München gewechselt. Fotos: Imago
Artikel teilen:

Stefan Emmerling stammt aus Meckesheim. Hansi Flick wuchs im Nachbarort Mückenloch auf. Sie spielten auch lange in einer Mannschaft. Der Kontakt der beiden ist nie abgebrochen.

Emden - Wenn Fußball-Bundestrainer Hansi Flick in die Kritik gerät, dann leidet in Ostfriesland ein Kumpel aus alten Zeiten besonders heftig mit. Trainer Stefan Emmerling vom BSV Kickers Emden kennt den DFB-Coach so lange wie niemand anders aus der Profiszene. Beide sind in Heidelberg geboren, beide ein paar Kilometer voneinander entfernt aufgewachsen, beide wechselten in der B-Jugend gemeinsam zum SV Sandhausen und beide standen sie beim Oberligatitel des SVS 1985 im Meisterteam. Solch ein Weg verbindet. „Ich wünsche Hansi, dass er am Sonntag die Überraschung schafft und hoffe auf einen deutschen 1:0-Sieg über Spanien“, sagt Emmerling.

Doch wirklich überzeugt vom „Hansi im Glück“ ist der Fußballlehrer aus Hinte nicht. „Ich habe die große Befürchtung, dass wir scheitern und tippe auf ein 2:0 für Spanien.“

Besserwisser nerven Emmerling

Die 1:2-Pleite gegen Japan hat auch Emmerling in „tiefste Depression“ versetzt. Doch im Gegensatz zu so manchem Experten begibt er sich nicht auf Fehlersuche beim Bundestrainer. „Diese Besserwisser gibt es bei Niederlagen immer.“ So ärgerte sich der Kickers-Trainer nun auch über die Frage eines „Boulevard-Blattes“, ob Flick zu nett sei. „Er hat sechs Titel mit Bayern geholt. Damals hat niemand solch eine Frage gestellt.“

Hans-Dieter Flick im Sommer 1985. Da hatte er Sandhausen und Emmerling verlassen, war zum FC Bayern gewechselt.
Hans-Dieter Flick im Sommer 1985. Da hatte er Sandhausen und Emmerling verlassen, war zum FC Bayern gewechselt.

Der Wahl-Ostfriese springt eben auch heute noch für seinen Jugendfreund in die Bresche. „Emma“ und der genau ein Jahr ältere Bundestrainer wuchsen einst nur zwölf Kilometer entfernt voneinander auf. Der kleine Stefan kickte für den FSV Meckesheim, Hans-Dieter für den BSC Mückenloch. Ab der B-Jugend saßen die Jungs dann nebeneinander im Bulli, wenn der Fahrdienst des SV Sandhausen die Talente zu Spiel oder Training abholte.

Gemeinsam für SV Sandhausen

Der erste gemeinsame Erfolg gelang dem Duo mit dem A-Jugendtitel in Baden-Württemberg. „Wir sind dann bei der Deutschen Meisterschaft an Schalke 04 gescheitert.“ In der Saison 1984/85 waren Emmerling und Flick dann ein Garant für die Meisterschaft des SV Sandhausen in der Oberliga. „Wir haben gemeinsam die rechte Seite dicht gemacht“, scherzt Emmerling. „Ich habe hinten gespielt, Hansi direkt vor mir.“ Das alles machten sie so gut, dass beide den Sprung in den Profifußball schafften. So trennten sich ihre Wege, aber der Kontakt blieb bis heute. „Wir schreiben uns noch – aber unregelmäßig“, sagt Stefan Emmerling.

Der Emder hegt aber immer noch Sympathien für den einstigen Weggefährten. Also fällt beim Thema Nationalelf kein schlechtes Wort über den Bundestrainer. „Emma“ glaubt vielmehr, dass die so lang anhaltenden Diskussionen über das Verbot der One-Love-Binde und die vom Team geforderte Reaktion darauf für den Erfolg nicht förderlich war. „Mit Beginn der WM hätte das für die Spieler bei aller Kritik an Katar erledigt sein müssen. Spieler sind keine Politiker.“

Kritik an Antonio Rüdiger

Doch einen Akteur befreit er nicht von jeglicher Schuld am Japan-Debakel. Denn eine spezielle Aktion stieß bei ihm auf Unverständnis: „Mir hat es nicht gefallen, wie Antonio Rüdiger beim Laufduell mit Asano die Beine übertrieben hochgezogen hat“, sagt Emmerling zur viel diskutierten Szene. „Das wirkte auf mich überheblich. Es war vielleicht der Auslöser, mit dem wir den Gegner provoziert haben.“ Stefan Emmerling erinnert an den späteren Siegtorschützen. „Das war natürlich Asano.“

Vor dem Spiel gegen Spanien lebt beim Emder Coach trotz allem die Hoffnung: „Ich traue der Mannschaft immer noch viel zu. Die Gefahr aber ist groß, dass wir ausscheiden werden, denn selbst ein Unentschieden wird nicht reichen.“ Seinem alten Kumpel Hansi Flick drückt er auf jeden Fall kräftig die Daumen. „Natürlich würde ich ihm den WM-Titel gönnen.“

Ähnliche Artikel