GA-Weihnachtsaktion Immer mehr Menschen brauchen Hilfe

| | 25.11.2022 17:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Artikel hören:
Der neue Vorstand der Friesoyther Tafel CarLa, der im September für vier Jahre gewählt wurde: (von links) Schriftführerin Elsbeth Poschmann, Barßels Pfarrer Ludger Becker als Dechant, Vorsitzender Reinhold Looschen, Bianca Henken, Kassenwart Johannes Budde, zweiter Vorsitzender Werner Fuhler und Regina Bunger von der Gemeinde-Caritas Friesoythe. Die Friesoyther Tafel CarLa für Caritas Lebensmittelausgabe ist eine Initiative der Gemeindecaritas für das Dekanat Friesoythe. Sie ist Mitglied im Bundesverband der Tafel Deutschland. Foto: Fertig
Der neue Vorstand der Friesoyther Tafel CarLa, der im September für vier Jahre gewählt wurde: (von links) Schriftführerin Elsbeth Poschmann, Barßels Pfarrer Ludger Becker als Dechant, Vorsitzender Reinhold Looschen, Bianca Henken, Kassenwart Johannes Budde, zweiter Vorsitzender Werner Fuhler und Regina Bunger von der Gemeinde-Caritas Friesoythe. Die Friesoyther Tafel CarLa für Caritas Lebensmittelausgabe ist eine Initiative der Gemeindecaritas für das Dekanat Friesoythe. Sie ist Mitglied im Bundesverband der Tafel Deutschland. Foto: Fertig
Artikel teilen:

In diesem Jahr sammeln der General-Anzeiger und Ein Herz für Ostfriesland zusammen für die Rhauderfehner und Friesoyther Tafeln. Die Zahl der bedürftigen Kunden steigt stetig.

Rhauderfehn/Saterland/Barßel - Die Not wächst, bei den Tafeln in Deutschland steigt die Zahl der Kunden stetig. „Angesichts der massiv gestiegenen Preise für Energie und Dinge des täglichen Bedarfs nehmen immer mehr Menschen das Angebot der Tafeln in Anspruch“, erzählt Egon Plaisier, Chef der Rhauderfehner Tafel in Klostermoor. „Für viele Menschen ist die Tafel zur Lebensnotwendigkeit geworden, insbesondere in der jetzigen Zeit, wo die Energiekosten ins Unendliche steigen. Durch die hohe Inflation können sie sich manche Dinge, insbesondere in Bezug auf Lebensmittel, nicht mehr leisten und müssen schon darauf achten, was sie sich diese Woche noch kaufen können – oder nicht.

Die erste Ausgabe der Rhauderfehner Einrichtung, erinnert er sich, fand am 11. März 2005 statt. „Damals kamen 56 Menschen zu uns. Inzwischen versorgen wir zur Zeit insgesamt 642 Menschen mit Lebensmitteln.“ Die Lebensmittelausgabe ist jeden Dienstag und Freitag von 15 Uhr bis 18 Uhr. Wegen des großen Andrangs wurde die Kundschaft geteilt: Jeder Kunde kann nunmehr nur noch 14-tägig zur Tafel kommen und Waren abholen.

Zwischendurch gab es Warteliste

„Die Kundenzahl wuchs kontinuierlich und in den letzten Monaten stieg sie so stark an, dass Ausgaben von 15 bis 20 oder sogar 20.30 Uhr zur Gewohnheit wurden. Zwischenzeitlich konnten wir nicht mehr alle Menschen bedienen und mussten 151 Personen auf eine Warteliste setzen“, berichtet Plaisier.

Insgesamt 62 ehrenamtliche Helfer und drei junge Leute im Freiwilligendienst halten die wichtige Einrichtung am Laufen.

Intensiver Zulauf in Friesoythe

Viel Arbeit für die Helfer gibt es auch bei der Friesoyther Tafel – der Lebensmittelausgabe CarLa. Deren Vorstand hat in seiner aktuellen Zusammensetzung noch nicht oft getagt. Denn die neuen Mitglieder sind erst im September ins Amt gewählt worden.

Die Ehrenamtlichen haben ihren Dienst in einer für die Tafeln angespannten Zeit angetreten. Wegen des Ukraine-Kriegs haben Tafeln intensiven Zulauf, zeitgleich steigen die Preise. Die Entwicklung betrifft Lebensmittelausgaben bundesweit. Auch in Friesoythe sind diese Auswirkungen spürbar.

420 Körbe für die Kunden

„Geflüchtete aus der Ukraine, die sich an uns wenden, werden immer mehr“, sagt CarLa-Vorsitzender Reinhold Looschen. Derzeit versorgt die Friesoyther Tafel mehr als 1000 Menschen mit Lebensmitteln, packt jede Woche 420 Körbe für Alleinstehende, Paare oder Familien. 67 dieser Wochenrationen werden in Scharrel ausgeteilt, wo 170 Menschen davon leben, 48 Körbe in Barßel, wo 114 Menschen damit versorgt werden. Darunter sind neben Ukraine-Flüchtlingen viele Frauen – Alleinerziehende oder Seniorinnen.

Für viele ist der Gang zur Tafel schambesetzt. Bianca Henken erinnert sich an eine Familie aus dem Saterland, die ihre Lebensmittel lieber aus Friesoythe abholen wollte als in ihrer Heimatgemeinde – ihrer Kinder wegen.

Bald an der Kapazitätsgrenze

Allerdings sei der Datenschutz bei der CarLa gesichert, erläutert Johannes Budde. Alle Anträge liefen zentral über die Caritas in Friesoythe, niemand anderes erhalte Einblick. Doch immer mehr Menschen sind angewiesen auf Lebensmittel von der Tafel. „Wir sind bald an der Kapazitätsgrenze“, erklärt Regina Bunger, „was Ware angeht, aber auch von dem, was wir personell leisten können.“

Bunger ist das einzige Vorstandsmitglied, das hauptberuflich bei der Caritas in Friesoythe angestellt ist. Für alle anderen ist ihr Engagement ein reines Ehrenamt. Es sind nicht Wenige, die sich einbringen: Rund 50 Fahrer hat die Friesoyther CarLa und etwa 80 Freiwillige, die die eingesammelte Ware sortieren und austeilen.

Hohe Kosten für Entsorgung

„Wir versuchen, allen, die kommen, so schnell wie möglich zu helfen“, sagt Bunger. „Ich weiß bloß nicht, ob wir das weiterhin dauerhaft so hinkriegen.“ Eigentlich seien die Möglichkeiten der CarLa für kleinere Gruppen ausgelegt, erläutert sie. Dabei gehe es auch um Platz. Lebensmittel müssen gelagert werden, der Fuhrpark bestehe aus Kühlfahrzeugen, weil die Kühlkette nicht unterbrochen werden dürfe. Was ebenfalls als üppiger Ausgabeposten zu Buche schlage, seien die Kosten für die Entsorgung verdorbener Lebensmittel. Diese betragen monatlich rund 450 Euro, weiß Kassenwart Johannes Budde. 2020 kamen insgesamt knapp 6000 Euro Kosten zusammen. Jeder Supermarkt und jeder Lebensmittelerzeuger, der Ware an die Friesoyther Tafel abgibt, handelt die Konditionen aus, die für ihn am besten passen. Manche Discounter etwa geben ab nach dem Alles-oder-Nichts-Prinzip. Das bedeutet, dass die Fahrer alles an Lebensmitteln mitnehmen, was übrig ist, wovon jedoch später im Zentrallager in Friesoythe einiges entsorgt werden muss. Bei leicht verderblicher Ware wie Obst und Gemüse sei das im Sommer bis zu einem Drittel, berichtet der CarLa-Vorstand.

Hinzu komme, dass in diesen Zeiten auch Supermärkte und Lebensmittelhersteller mit spitzerem Stift rechnen. Das bedeutet, dass für die Tafeln am Ende nicht mehr so viel übrigbleibt wie früher. Beim Gemüse gebe es Engpässe, schildert Fuhler. Auch Backwaren seien weniger geworden. „Die Bäcker backen nur noch so viel, wie sie voraussichtlich auch verkaufen“, stellt der Friesoyther fest. Bei Fleisch und Wurst habe die CarLa zum Glück noch keine Schwierigkeiten, weil in der Region genug fleischverarbeitende Betriebe angesiedelt sind. Da tausche man sogar mit anderen Tafeln aus.

Finanziert nur durch Spenden

Das alles stemmt die CarLa nicht als staatliche Institution, sondern als reiner Freiwilligendienst. „Und wir leben ausschließlich von Spenden“, setzt 2. Vorsitzender Werner Fuhler hinzu. Regina Bunger blickt zurück: Nach der Arbeitsmarktreform, aus der Hartz IV hervorging, entstanden bei der Caritas Friesoythe 2004 erste Überlegungen, wie man denen, die damit nicht zurechtkamen, unter die Arme greifen könnte.

Die erste Lebensmittelausgabe der CarLa fand im Februar 2006 statt. Seitdem erfolgt sie wöchentlich an fünf Ausgabestellen im Nordkreis, in den Gemeinden Saterland und Barßel, Bösel, Garrel und der Stadt Friesoythe.

Helfer mit sinnvoller Aufgabe

In den beiden Nordkreisgemeinden Saterland und Barßel ist die Ausgabe mittwochs, im Saterland an der Grundschule in Scharrel, in Barßel an der Soesteschule. Den vielen Helferinnen und Helfern, die daran beteiligt sind, liegt dieser Dienst am Herzen. Sie leisten ihre Arbeit motiviert und seien mit Spaß bei der Sache, versichert der CarLa-Vorstand übereinstimmend. Die Freiwilligen erleben ihre Tätigkeit als sinnvolle Aufgabe. Der Kontakt mit Tafelkunden verändere ihren Blick auf die Gesellschaft. Doch weil deren Anzahl steige, sind auch die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer dankbar für Unterstützung.

GA-Weihnachtsaktion

In diesem Jahr sammeln der General-Anzeiger und Ein Herz für Ostfriesland zusammen für die Rhauderfehner und Friesoyther Tafeln. Das Spendenkonto: Ein Herz für Ostfriesland gGmbH, IBAN: DE 08 2859 1654 0032 651804, Volksbank Westrhauderfehn, Stichwort: GA-Weihnachtsspendenaktion.

Ähnliche Artikel