Pendler in Ostfriesland  Tagsüber niemand zu Hause – ein Paradies für Einbrecher?

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 23.11.2022 15:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Einbrüche geschehen eher über Tag. Foto: dpa
Einbrüche geschehen eher über Tag. Foto: dpa
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Viele Häuser stehen über Tag in Ostfriesland leer. Die Bewohner sind bei der Arbeit. Man könnte davon ausgehen, dass das eine Einladung für diejenigen ist, die in die Häuser einbrechen wollen.

Ostfriesland - Es passierte vor Kurzem: Ich kam abends nach Hause und hatte den Haustürschlüssel verloren. Also lief ich ums Haus, um zu schauen, ob meine Frau irgendwo ist. Klingeln wollte ich nicht, um die Hunde nicht unnötig nervös zu machen. Ich lief also im Dunkeln mit einer Taschenlampe um unser Haus. Als ich wieder vor der Haustür stand, stand da ein Nachbar.

Was und warum

Darum geht es: Über Tag stehen viele Wohnungen und Häuser leer. Die Besitzer sind bei der Arbeit. Doch, wie wird dann für Sicherheit gesorgt?

Vor allem interessant für: Alle, die zur Arbeit pendeln

Deshalb berichten wir: Der Pendleratlas wurde vor Kurzem veröffentlicht. Wir wollten wissen, wie es um die Sicherheit von Pendlerheimen bestellt ist.

Den Autor erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Er hatte mich bemerkt und wollte nach dem Rechten sehen, da er wusste, dass meine Frau nicht zu Hause ist. „Na, dann kommen Sie mal mit. Ich habe ja einen Ersatzschlüssel“, sagte er zu mir.

Einbruchszeiten

Was mir das zeigte: In meinem Dorf achten die Nachbarn aufeinander. Einbrecher haben so kaum eine Chance. Der Pendleratlas der Länder, der vor Kurzem veröffentlicht wurde, zeigt, dass in vielen ostfriesischen Dörfern tagsüber Häuser leer stehen, da die Menschen bei der Arbeit in den Städten sind.

Laut dem Einbruch-Report, einer Studie zu Wohnungseinbrüchen, die das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) durchgeführt hat, finden die meisten Einbrüche zwischen 10 und 12 Uhr (16,8%) und zwischen 16 bis 18 Uhr (18 %) statt. Das sind die Zeiten, in denen die meisten Menschen bei der Arbeit sind. Nachts hingegen verzeichnet die Statistik kaum Einbrüche.

Sicherheitsempfinden in der Nacht

Trotzdem ist immer noch gerade die Nacht bei vielen als Hauptzeit für Einbrecher im Hinterkopf verankert. „Das Bedürfnis nach Sicherheit empfinden meiner Meinung nach die meisten, wenn sie zu Hause sind“, sagt Jens Boelen, Geschäftsführer von Sandersfeld Sicherheitstechnik aus Leer. Man wolle die Alarmanlage einschalten, wenn man zu Hause ist. „Da geht es dann um die Sicherung von Fenstern und Türen“, sagt er.

Doch wie sieht es mit dem Sicherheitsbedürfnis von Pendlern aus? „Ich habe weniger den Eindruck, dass es bei der Anschaffung einer Anlage eine Rolle spielt, dass man zur Arbeit pendelt. Das ist eher ein Nebeneffekt“, so Boelen. Die Nachfrage nach Sicherheitstechnik sei in den vergangenen Jahren gleich geblieben. „Im Allgemeinen ist es so, dass ein Sicherheitsbedürfnis auf dem Land zwar vorhanden, aber lange nicht so sehr besteht wie in der Stadt“, sagt er.

Wünsche auf dem Land

Auf dem Land werde meist Interesse an Videoüberwachung gezeigt, da die Voraussetzungen dafür gut seien. Man habe nämlich nur eigenes Gelände im Blickwinkel der Kamera. So würden Persönlichkeitsrechte anderer nicht verletzt. In der Stadt sei es nämlich untersagt, öffentliche Gehwege zu filmen.

„Hinzu kommt, dass man das Kamerabild über eine App direkt sehen kann, also auch dann, wenn man nicht zu Hause ist“, sagt er. Viele würden die Technik auch dazu nutzen, um Hoftiere über die Kameras im Auge zu behalten.

Sicherheit in der Stadt

In der Stadt werde mehr auf mechanische Grundsicherung und Einbruchmeldeanlagen zur Außen- und Innenraumüberwachung gesetzt. Auch die Polizei kümmert sich um die Sicherheit der leerstehenden Immobilien. „Generell sind unsere Kolleginnen und Kollegen in der Polizeiinspektion Leer/Emden ständig mit Streifenwagen unterwegs und somit präsent. Schwerpunkte zur Bestreifung werden regelmäßig anhand einer Auswertung der Lage getroffen und umgesetzt“, erklärt Sprecherin Frauke Bruhns.

Sie beruhigt die Menschen: „Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist von 360 im Jahr 2017 auf 86 im Jahr 2021 gesunken“, sagt sie. Ein zu berücksichtigender Faktor sei dabei, dass Hausbewohner aufgrund der Corona-Pandemie häufiger zuhause waren und die Tatgelegenheiten für Täter so reduziert wurden. „Von den 360 Einbrüchen im Jahr 2017 fanden 144 am Tag statt. In 2021 waren es 16, welches die Annahme untermauern würde“, betont sie.

Auch die Polizei unterstreicht den Wert von Selbstschutz: „Unabhängig davon können Hausbewohner natürlich selbst dafür sorgen, Einbrüche zu verhindern oder zu erschweren. Abgeschlossene Türen, geschlossene Fenster und Bewegungsmelder am Haus verringern das Risiko deutlich“, sagt Bruhns.

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