Verbraucherschutz  So viel Mineralöl steckt in unserer Butter

| | 22.11.2022 17:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Auch die Edeka-Butter von „Gut und Günstig“ ist für „Öko-Test“ zu stark mit Mineralöl belastet. Foto: Ortgies
Auch die Edeka-Butter von „Gut und Günstig“ ist für „Öko-Test“ zu stark mit Mineralöl belastet. Foto: Ortgies
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Pünktlich zur Zeit des Plätzchenbackens fällt „Öko-Test“ ein vernichtendes Urteil über Butter. Aber wie gefährlich ist das Mineralöl wirklich?

Ostfriesland - „Nur eine gute Butter“ überschreibt das Magazin „Öko-Test“ einen in seiner Dezember-Ausgabe erschienenen Artikel. 20 Butter-Sorten hat die Zeitschrift testen lassen – und in 19 von ihnen hat das Labor sogenannte gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) gefunden, zumeist in aus der Sicht des Magazins „stark erhöhten“ Konzentrationen. „Diese Rückstände aus Mineralöl reichern sich im menschlichen Fettgewebe an, aber auch in Lymphknoten oder Organen wie Leber, Milz und Lunge“, heißt es. Giftige Effekte seien bisher aber nicht bekannt. In einer Butter des Hersteller ÖMA sei zudem ein Wert von 19,8 Milligramm pro Kilogramm MOAH festgestellt worden. Das steht für krebserregende aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe. Die fast 20 Milligramm reißen den von der EU vorgeschlagenen – aber noch nicht verbindlichen – Richtwert von zwei Milligramm um fast das zehnfache.

Laut „Öko-Test“ können MOAH aus Schmierölen von Maschinen in Lebensmittel gelangen und MOSH aus wachskaschierter Alufolien-Verpackung auf die Butter übergehen. Tatsächlich ist die einzige MOSH-freie Butter die Bio-Fassbutter der Gläsernen Molkerei, die in Pergamentpapier gewickelt wird. Und: Je näher sich in Alu verpackte Butter dem Ablaufdatum genähert habe, desto höher seien die MOSH-Werte gewesen. Damit eine Butter bei „Öko-Test“ ein „stark erhöht“ bekam, mussten vier Milligramm MOSH pro Kilogramm Butter nachgewiesen werden, für ein „erhöht“ mindestens zwei Milligramm. Unklar ist, auf welcher Grundlage diese Entscheidung getroffen wurde. Weder in Deutschland noch in der EU gibt es Grenzwerte für MOSH. Es gibt allerdings einen Orientierungswert der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz und des Lebensmittelverbands Deutschland. Dieser liegt aber bei 22 Milligramm pro Kilo Milchfett.

„Kontamination grundsätzlich unerwünscht“

Entsprechend pikiert gibt sich der Milchindustrieverband (MIV): „Die Abwertung für MOSH-Gehalte über zwei Milligramm pro Kilogramm seitens ‚Öko-Test‘ hat keine wissenschaftliche Basis.“ Der Verzehr von Molkereiprodukten sei „selbstverständlich unbedenklich“, sei entsprächen „höchsten Qualitäts- und Sicherheitsstandards“, so die Lobby. Das am Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung angesiedelte Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt, dass aus „tierexperimentellen Studien“ bekannt sei, dass MOSH „zu Ablagerungen und entzündlichen Effekten in der Leber in einem bestimmten Rattenstamm führen können“. Die Relevanz dieses Befundes für den Menschen sei allerdings noch nicht geklärt. Das BfR schreibt aber auf seiner Webseite auch: „Grundsätzlich sind solche Kontaminationen von Lebensmitteln unerwünscht.“

Unter den 19 von „Öko-Test“ abgewerteten Butter-Sorten sind unter anderem die Hausmarken von Edeka, Netto, Rewe, Kaufland, Lidl und Aldi, aber auch Markenprodukte – etwa von Kerrygold, Meggle, Landliebe und Weihenstephan. Angeboten werden diese auch in ostfriesischen Läden, zum Beispiel in jenen des Unternehmens Bünting, unter dessen Dach etwa Combi- und Famila-Märkte betrieben werden. Bünting-Pressereferent Johannes Booken schreibt auf Nachfrage der Redaktion: „Aktuell prüfen wir dieses Thema intern.“ Anfragen von Verbrauchern bezüglich des „Öko-Test“-Artikels habe es mit Stand von Montagmittag noch nicht gegeben. Christian Brahms von den ostfriesischen Multi-Märkten mit Hauptlieferant Edeka sagt: „Zu dem Artikel kann ich im Grunde nichts sagen.“ Sein Unternehmen habe rund 60.000 Artikel im Sortiment, ein stückweit müsse man auf die Hersteller vertrauen.

„Sind bereits im Austausch mit unserem Hersteller“

Molkereien aus der Region sind durch die von „Öko-Test“ beauftragen Labore nicht getestet worden. Wir haben bei Rücker in Aurich und bei der Molkerei Ammerland in Wiefelstede nachgefragt, ob die dort produzierte Butter regelmäßig auf Mineralölbestandteile getestet werde. Die Molkerei Ammerland hat uns auf unsere Anfrage von Montagmittag bis zum Dienstagnachmittag nicht geantwortet. Rücker-Kommunikationschefin Insa Rücker teilt mit: „Natürlich testen wir regelmäßig auf MOSH.“ Jeden Tag werde die Produktsicherheit in mehr als 1800 Tests überprüft. „Unsere Butter und auch die anderen Produkte liegen deutlich unter dem empfohlenen Richtwert“, so Rücker. Schade sei, dass „Öko-Test“ mit seiner Analyse „die Verbraucher verunsichert und eines der wertvollsten und emotionalsten Milchprodukte überhaupt so schlecht darstellt“.

Angefragt haben wir auch die Pressestellen von Edeka, Rewe, Kaufland, Netto, Lidl und Aldi Nord. Antworten kamen bis Dienstagnachmittag lediglich von Kaufland, Rewe und Aldi. Kaufland verweist darauf, dass die MOSH-Konzentration in der Eigenmarken-Butter unterhalb des Orientierungswertes liege, und schreibt: „Nach unserer Einschätzung ist der Nachweis auf eine allgemeine Grundbelastung der eingesetzten Rohstoffe zurückzuführen.“ Auf die mit dem Alter der Butter steigende Belastung, möglicherweise durch die Verpackung, geht man nicht ein. Aber: „Wir nehmen die Ergebnisse von Öko-Test (…) sehr ernst und sind hierzu bereits im Austausch mit unserem Hersteller.“ Rewe antwortet allgemein, dass die Eigenmarken „kontinuierlich geprüft“ würden und verweist darauf, dass das Verbrauchermagazin „eigene Maßstäbe“ und nicht ausschließlich „wissenschaftliche Grundlagen“ zugrundegelegt habe. Von Aldi Nord heißt es, dass man „Öko-Test“ ernst nehme und die Ergebnisse prüfe.

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