Streit in Leer Leiterin der Hoheellernschule wirft der Stadt Misskommunikation vor
Rund um die Sanierung der Hoheellernschule entbrannte zwischen Schulleitung und Stadt Leer ein handfester Streit. Im jüngsten Schulausschuss platzte Schulleiterin Kim-Astrid Weers-Blank der Kragen.
Leer - Seit acht Jahren wird an der Leeraner Hoheellernschule gewerkelt. Die Herausforderungen sind riesig. Asbest muss raus und quasi jeder Raum muss saniert werden. Eine Mammutaufgabe für die Stadt und eine belastende Situation für die Schulgemeinschaft. Im jüngsten Schulausschuss platzte Schulleiterin Kim-Astrid Weers-Blank allerdings der Kragen.
Was und warum
Darum geht es: Rund um die Baumaßnahme an der Hoheellernschule entbrannte ein Streit. Dabei ging es um die Kommunikation und die gemeinsame Arbeit.
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Deshalb berichten wir: Im Schulausschuss wurde über die Hoheellernschule gestritten. Den Autor erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
„Ich bin nicht mehr bereit, hinter den Missständen zu stehen und habe meine Konsequenzen beim Dezernenten gezogen“, platzte es der Leiterin der Grundschule heraus. Sie kritisierte dabei vor allem eins: die Kommunikation seitens der Stadt.
Mangelhafte Kommunikation
„Ich kann nicht feststellen, dass irgendeine Kommunikation zwischen der Verwaltung und der Schule stattfindet“, sagt sie. Vielmehr würden Fragen der Schule nicht beantwortet. Der erste Stadtrat Detlef Holz wies dies zurück: „Wir haben immer Gespräche geführt. Außerdem gehört so etwas nicht in den öffentlichen Teil. Wenn es etwas zu besprechen gibt, sollten wir das untereinander tun.“ Die Stadt sei generell der Meinung, dass sich die Kommunikation mit der Schule gut gestalte. „Am Donnerstag, 10. November, hat ein Treffen zwischen der Schulleitung, den Elternvertretern, den Fraktionsvorsitzenden, dem Bürgermeister, dem Ersten Stadtrat, dem Stadtbaurat und den Vertretern der Fachämter stattgefunden“, sagt Stadtsprecher Patrick Düselder wenige Tage nach der Sitzung.
In diesem Gespräch seien alle Fragen und Themen, die in der Schulausschusssitzung zum Thema Hoheellernschule diskutiert wurden, in sachlicher Atmosphäre besprochen worden. Alle Beteiligten seien einvernehmlich über das weitere Vorgehen und die zukünftige Kommunikation auseinandergegangen. „Es ist nicht nachvollziehbar, warum seitens der Schulleiterin in der Sitzung nun derartige Vorwürfe erhoben wurden, obwohl diese Dinge gerade geklärt wurden“, sagt er.
Baustopp im Sommer
„In den Sommerferien ist nichts passiert. Ich war drei Wochen da und meine Stellvertreterin war die anderen drei Wochen vor Ort. Es wurde nicht gearbeitet“, berichtete Kim-Astrid Weers-Blank. Im Ausschuss nahm Alexandra Abraham, die bei der Stadt zuständig für den Bereich ist, dazu Stellung. „Im Sommer hätte etwas passieren sollen“, sagte sie. Beispielsweise Maler- und Fliesenarbeiten hätten angestanden. Das revidierte die Stadt kurze Zeit später.
„Die Sommerferien sind zu Planungszwecken genutzt worden, nachdem kurz vorher Schäden und Schimmel festgestellt wurden“, erklärte Düselder. Vor allem an den Dachbalken wurden Schimmelspuren gefunden. „Die Sanierung muss zwingend vor dem weiteren Ausbau des Dachgeschosses erfolgen, damit Kinder und Lehrer nicht gefährdet werden“, betont er. Den Worten der Schulleiterin nach, sein man darüber nicht informiert worden.
Ausladung von Gesprächen
Auch sei man von Gesprächen mit dem Architekten ausgeladen worden, obwohl man Ideen und Einwände hätte einbringen können. Die Stadt gibt zu, dass es Gespräche zwischen Verwaltung und Architekt gibt, an denen die Schulleitung nicht teilnehmen darf. „Es handelt sich bei den Baubesprechungen nicht um Planungsbesprechungen, sondern um technische Abstimmungen mit den einzelnen Gewerken. Eine Anwesenheit der Schulleitung ist daher nicht erforderlich“, sagt Stadtsprecher Düselder.
Die Schulleitung erhalte Protokolle zur Kenntnis. „Die Stadt Leer ist der Auftraggeber. Die Schulleitung ist beim Land Niedersachsen angestellt und hat somit keinen direkten Bezug zum Auftraggeber. Das Land Niedersachsen ist ausschließlich Nutzer der Schule“, sagt er. Dass sie die Protokolle bekommt, bestätigte Weers-Blank. Dennoch wolle sie mehr einbezogen werden.
Aktuelle Situation
Der Unterricht in der Hoheellernschule findet derzeit teilweise in Containern und teilweise in Räumen der Schule statt, die von den Baumaßnahmen nicht betroffen sind. Als die Arbeiten vor Jahren starteten, war eine Asbestsanierung des noch nicht sanierten Bereiches des Ober- und Dachgeschosses mit den dazugehörigen Begleitarbeiten geplant.
Dies umfasste insgesamt fünf Klassenräume, die Aula, sowie zwei Therapieräume und eine Küche. „Zurzeit in Planung und Ausführung sind folgende weiterführende Arbeiten, die durch vorhandene Schäden erforderlich sind, wie zum Beispiel die Schadensanierung des Dachstuhls (Teilaustausch beziehungsweise Sanierung im Bereich der Dachkonstruktion) sowie die Schimmelsanierung des Dachstuhls und eine energetische Sanierung von diesem“, sagt Düselder.
Weitere Arbeiten
Des Weiteren sei, abweichend von der ursprünglichen Asbestsanierung, die räumliche Umgestaltung der Aula in Klassenräume in Bearbeitung. „Hieraus resultieren nötige Planungsanpassungen, die Neuerstellung eines Brandschutzkonzeptes sowie Umplanungen im Bereich der Gebäudetechnik und die Gesamtabstimmung mit der Baubehörde“, sagt Düselder.
Die Umplanung der Gebäudetechnik beinhaltet die Erneuerung der Trinkwasserleitungen, Heizungsleitungen und Abwasserleitungen. Hinzu kommt im Bereich Elektrotechnik die Umsetzung des Digitalpakts und die Ertüchtigung der Alarmierung. „Aufgrund der Corona Pandemie sollten Lüftungsanlagen in den einzelnen Klassenräumen installiert werden. Die Arbeiten sind weitestgehend abgeschlossen“, sagt der Stadtsprecher. Aktuell geht man von einer Vollendung der Maßnahmen im Sommer kommenden Jahres aus. Die Kostenberechnung stellt Gesamtkosten in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro dar. Wegen des Kriegs in der Ukraine könnte sich der Preis jedoch noch ändern.
So geht es weiter
„Ich bin nicht bereit, die Schule so weiter zu leiten“, betont Kim-Astrid Weers-Blank. Sie erhielt dabei im Ausschuss von ihren anwesenden Kollegen Rückendeckung. „Ich musste erst Druck aufbauen, bevor geredet wurde“, beklagt sie sich. Gerade bei diesen Worten nickten die übrigen anwesenden Schulleiter, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wollen.
Sichtlich hart war die Sitzung für Alexandra Abraham, die Kritik für Fehler und Entscheidungen einstecken musste, die in einer Zeit stattfanden, als sie noch nicht am Ruder war. „Der Zuständige hat uns leider verlassen“, sagte sie. Auch Kim-Astrid Weers-Blank sah das: „Es tut mir leid, dass Sie sich das anhören müssen.“ Doch, wie soll es nun weitergehen? „Die Stadt wird sich an die am 10. November vereinbarten Absprachen halten“, sagt Patrick Düselder dazu.