Hamburg  Die Zeit ist reif für einen Dispozins-Deckel

Mark Otten
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Von Mark Otten
| 21.11.2022 16:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Zinsen für den Dispokredit lagen im November bei durchschnittlich 9,89 Prozent. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
Die Zinsen für den Dispokredit lagen im November bei durchschnittlich 9,89 Prozent. Foto: dpa/Karl-Josef Hildenbrand
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Aus der Dispo- in die Schuldenfalle – dieses Szenario droht zahlreichen Verbrauchern jetzt und in den kommenden Monaten. Die Politik hat zwei Optionen, den Bürgern zu helfen.

Inflation, allgemeine Teuerung und dazu noch steigen Kreditzinsen – das Jahr 2022 stellt die Menschen in Deutschland finanziell vor große Herausforderungen; und Besserung ist nicht in Sicht. Ohne ausreichende Rücklagen werden zahlreiche Verbraucher früher oder später mit dem Konto ins Minus rutschen. Dann droht das nächste Problem. Bei Dispozinsen von durchschnittlich rund zehn Prozent wird klar: Grüne und Linke fordern berechtigterweise eine ernsthafte Debatte über einen Zinsdeckel.

Die Kreditwirtschaft winkt erwartungsgemäß ab. So eine Maßnahme schränke den Wettbewerb ein, heißt es. Das ist allerdings kein gutes Argument, wenn Verbraucher seit vielen Jahren und auch während der Null-Zins-Politik der EU nur zwischen sehr hohen oder extrem hohen Dispozinsen wählen konnten.

Natürlich muss eine Bank ihr Risiko absichern, wenn ein Kunde sein Konto überzieht und sich kurzfristig Geld leihen muss. Und sicherlich liefert ein spürbarer Dispozins auch eine gewisse Motivation, möglichst keine Schulden zu machen. Doch jetzt und in den kommenden Jahren werden zahlreiche Verbraucher nicht anders können. Ihnen muss geholfen werden. Vor allem dann, wenn für günstigere Ratenkredite die Bonität nicht ausreicht.

Ein zeitlich begrenzter Zinsdeckel könnte helfen. Eine Alternative dazu wäre eine Übergewinnsteuer für Banken, wie es sie bereits in Spanien gibt. Es darf jedenfalls nicht sein, dass Millionen Verbraucher unverschuldet und machtlos in die Schuldenfalle rutschen, während die Banken zu moralisch fragwürdigen Krisengewinnern werden.

Bereits diese Statista-Grafik aus dem Sommer zeigte, dass Verschuldung für viele Menschen ein echtes Problem ist:

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