Osnabrück WM in Katar: Es geht nicht ums Bier allein
Vor den WM-Stadien in Katar soll nun doch kein Bier ausgeschenkt werden. Das sorgt kurz vor dem Eröffnungsspiel für Irritationen - doch vor allem ergibt sich daraus eine viel wichtigere Erkenntnis, findet unsere Reporterin Susanne Fetter.
Drei Millionen Menschen leben in Katar, nur 300000 von ihnen zählen zur Bevölkerung. Die Bürger des kleinen Emirats am Golf wissen, wie man als Minderheit der Mehrheit diktiert, wo es langgeht. Jetzt ist sogar der mächtige Fußball-Weltverband vor den Herrschern des Landes eingeknickt und hat kurz vor dem Start des ohnehin umstrittensten Turniers aller Zeiten ein Bierverbot durchgesetzt. Noch nie hat sich die FIFA von einem Gastgeber etwas vorschreiben lassen – bisher war es stets andersrum.
Die Rigorosität, mit der Katar hier bestimmt, und der Zeitpunkt sind beachtlich und geben Anlass zur Sorge. Nicht, weil sich die Fans nicht ordentlich betrinken können – sondern weil man nicht mehr weiß, in welchen Punkten man Katar noch vertrauen kann.
Viele Zusagen haben die WM-Organisatoren zuletzt gemacht. Schwulen und Lesben wurde trotz eines gesetzlichen Verbots von Homosexualität im Emirat eine Sicherheitsgarantie ausgestellt – wird die auch gekippt? Was ist mit dem Versprechen, die Reformen für Gastarbeiter nach der WM nicht zurückzudrehen?
Die Begleitumstände dieser WM vergällen vielen Fans das Interesse an dem Turnier. Lange wurden nicht mehr so wenig Karten nach Deutschland verkauft. Dazu wollen viele den Fernseher diesmal auslassen. Ob Boykott etwas bewirkt? Wieso nicht ausprobieren! Noch nie war es so einfach, vom Sofa aus mit der Fernbedienung ein politisches Zeichen zu setzen.
Katar dürfte es allerdings kaum interessieren. Wer der FIFA und einem ihrer wichtigsten Werbepartner plötzlich den Zapfhahn zudreht, hält auch das aus.