Berlin Hunderte Kündigungen: Musk Mitarbeiter verlassen freiwillig Twitter
Seit der Milliardär Elon Musk Twitter übernommen hat, wird es nicht still um das Unternehmen. Auf eine Entlassungswelle folgen freiwillige Kündigungen - weil die Mitarbeiter nicht auf Musks Linie mitschwimmen wollen.
Es sind unruhige Zeiten beim Kurznachrichtendienst Twitter. Auf die Übernahme durch Tesla-Chef Elon Musk folgte ein Stellenabbau: Fast die Hälfte der 7.500 Mitarbeiter sollen laut einem Tweet des Leiters der Abteilung für Sicherheit und Integrität des Unternehmens, Yoel Roth, entlassen worden sein. 15 Prozent seines Teams, das für die Verhinderung der Verbreitung von Fehlinformationen und schädlichen Inhalten zuständig ist, waren von dem Abbau betroffen.
Und die Unruhe bleibt. Nach dem unfreiwilligen folgt jetzt der freiwillige Exodus: Nach einem von Musk verkündeten Ultimatum, sich zu extremem Arbeitseifer zu verpflichten oder gefeuert zu werden, hat sich der Mitarbeiter-Abgang bei dem Kurzmitteilungsdienst fortgesetzt. „Ich bin vielleicht außergewöhnlich, aber verdammt - ich bin ganz einfach nicht hardcore“, schrieb die Twitter-Angestellte Andrea Horst am Donnerstag beim Kurznachrichtendienst Anspielung auf Musks Ankündigung, wonach das Unternehmen „extrem hardcore“ sein müsse, um im Wettbewerb zu bestehen.
Die Mitarbeiter sollten sich auf „lange Arbeitstage mit hoher Intensität“ einstellen, hatte Musk in einem Memo an seine Angestellten geschrieben: „Nur außergewöhnliche Leistung wird als ausreichend bewertet.“ Den Mitarbeitern setzte er eine Frist bis Donnerstagnachmittag, online ein entsprechendes Arbeitsbekenntnis abzulegen. Wer das nicht tue, werde mit drei Monaten Gehalt als Abfindung gefeuert. „Um in Zukunft ein bahnbrechendes Twitter 2.0 aufzubauen und in einer zunehmend wettbewerbsorientierten Welt erfolgreich zu sein, müssen wir extrem hart sein“, schrieb Musk in der Nachricht.
Matt Miller, der nach eigenen Angaben über neuneinhalb Jahre für Twitter arbeitete, postete gemeinsam mit Kollegen ein kurzes Video ihrer Kündigung. „Wir sind grade dabei gekündigt von Twitter zu werden. Ich war neun Jahre und neun Monate hier.“
Laut dem US-Magazin „The Verge“ könnten es zahlreiche Beschäftigte ihr gleichgetan haben. Interne Nachrichten aus Slack-Kanälen würden zeigen: Hunderte Mitarbeiter schrieben nach Ablauf der Frist Abschiedsnachrichten. Eine ehemalige Twitter-Angestellte sagte der „BBC“, dass am Ende weniger als 2000 Menschen bei dem Kurznachrichtendienst arbeiten würden. Das sind 5500 weniger als zuvor.
Laut der „BBC“ teilte das Twitter-Management den Mitarbeitern mit, dass die Büros bis zum 21 vorübergehend geschlossen und selbst mit einem elektronischen Türöffner nicht zugänglich seien. Gründe wurden dafür nicht genannt.
Musk hatte Twitter Ende Oktober für 44 Milliarden Dollar (rund 43 Milliarden Euro) übernommen und umgehend die Chef-Etage gefeuert. Der seither vorangetriebene Umbau des Kurznachrichtendienstes verläuft äußerst chaotisch. Erst am Dienstag verschob Musk das neue Abo-Modell mit dem blauen Verifizierungssymbol auf Ende November. Er reagierte damit auf eine Flut von gefälschten Profilen auf Twitter.
Mehrere große Konzerne haben zudem wegen Bedenken über die Entwicklung von Twitter inzwischen ihre Werbung in dem Netzwerk ausgesetzt. United Airlines schließe sich der Liste der Unternehmen an, die ihre Werbeausgaben auf Twitter einstellen, bestätigte eine Sprecherin der Fluggesellschaft. Der Autobauer Audi und der Lebensmittelriese General Mills legten ihre Werbebuchungen auf der Social-Media-Plattform zuvor auf Eis. 90 Prozent der Einnahmen von Twitter kamen zuletzt aus Werbeeinnahmen.