Lukas Reinken Als Neuling im Landtag von Hannover
Intensiv war sie und voll von Eindrücken: die erste Woche im Landtag für den CDU-Abgeordneten Lukas Reinken. Der 26-Jährige vertritt in Hannover Cloppenburg Nord - und das von der letzten Bank aus.
Hannover / Friesoythe - Die Frage nach seiner Wohnungssituation kann Lukas Reinken (26) schon fast nicht mehr hören. „Ob ich schon eine Wohnung in Hannover habe, ist tatsächlich die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird“, erzählt der frisch gebackene CDU-Landtagsabgeordnete. Die Antwort überrascht: „Mein Arbeitsschwerpunkt ist der Wahlkreis, während der Sitzungswochen wohne ich im Hotel“, sagt der Friesoyther. Und ja, der Landtag habe da Sonderkonditionen.
Die erste Woche als Mitglied des Landtags hat Reinken jetzt hinter sich. „Es war eine sehr intensive Woche“, blickt er zurück. „Man ist dann doch froh, wenn man den Weg nach Hause antreten kann.“ Montag Fraktionssitzung, Dienstag das erste Landtagsplenum mit der Wahl des Ministerpräsidenten, am Mittwoch jagte nach dem Plenum eine Arbeitskreis- und Ausschusssitzung die andere. „Da kam es zu einem Sitzungsstau, denn es gibt nur 3 Besprechungsräume für die Ausschüsse“, erzählt Reinken. 15 Minuten waren für jede konstituierende Sitzung angesetzt. „Aber allein, bis sich alle Ausschussmitglieder vorgestellt haben, war die Viertelstunde rum.“
Mitglied in zwei Hauptausschüssen
Reinken sitzt im Ausschuss für Wissenschaft und Kultur sowie im Ausschuss für Kultus, für den er den Begriff Bildungsausschuss nur ungern akzeptiert. „Da geht es schon um mehr“, sagt er. Darüber hinaus ist der 26-Jährige stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Soziales, Arbeit und Gesundheit. „Das heißt, dass ich auch da in die thematische Arbeit in der Fraktion eingebunden bin“, erläutert er. Außerdem ist er in der CDU-Fraktion Jugendpolitischer Sprecher und Mitglied in der „Jungen Gruppe“.
In den Kultus-Ausschuss wollte der Friesoyther unbedingt. „Das ist ein klassisches Landesthema, da hat der Landtag große Gesetzgebungskompetenz“, erläutert er. „Außerdem steht im Koalitionsvertrag einiges drin, was ich nicht so toll finde.“ Auch Wissenschaft und Kultur stand auf seiner Wunschliste, wenn auch nicht an erster Stelle. „Wirtschaft wäre noch toll gewesen“, sagt Reinken. „Aber da wollen aus unserer Fraktion viele rein, und wir haben nur 5 Plätze.“ Zufrieden ist er dennoch. „Ich sitze in 2 Hauptausschüssen, das ist nicht selbstverständlich“, betont er. Und beide seien klassischen Landesthemen gewidmet, in denen man auch etwas für den eigenen Wahlkreis bewegen könne.
Gekämpft wird hinter den Kulissen
Überhaupt, der Wahlkreis. Den betrachtet Reinken als seinen eigentlichen Arbeitsplatz. „Wir sind Vertreter für unseren Wahlkreis“, beschreibt er die Rolle der Landtagsabgeordneten. „Ich bin dafür da, die Interessen meines Wahlkreises, der Bürger und Gemeinden zu vertreten.“ Und als einziger Abgeordneter aus dem Cloppenburger Nordkreis sei das besonders wichtig. „Wenn ich nicht im Landtag für den Wahlkreis kämpfe, macht es kein anderer“, betont er.
Gekämpft wird hinter den Kulissen, in Arbeitskreisen, Ausschüssen, Briefen und persönlichen Gesprächen. Im sichtbaren Zentrum der politischen Arbeit indes steht der Plenarsaal des Landtages. Ein erhabenes Gefühl sei es gewesen, den erstmals als Abgeordneter zu betreten, sagt Reinken. „Ich war ehrfürchtig und ja, auch ein bisschen stolz. Der Saal strahlt eine Kraft aus, gestalten zu wollen, 150 Menschen entscheiden hier darüber, was in Niedersachsen passiert.“ Entsprechend beeindruckend waren für den Neuling denn auch die Wahlen der Landtagspräsidentin und des Ministerpräsidenten. „Das war“, sagt er, „ein besonderer Moment, den ich bestimmt nicht so schnell vergessen werde.
Platz in der letzten Reihe
Seinen Platz hat Reinken in der letzten Reihe, gemeinsam mit anderen Fraktionsneulingen. „Das ist normal“, versichert er. Ein Blatt Papier musste anfangs als Namensschild ausreichen, die Namen werden noch in die Tische eingelassen. 20 von 47 Abgeordneten der CDU-Fraktion sind neu im Landtag. Reinken – geboren am 4. Dezember 1995 – ist der Zweitjüngste. „Die Aufnahme in der Fraktion war gut, viele Kolleginnen und Kollegen kenne ich ja schon aus der politischen Arbeit“, erzählt er. „Auch mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fraktionen habe ich schnell eine Arbeitsebene finden können“, freut er sich. „Die meisten sind ja sehr vernünftig.“
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Jetzt beginnt für Reinken der politische Alltag als Mitglied des Landtages. Seine nächsten Ausschusssitzungen sind am 21. und 25. November, das nächste Plenum steht am 30. November auf der Tagesordnung. Wann die Jungfernrede ansteht, ist noch offen. „Ziel ist, dass jeder aus der Fraktion in den ersten vier bis fünf Monaten eine Rede hält“, sagt er. Irgendwann in dieser Zeit wird also die nächste Premiere für das frischgebackene Landtagsmitglied Lukas Reinken anstehen.