Seit zehn Jahren in den Niederlanden  Kriegen Rheiderländer bald auch deutsche Warn-SMS?

Lukas Münch
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Von Lukas Münch
| 16.11.2022 14:07 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Beim Blick auf das Smartphone könnten Rheiderländer bald Warn-SMS aus dem niederländischen und dem deutschen Netz erhalten – der DE-Alert wird am 8. Dezember am Warntag getestet. Symbolfoto: Pixabay
Beim Blick auf das Smartphone könnten Rheiderländer bald Warn-SMS aus dem niederländischen und dem deutschen Netz erhalten – der DE-Alert wird am 8. Dezember am Warntag getestet. Symbolfoto: Pixabay
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Rheiderländer kriegen seit rund zehn Jahren zuverlässig Warn-SMS im niederländischen Netz. In Deutschland soll das System am Warntag im Dezember getestet werden.

Rheiderland - Für manche Rheiderländer gehören Warn-SMS aus den Niederlanden, die über Katastrophenlagen informieren, schon zum Alltag – das bereits ziemlich lange. Denn: Die Niederlande verfügen über das sogenannte „NL-Alert“-System bereits seit 2012, teilt Tomke Diekena vom Grenzverband Ems-Dollart-Region mit. Jetzt muss Deutschland – gezwungenermaßen – mit dem sogenannten „DE-Alert“ nachziehen. Die Europäische Union (EU) verpflichtet die Mitgliedsstaaten nämlich bis zum Ende des Jahres das sogenannte Cell-Broadcast-System einzuführen. Bei einer Katastrophenlage wird künftig, auf ausnahmslos jedem in den jeweiligen Funkmast eingeloggten Handy, eine Warn-SMS eingehen – vorausgesetzt, das System funktioniert auch. Das wird sich am deutschlandweiten Warntag am 8. Dezember herausstellen – da soll es auf Herz und Nieren getestet werden.

So sieht ein „NL-Alert“ in den Niederlanden aus. Die deutsche Warnung im Rahmen von „DE-Alert“ könnten dem ähneln. Foto: Ems-Dollart-Regio.
So sieht ein „NL-Alert“ in den Niederlanden aus. Die deutsche Warnung im Rahmen von „DE-Alert“ könnten dem ähneln. Foto: Ems-Dollart-Regio.

Rheiderländer werden also nun nicht mehr ausschließlich vom Nachbarland aus über das dortige Mobilfunknetz alarmiert, sondern künftig auch in Deutschland. Der Warntag 2020 entpuppte sich als kleines Desaster. Vielerorts funktionierten Sirenen nicht oder es wurde festgestellt, dass sie abmontiert wurden. Für Rheiderländer Grenzanwohner ist das Warnsystem, das vielen in Deutschland neu erscheint, quasi ein alter Hut. Sie haben bald den direkten Vergleich. Fast genau zehn Jahre später können sie vergleichen: Bei wem läuft das System reibungsloser? Und eine weitere Frage drängt sich auf: Könnte es da nicht zu einer Flut an Benachrichtigungen kommen, wenn man als Pendler die Netze ständig wechselt und aus zwei Kanälen benachrichtigt wird?

Mehr Nachrichten nicht zwingend eine Belastung

Die Zahl der Mitteilungen habe sich seit 2013 fast versechsfacht. Annähernd 200 Kurznachrichten trudeln im Jahr bei Niederländern ein, so Diekena. Man könne mit dem System aber sehr regional und gezielt operieren, sagt der Bunder Ortsbrandmeister Hans-Hermann Leemhuis. Es sei ein „wichtiger Baustein“ in puncto Katastrophenschutz. „Das System ist technisch relativ simpel und dabei extrem effektiv. Man kann sehr gezielt Anweisungen verschicken“, sagt er. Man könne beispielsweise Bürger bei einem Großbrand dazu auffordern, die Fenster und Türen geschlossen zu halten. Dadurch, dass die SMS nicht pauschal an alle Niederländer verschickt werden, seien es gar nicht so viele Nachrichten.

Derweil informiert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Bürger per SMS über den Warntag. Screenshot: Peters
Derweil informiert das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe die Bürger per SMS über den Warntag. Screenshot: Peters

„Wer im Grenzgebiet, also zum Beispiel in Bunde, wohnt, der kennt das natürlich längst schon“, sagt er. Denn sobald sich das Handy in das niederländische Mobilfunknetz einwählt, zählt man bereits zum Empfängerkreis der Warn-Mitteilungen. „Die Nachrichten werden natürlich mehr werden und teils dann von beiden Seiten kommen.“ Aber das habe ja einen „äußerst sinnvollen Nutzen“, nämlich den wirksamen Schutz der Bevölkerung. Die Beziehung mit den Niederlanden im Allgemeinen solle auch noch intensiviert werden, so Leemhuis. „Wir wollen ganz grundsätzlich die grenzübergreifende Arbeit der Behörden, nicht nur in Sachen Katastrophenschutz, verstärken.“ Und wieso hat Deutschland das System dann nicht schon längst, um auf einem Nenner mit den Niederlanden zu arbeiten?

„In Deutschland gab es da datenschutzrechtliche Bedenken beziehungsweise Probleme“, weiß der Ortsbrandmeister. Die Niederländer seien da salopp gesagt etwas lockerer, weshalb es das System bereits seit über einem Jahrzehnt dort gebe. Eine grenzübergreifende Abstimmung sei vorerst gescheitert. Und nun ist Deutschland durch die EU gezwungen, dass beim Warntag am 8. Dezember nicht nur der „NL-Alert“ sondern auch der „DE-Alert“ die Menschen zuverlässig alarmiert.

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