Osnabrück  Ist „Katz und Maus“ Martin Brambachs letzter Tatort?

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 15.11.2022 17:36 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Von einem Verschwörungstheoretiker gekidnappt, muss Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) um sein Leben bangen. Foto: MDR/MadeFor/Marcus Glahn
Von einem Verschwörungstheoretiker gekidnappt, muss Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) um sein Leben bangen. Foto: MDR/MadeFor/Marcus Glahn
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Spannung pur bringt heute Abend der Tatort „Katz und Maus“ aus Dresden. Am Ende bangen nicht nur seine Kommissarinnen Gorniak und Winkler, sondern auch die Zuschauer um das Leben des Kommissariatsleiters, gespielt von Martin Brambach. Ist das etwa sein letzter Tatort?

Als 2016 der Dresdner Tatort mit Martin Brambach, Karin Hanczewski und damals noch Alwara Höfels an den Start ging, setzte man beim MDR auf die Karte Humor, die in Münster so fabelhaft gestochen hatte. Als Garant dafür, dass es auch funktioniert, wurde mit Ralf Husmann ein Drehbuchautor verpflichtet, der mit „Stromberg“ hinreichend sein Talent bewiesen hatte, das Publikum zum Lachen zu bringen. Er wiederum war für Martin Brambach einer der Gründe, die Rolle des etwas sonderbaren, mitunter spießigen, aus der Zeit gefallenen Kommissariatsleiters Peter Michael Schnabel zu übernehmen.

Doch die Chemie in Dresden stimmte einfach nicht. Ralf Husmann warf nach nur drei Drehbüchern hin, Alwara Höfels hielt es als Kommissarin Henni Sieland gerade mal sechs Folgen durch, bevor sie sich mit dem Sender überwarf. Der wiederum engagierte mit Cornelia Gröschel als Leonie „Leo“ Winkler eine neue Kommissarin und verpasste dem Tatort ein neues Konzept - jetzt setzte man auf Spannung statt Humor. Der Krimi aus Dresden sollte ein Thriller werden. Und was niemand für möglich gehalten hatte, trat ein: Mit der Folge „Das Nest“ gelang ein grandios packender Neustart in die entgegengesetzte Richtung.

Martin Brambach machte den Schwenk mit, wenn auch nicht in heller Begeisterung: „Wir machen Unterhaltungsfernsehen, und wenn ein Film spannend ist, dann ist dagegen überhaupt nichts zu sagen,“ sagte er kürzlich im Interview mit unserer Redaktion. Die andere Seite sei natürlich: „Dadurch, dass Ralf Husmann nicht mehr die Drehbücher schreibt, ist der Humor ein bisschen auf der Strecke geblieben, der ja eigentlich zu meiner Figur gehört. Das versuche ich auch gegen Widerstände noch ein bisschen rauszukitzeln.“

Nichts zu kitzeln und wenig zu lachen gibt es allerdings beim neuen Fall „Katz und Maus“, den Brambach dennoch als eine „Herzensangelegenheit“ beschreibt. Taucht er doch in die Untiefen von sozialen Netzwerken und Verschwörungstheorien ab. Schnabel wird von dem Verschwörungstheoretiker Michael Sobotta (Hans Löw) entführt, der die Freilassung von 150 verschwundenen Kindern fordert, die seiner Ansicht nach an einem geheimen Ort in Dresden versteckt gehalten werden. Hier haben sich die Drehbuchautoren Jan Cronauer und Stefanie Veith ganz offensichtlich von der amerikanischen „Pizzagate”-Affäre inspirieren lassen. Im Wahlkampf 2016 wurden Fake News in Umlauf gebracht, wonach in einer Pizzeria in Washington D.C. ein Kinderpornoring sein Unwesen getrieben haben und auch Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verwickelt gewesen sein soll.

Wie ernst er es meint, hat Sobotta gerade erst mit dem kaltblütigen Mord an einer ebenfalls von ihm entführten Journalistin bewiesen. Ihren Tod haben Schnabel und die Kommissarinnen Gorniak (Karin Hanczewski) und Winkler nicht verhindern können. „Da hat Humor nun wirklich wenig Platz“, findet Martin Brambach völlig zu Recht.

Die Hauptfigur des Films sei allerdings nicht nur ein Täter, sondern zugleich auch ein Opfer, findet der 55-Jährige: „Ein Opfer der sozialen Netzwerke. Ich finde, dass die sozialen Netzwerke und das Internet, wie es im Moment funktioniert, unsere Demokratie und unser gesellschaftliches Zusammenleben kaputt machen.”

Als Spannungstreiber für diesen Film funktioniert Sobottas wirres Verschwörungskonstrukt allerdings hervorragend. Während die Kommissarinnen fieberhaft nach ihrem Chef suchen, versucht dieser, in die Gedankenwelt seines Kidnappers einzudringen, ihn zu verstehen und vom Wahnsinn seines Tuns zu überzeugen. Derweil zerrinnt die Zeit, die Sobotta ihm noch zu leben gegeben hat, wenn nicht die angeblich entführten Kinder befreit werden. Am Ende treibt Regisseur die Spannung derart auf die Spitze, dass man sich als Zuschauer fragen muss, ob dies Martin Brambachs letzter Tatort ist. 

Zwar erreicht „Katz und Maus“ nicht ganz das herausragende Niveau von „Das Nest“, ein sehenswerter und spannender Tatort ist der Krimi allemal. Damit bleibt Dresden in der Erfolgsspur.

Tatort: Katz und Maus. Das Erste, Sonntag, 20. November, 20.15 Uhr.

Wertung: 5 von 6 Sternen

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