Sechs Filialen bald dicht  Bäcker schließen reihenweise – was wird nun aus den Dörfern?

Tobias Rümmele
|
Von Tobias Rümmele
| 15.11.2022 07:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In einem alten Gulfhaus kam drei Jahre lang ein Café unter. Nun ist wegen der Energiekrise Schluss. Fotos: Stromann
In einem alten Gulfhaus kam drei Jahre lang ein Café unter. Nun ist wegen der Energiekrise Schluss. Fotos: Stromann
Artikel teilen:

Im Landkreis Leer schließen auf einen Schlag sechs Bäckerei-Filialen. Weitere Bäckereien kämpfen in der Krise ums Überleben. Manche Dörfer verlieren nun ihre letzten verbliebenen Geschäfte.

Landkreis Leer - Das Projekt, das Hermann und Anja Dänekas in Nortmoor realisierten, lief ausgezeichnet. Das Ehepaar brachte ein marodes, denkmalgeschütztes Gulfhaus an der Dorfstraße auf Vordermann. Drei Jahre dauerten die Arbeiten. Die Kosten übernahm die beiden zu einem Großteil selbst. Der alte Landwirtschaftsbau sollte völlig neu genutzt werden.

Was und warum

Darum geht es: In manchen Dörfern schließt mit dem Bäcker das letzte Geschäft, das es überhaupt vor Ort gibt.

Vor allem interessant für: Dorfbewohner

Deshalb berichten wir: Die Bäckerei Behmann kündigte zuletzt an, sechs ihrer sieben Filialen zu schließen.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Als 2019 die Bäckerei Behmann mit einem modernen Bäckerei-Café in das Gebäude zog, schien der Plan aufzugehen. Schnell entwickelte sich das Café zu einem Besuchermagneten. Doch trotz des großen Zuspruchs: Am Ende des Jahres ist Schluss. Die Bäckerei Behmann schließt wegen der drastisch gestiegenen Energiepreise am 31. Dezember sechs ihrer sieben Filialen im Landkreis Leer. Neben Nortmoor trifft es die Geschäfte in Ockenhausen, Remels, Neukamperfehn, Warsingsfehn und Loga.

Noch ist unklar, ob es in Nortmoor weiterhin frische Brötchen geben wird.
Noch ist unklar, ob es in Nortmoor weiterhin frische Brötchen geben wird.

Beliebt bei Einheimischen und Touristen

Es sind Schließungen, die auch Udo Dänekas (CDU) bedauert. Er ist der Bruder von Haus-Eigentümer Hermann Dänekas und Bürgermeister der Gemeinde Nortmoor. „Das Café wurde unheimlich gut angenommen und war eine Bereicherung für unser Dorf“, sagt er. Ein Angebot, wie es die Bäckerei Behmann in Nortmoor bot, habe dort zuvor viele Jahre gefehlt.

Gastronomisch bleibt nun zwar noch eine Pizzeria. Doch mit dem Café bricht auch ein Raum weg, in dem sich Dorfbewohner begegnen konnten. „Es war der Mittelpunkt des Ortes, lag zentral und es gibt dort gute Produkte“, fasst es Bürgermeister Dänekas zusammen. Auch bei Touristen war das Angebot beliebt. Oftmals reihten sich ihre E-Bikes vor dem Eingang des herausgeputzten alten Klinkerbaus.

Kosten für Bäcker explodieren

Dass mit dem Abschied der Bäckerei Behmann damit erstmal Schluss sein wird, will Dänekas nicht akzeptieren. Es solle nach Möglichkeit schnell weitergehen und zwar am besten mit einem neuen Bäckerei-Café. „Es liegt uns sehr am Herzen“, sagt der Bürgermeister. „Uns ist wichtig, dass dort weiterhin Leben stattfindet.“ Derzeit lote man aus, was künftig in dem Gebäude möglich ist. Ziel sei, es bald wieder zu verpachten. „Vielleicht hat ja jemand ein genau passendes Konzept und will sich jetzt selbstständig machen“, so die Hoffnung des Bürgermeisters. „Aber wir wissen alle, dass es für Bäcker derzeit schwierig ist.“

Bereits im September hatte Gertha Jünke, die gemeinsam mit ihrem Mann Ralf die Bäckerei Behmann leitet, gegenüber dieser Zeitung die Kostenexplosion vorgerechnet. „Im vergangenen Jahr hat unsere Produktion 3600 Euro Strom im Monat gekostet, letzten Monat waren es 12.000 Euro“, so Jünke.

Der letzte Laden im Dorf verschwindet

Auch die Filiale in Ockenhausen soll schließen. Die Hoffnung aufgeben, dass es weitergeht, möchte man dort trotzdem ebenso noch nicht. Ortsvorsteher Robert Schäfer bedauert den Verlust der dortigen Bäckerei-Filiale. Doch vielleicht finde sich ja noch ein anderer Bäcker, der die Räumlichkeiten übernehmen wolle. „Es ist schade. Damit macht jetzt auch noch das letzte Geschäft im Ort zu“, sagt Schäfer. Wie auch in Nortmoor berichtet Ortsvorsteher, dass es eigentlich viele Kunden zu der kleinen Filiale in Ockenhausen zog. „Gerade am Wochenende haben etliche Leute dort ihr Brot geholt“, sagt Schäfer. Auch Wurst, Zeitschriften und andere Produkte des täglichen Bedarfs habe man in der Filiale bekommen.

„Als ich von der Schließung erfuhr, war das für mich überraschend“, so der Ortsvorsteher. „Wenn wir jetzt etwas benötigen, müssen wir dafür nach Remels fahren. Mit dem Auto ist man dafür etwa zehn Minuten unterwegs.“ Auch deshalb hofft Schäfer auf eine alternative Lösung. „Es sind noch fast zwei Monate bis zur Schließung. Wir werden sehen.“

Ähnliche Artikel