Ostfriesin mit TV-Show Leeraner Pastorin fragt nach dem Luxus
Die Leeraner Pastorin Ina Jäckel geht in ihrer TV-Show Fragen wie „Was ist Luxus?“ nach. Im Gespräch erklärt sie, was das eigentlich mit Kirche zu tun hat.
Leer - „Luxus“, laut Duden ein kostspieliger, verschwenderischer, den normalen Rahmen der Lebenshaltung übersteigender, nicht notwendiger und nur zum Vergnügen betriebener Aufwand. Doch was ist Luxus genau und was bedeutet er für Menschen? Der Frage „Was ist Luxus?“ geht die Leeraner Pastorin Ina Jäckel nun in einer Fernsehsendung nach. Die Folge, die bereits in der ARD Mediathek und am 20. November um 16 Uhr im NDR-Fernsehen ausgestrahlt wird, ist Auftakt der Reihe „Dingenskirchen“ in der Jäckel ähnlich tiefgründigen Fragen nachgeht.
Was und warum
Darum geht es: Ina Jäckel spricht fürs Fernsehen mit Menschen über Luxus oder andere Lebensfragen. Sie ist überzeugt, die Kirche muss raus zu den Menschen gehen.
Vor allem interessant für: Gläubige und Menschen, die Kirche skeptisch sehen.
Deshalb berichten wir: Die Leeranerin hat nun eine eigene TV-Show, die in der kommenden Woche startet. Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de
Für die Dokumentation hat sie mit unterschiedlichen Menschen gesprochen – Unternehmern, Angestellten und Wohnungslosen. Im Kern ähneln sich ihre Antworten: Der größte Luxus für die Menschen sei Zeit. So geht es auch Ina Jäckel. „Für mich ist Luxus auf einem Sessel zu sitzen, Tee zu trinken und ein Buch zu lesen“, sagt sie. Dass es die Menschen, mit denen sie gesprochen habe, ebenfalls so gesehen hätten, beschäftige sie nachhaltig. „Ich habe lange darüber nachgedacht. So etwas wie Zeit ist einfach nicht kaufbar“, sagt Jäckel. Man könne Milliardär sein, Zeit sei deswegen nicht mehr da.
Bild von Kirche ändern
Jäckel spricht mit Menschen über Turnschuhe, Blumen und hohe Lebensmittelpreise. Sie erzählt vor der Kamera zwar, dass sie Pastorin ist, Gebete, Segen oder Bibelzitate gibt es in der Sendung dagegen nicht. Dabei ist „Dingenskirchen“ eine Zusammenarbeit des NDR mit der evangelischen und der katholischen Kirche. Für die 38-Jährige ist das überhaupt kein Widerspruch. „Ich glaube, es kommt darauf an, welches Bild man von Kirche hat. Für mich ist Kirche, nah an den Menschen zu sein, zuzuhören und auf sie zuzugehen“, erklärt sie. Es gehe dabei um den kirchlichen Geist. „Wir behandeln in der Reihe ethische und seelsorgerische Themen. Es geht um die Frage: Wann ist das Leben für die Menschen gut?“, sagt sie.
„Raus aus der Kirche. Hin zu den Leuten. Darum geht’s bei ‚Dingenskirchen‘“, wird Pastor Jan Dieckmann, Evangelischer Senderbeauftragter beim NDR, in einer Pressemitteilung zitiert. „Die junge Pastorin und vierfache Mutter Ina Jäckel redet aber nicht nur, sie packt auch mit an. Kaffee zubereiten in der Barista Bar, Blumensträuße binden mit einer Floristin, oder Fitness-Übungen im Sportverein: Die Pastorin macht mit und erfährt so ganz nebenbei, was Menschen innerlich bewegt. Als Pastorin und Seelsorgerin findet sie dabei einen besonderen Zugang zu ihren Gesprächspartnerinnen und -partnern.“
Aufgeregt zum Casting
Dieckmann hatte Jäckel im Mai zum Casting für das neue Format nach Hamburg eingeladen. „Weil ich gern neue Dinge ausprobiere, bin ich zum Casting gefahren. Ich war aber nicht davon ausgegangen, dass ich genommen werde“, sagt Jäckel. Im Juni habe sie dann die Zusage bekommen. „Da war ich ganz ungläubig. Ich habe ja keine Medienerfahrung und keine Ausbildung in diesem Bereich. Daher hat es mich sehr überrascht“, sagt sie. Seit der Corona-Pandemie ist Jäckel allerdings sehr aktiv im sozialen Netzwerk Instagram. Dort folgen ihr mittlerweile fast 10.000 Menschen. Sie berichtet auf ihrem Kanal über ihren Alltag zwischen Kindern und Kirche, greift dabei aber immer wieder kirchliche Debatten auf. „Ich denke, wir sollten das Bild von Kirche überdenken und Glaube auch neu denken“, so Jäckel.
Für die vierfache Mutter und Pastorin in der Evangelisch-lutherischen Friedens- und Petruskirche in Loga sind die Dreharbeiten allerdings ein logistischer Kraftakt. „Ich habe mit meiner Familie gesprochen, wie wir das hinkriegen. Es war von vornherein klar, dass ich achtmal im Jahr eine Woche weg sein werde“, sagt sie. Familie und Freunde hätten aber die Unterstützung zugesichert. Nun seien besonders ihre Kinder total aufgeregt.
- „Dingenskirchen“ ist eine Kooperation zwischen der NDR Redaktion „Religion und Gesellschaft“ und der evangelischen und katholischen Kirche. Jährlich sollen acht Folgen in der ARD-Mediathek und im NDR-Fernsehen zu sehen sein. Die erste Folge gibt es in kostenlos in der ARD-Mediathek und am Sonntag, 20. November, um 16 Uhr im NDR.