Seeltersk Regional oder Minderheit?
Ist Saterfriesisch tatsächlich eine Minderheitensprache? Oder ist es einfach eine Regionalsprache – wie Plattdeutsch? Und – welche Unterschiede gibt es da überhaupt?
Der Schutz von kleinen Sprachen wie Saterfriesisch ist eine Verpflichtung für alle europäischen Staaten, die die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen unterschrieben haben. Das ist eine schriftliche Zusage, bestimmte Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Welche Maßnahmen genau, das darf jeder Staat in einem gewissen Ausmaß selber bestimmen, solange von 98 möglichen Maßnahmen wenigstens 35 ausgewählt werden. In Deutschland bestimmen die Bundesländer darüber. Daher hat Schleswig-Holstein versprochen, eine Ausbildung für Friesischlehrer zu garantieren, Niedersachsen jedoch nicht.
Ab und zu wundern sich Leute über den Namen: sollte es nicht „Regional- UND Minderheitensprachen“ sein? Die, die so denken, wissen in vielen Fällen, dass Plattdeutsch meistens Regionalsprache und Friesisch eine Minderheitensprache genannt wird. Beide werden durch die Charta geschützt. So war es jedoch am Anfang nicht gemeint.
Der Ausdruck Regionalsprachen ist der französische Begriff. Laut der französischen Staatsphilosophie gibt es keine Minderheiten: Man ist einfach Franzose. Einige dieser Franzosen sprechen die Sprache einer französischen Region, wie Bretonisch oder Flämisch – Regionalsprachen, halt.
zur Person
Henk Wolf (geb. 1973) arbeitet als Sprachwissenschaftler für die Rijksuniversiteit Groningen und als wissenschaftlicher Beauftragter für Saterfriesisch bei der Oldenburgischen Landschaft. Er hat ein Büro im Rathaus der Gemeinde Saterland in Ramsloh und schreibt für den GA in einer wöchentlichen Kolumne über Saterfriesisch. Kontakt: Seeltersk@ga-online.de
„Sprachen von Minderheiten“ ist ein Begriff aus den osteuropäischen Mehrvölkerstaaten, in denen durch wechselnde Grenzen und Völkerwanderungen Sprachgruppen über viele Länder verteilt sind: Slowenen in Österreich, Deutsche in der Ukraine, Ukrainer in Polen und so weiter.
Einige westeuropäische Sprachgruppen verwendeten traditionell jedoch einen dritten Begriff: den der „Nation“.
Die nordfriesische Sprachbewegung hat ihren „Verein für nationale Friesen“, die Westfriesen die „Friesisch Nationale Partei“, und auch die sprachbewegten Waliser und Schotten nennen sich gerne „national“. In großen Teilen Europas hatte dieses Wort jedoch vermutlich einen so negativen Klang, dass man es in der Charta außen vor gelassen hat.