Klimaschutz im Rheiderland Sorgsamer Umgang mit Wasser wird Schwerpunktthema
Extreme Starkregenfälle auf der einen Seite, zu lange Trockenperioden auf der anderen stellen die Sielacht im Rheiderland vor Probleme. Mit einem Wassermanagement will man sich für die Zukunft rüsten.
Rheiderland - Die Folgen des Klimawandels haben viele Rheiderländer schon am eigenen Leib erfahren. Nach Starkregenfällen steht das Wasser mancherorts einen halben Meter hoch auf den Straßen, Keller laufen voll. Betroffen sind aber auch Landwirte. Wenn die Vorfluter die Regenmassen nicht mehr aufnehmen können, stehen Weide- und Ackerflächen unter Wasser. Die Rheiderland-Kommunen planen daher ein gemeinsames Klimaschutz-Konzept, um in Zukunft besser gerüstet zu sein.
Was und warum
Darum geht es: Die Rheiderland-Kommunen planen ein gemeinsames Klimaschutz-Management.
Vor allem interessant für: alle Rheiderländer und Menschen, die sich für den Klimawandel und den Umgang mit der Ressource Wasser interessieren Deshalb berichten wir: Im städtischen Umweltausschuss berichtete Obersielrichter Willem Berlin wie der Klimawandel schon jetzt spürbar ist. Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de
Dass dringender Handlungsbedarf besteht, machte Obersielrichter Willem Berlin in seinem Referat in der Sitzung des Umweltausschusses der Stadt Weener deutlich. Die Sielacht ist dafür zuständig, dass die Rheiderländer keine nassen Füsse bekommen, aber auch nicht auf dem Trockenen sitzen müssen. Damit die Verbandsmitarbeiter die Gräben und Sieltiefs in Schuss halten und in Pump- und Schöpfwerke investiert werden kann, zahlt jeder Hauseigentümer 25 Euro Verbandsgebühr, Landwirte 25 Euro pro Hektar. Insgesamt betreut der Wasser- und Bodenverband eine Fläche von 29.000 Hektar im Rheiderland. Sorgen bereiten Willem Berlin die Wetterextreme: Im Winter mehren sich die Starkregenereignisse, im Sommer leidet die Natur unter längeren Trockenperioden. Das war insbesondere in Weener diesem Jahr ganz deutlich spürbar. „Im Weener Sieltief war zeitweise kaum noch Wasser“, so Berlin. Ausbaggern der Tiefs und Gräben sei keine Lösung. Selbst der Einbau neuer Spundwände wie am Marker Weg habe keinen Erfolg gebracht.
Viel Wasser verdunstet einfach
„Man kann das Wasser dort nicht halten. In Wärmeperioden versickert und verdunstet es einfach.“ Insgesamt 700 bis 800 Millimeter pro Quadratmeter Regenwasser fallen nach Berlins Angaben im Rheiderland durchschnittlich im Jahr. Die Hälfte davon verdunste. Daher seien Lösungen für einen sorgsameren Umgang mit der wertvollen Ressource Wasser gefragt. Eine Idee: Es müssen Reservoirs geschaffen werden, in denen nach Starkregenfällen das Wasser für Trockenperioden gespeichert werden kann. Dafür könne das vorhandene Gewässernetz genutzt werden. „Gleichzeitig muss in Stau- und Speichermöglichkeiten investiert werden, damit man diesen Wasservorrat dorthin bekommt, wo er benötigt wird“, machte der Obersielrichter deutlich.
Berlin macht sich vor allem für einen sorgsameren Umgang mit dem Regenwasser stark. Das Wasser wird im Klärwerk in Weener gereinigt und anschließend in die Ems geleitet. In den Augen des Obersielrichters sei das eine Verschwendung einer wertvollen Ressource. Denn dieses Wasser anderweitig genutzt werden. „Beispielsweise könnte man es ins Buschfelder Sieltief oder direkt in den Hafen von Weener laufen lassen.“ In der Gemeinde Bunde sei das bereits gängige Praxis. Das im Klärwerk gereinigte Wasser werde vollständig in das Gewässersystem geleitet.
Hoffnung auf Fördergeld
Einen ernsten Appell richtete Willem Berlin aber auch an die Kommunalpolitik. „55 Hektar Flächen werden jährlich in Deutschland zubetoniert.“ Beim Bau neuer Siedlungen und Gewerbegebiete sei Augenmaß gefragt, um die Versiegelung zu begrenzen. Aber es gibt noch weitere Probleme. Dauert die Trockenheit im Sommer länger an, kann Salzwasser ins Grundwasser gelangen. Wo das der Fall ist, können die Landwirte die Brunnen auf den Weiden nicht mehr als Viehtränken nutzen.
Alle drei Rheiderland-Kommunen haben beim Bundesumweltministerium einen Förderantrag für die Erarbeitung eines Klimaschutzkonzepts gestellt. „Wesentlicher Punkt wird der Ressourcenverbrauch sein. Der kann aber in jeder Rheiderland-Kommune individuell unterschiedlich sein“, machte Bürgermeister Heiko Abbas in der Sitzung deutlich. Im Laufe dieses Monats rechne man mit einer Entscheidung, ob der Zuschuss fließt. Das Fördergeld soll zunächst in eine allgemeine Beratung durch ein Fachbüro fließen. Es soll darüber hinaus ein Runder Tisch gebildet werden, an dem unter anderem Vertreter der Kommunen, des Entwässerungsverbandes, der Deich- und Sielacht mitwirken sollen.