Hamburg  Mit diesen acht geheimen Tricks wollen uns Supermärkte zum Kauf verführen

Yannick Kitzinger
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Von Yannick Kitzinger
| 11.11.2022 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
In der Gestaltung eines Supermarktes steckt viel Psychologie. Foto: imago images/photosteinmaurer.com
In der Gestaltung eines Supermarktes steckt viel Psychologie. Foto: imago images/photosteinmaurer.com
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Viele tolle Angebote, leckere Gerüche und lange Wege - vieles im Supermarkt regt uns Kunden zum Einkaufen an. Und das ist kein Zufall. Mit ausgeklügelten Verkaufstricks bringen uns die Supermärkte dazu, mehr zu kaufen, als wir eigentlich brauchen.

Das kennst Du doch auch: Du kommst vom Supermarkt nach Hause und hast wieder mal viel mehr in Deiner Tüte, als du ursprünglich einkaufen wolltest. Etwa 30 bis 40 Prozent der Einkäufe werden laut Verbraucherzentrale ungeplant gemacht. Dahinter stecken ausgeklügelte Strategien der Supermarkt-Ketten.

Die großen Lebensmittelkonzerne und ihre Vertreiber, die Discounter und Supermärkte, planen das Angebot und den Aufbau jeden Marktes genaustens, um die Waren möglichst effizient an und Kunden zu bringen.

Hier kommen acht Tricks, mit denen Supermärkte unser Einkaufsverhalten beeinflussen wollen:

Fast immer ist die Obst- und Gemüseabteilung ganz am Anfang des Supermarktes zu finden. Das hat mehrere Gründe. Zum einen suggeriert der Markt Dir als Kunden damit gleich zu Beginn, dass hier nur gute, frische und gesunde Artikel erhältlich sind.

Wer sich gleich am Anfang gesundes Grünzeug in den Einkaufskorb legt, hat zudem später ein weniger schlechtes Gewissen, wenn er zu Süßigkeiten oder ungesunden Tiefkühlprodukten greift.

Das bunte Obst und Gemüse lädt außerdem zu Einkaufen ein und vermitteln eine angenehme Atmosphäre. Ähnlich ist es beim Fleisch. Das wird rötlich angestrahlt und sieht dadurch frischer aus. Fischwaren wirken unter blauem Licht besser, Backwaren werden gelblich angestrahlt, damit sie appetitlicher aussehen.

Und apropos Backwaren: Auch hier haben die Supermärkte einen Trick auf Lager. „Frisches aufgebackenes Brot und Brötchen riecht anregend. Auch das verleitet zum Kauf. Backautomaten stehen daher oft am Anfang des Ladens”, erklärt die Verbraucherzentrale. Die Strategie dahinter: Die Kunden bekommen Appetit – und wer hungrig einkauft, kauft mehr. 

Ein Tipp, um sich nicht von der Live-Bäckerei bezirzen zu lassen: Gehe nicht hungrig einkaufen und iss am besten eine Kleinigkeit, bevor Du in den Supermarkt gehst.

Bei der Gestaltung eines Supermarktes wird besonders viel Zeit in die Platzierung der Regale gesteckt. Denn der Aufbau eines typischen Supermarktes ist darauf ausgelegt, die Kunden zum Einkaufen zu motivieren. Und wer länger bleibt, kauft auch mehr. Grundnahrungsmittel wie Milch, Obst, Fleisch, Getränke sind gezielt über den gesamten Supermarkt verteilt, damit der Kunde an möglichst vielen Regalen vorbeigehen muss.

Besonders ärgerlich sind „Mogelpackungen“, erklärt die Verbraucherzentrale, also Verpackungen, die mehr Inhalt suggerieren, als sie tatsächlich enthalten. Der Trick: die Reduktion des Inhaltes zum Beispiel bei Tee, Müsli oder Chips bei gleichbleibender Packungsgröße. „Hersteller und Handel nehmen damit versteckte Preiserhöhungen vor. Hier lohnt es sich, regelmäßig auf den Grundpreis am Regal zu achten”, rät die Verbraucherzentrale.

Als Kunden greifen wir häufig lieber zu Großpackungen, denn diese assoziieren wir mit einem günstigeren Grundpreis. Aber das wissen auch die Supermarktbetreiber und bewerben Großpackungen besonders. Doch nicht selten kostet eine Großpackung genau so viel wie zwei reguläre kleine Packungen des Produkts. Also: Lieber genau hinsehen und auf den Preis pro 100 Gramm achten, bevor Du durch die Großpackung mehr kaufst, als Du eigentlich brauchst.

Diesen Trick kennt fast jeder: Teure Produkte stehen in den Regalen auf Augenhöhe, günstige hingegen im unteren Fach. Daher lohnt es sich für den Geldbeutel, wenn Du Dich auch mal nach unten bückst. Nicht umsonst wird die günstige Ware dort „Bückware” genannt. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert auch die sogenannte „Streckware”, die sich ganze oben im Regal befindet.

Und noch ein Trick der Supermärkte: „Da sich die meisten Menschen eher nach rechts orientieren, findet man dort ebenfalls teurere Produkte – der Griff nach links kann also lohnen”, verrät die Verbraucherzentrale.

„Sammeln Sie Treupunkte?”, „Haben Sie eine Kundenkarte?” - an so gut wie jeder Supermarktkasse erwarten uns diese Fragen. Die Aktionen oder Bonuskarten versprechen Vergünstigen. Allerdings sind diese oft marginal im Vergleich zum Einkaufswert, erklärt die Verbraucherzentrale. Für die Supermärkte lohnt sich das, weil sie so Daten über unser Einkaufsverhalten sammeln können.

Irgendwas ist immer im Angebot; ob im Regal oder sogar auf Sonderflächen in einem zentralen Gang. Wir als Kunden greifen dann oft zu, weil wir glauben, einen guten Deal zu machen - und das, obwohl wir die Produkte häufig gar nicht wirklich brauchen. Das Schnäppchen darf uns nicht entgehen, denken wir und kaufen ungeplant den reduzierten Staubsauger, der nur noch diese Woche im Angebot ist.

Und dann gibt es noch die Angebote, die eigentlich gar keine Angebote sind: Aktionsständer mit großen Preisschildern verstellen häufig den Weg, sodass sie uns zwangsläufig ins Auge fallen. Die dort angebotene Ware wirkt wie ein Sonderangebot, ist aber oft gar nicht reduziert.

Für die meisten alltäglichen Supermarkteinkäufe reicht ein einfacher Korb. Doch gerade bei Discountern sind wir häufig gezwungen, zum Einkaufswagen zu greifen, wenn wir die Ware nicht im Arm durch den Laden tragen wollen.

Der Trick: Der große Einkaufswagen sieht sehr leer aus, wenn nur wenig drinnen ist. Die Waren verliert sich schnell und verrutscht beim Schieben nach hinten - und somit aus unserem Blickfeld. Viele Einkaufswagen lassen sich sogar leichter schieben, wenn sie voller sind, erklärt die Verbraucherzentrale.

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