Hamburg Geld für die Hochzeit, Geld für Babys: Und wo bleibt mein Geschenk als Single?
Gefühlt jeden Monat zahle ich Geschenkegeld für Hochzeiten, Babys und Geburtstage. Und ich? Bekomme als Single gar nichts. Wir müssen aufhören, traditionelle Lebensweisen zu bevorzugen.
In diesem Artikel erfährst Du:
Ich will einen Dackel und er soll Henry heißen. Ich will außerdem, dass mein Arbeitgeber für Henry zahlt. Und: Ich will, dass Henry im internen Mitarbeitermagazin zu sehen ist – neben all den anderen Babys, dem Firmennachwuchs. Warum? Wegen der Akzeptanz.
Die meisten Unternehmen überweisen ihren Mitarbeitern Geld, wenn sie Kinder kriegen oder heiraten. Das sind sogenannte Geburts- und Heiratsbeihilfen, die im Steuerrecht festgeschrieben sind. So können Arbeitgeber ihren Angestellten freiwillig einen Bonus zukommen lassen, wenn besondere Ereignisse anstehen. Diese Zuschüsse sind bis zu einem bestimmten Betrag steuerfrei und werden erst überwiesen, wenn eine Heirats- oder Geburtsurkunde vorliegt. Als müsse man irgendetwas beweisen.
Wer sich einen Dackel anstelle eines Babys oder Eherings zulegt, bekommt dieses Geld (meistens) nicht. Kein Kind, kein Mann, kein Zuschuss? Ich finde das sehr archaisch.
Nun könnte man die Geburts- und Heiratshilfe als finanzielle Unterstützung verstehen, die alleinstehenden Müttern oder weniger vermögenden Paaren mit Ehewunsch zugutekommt. Aber was gehen private Lebensentscheidungen den Arbeitgeber an? Das sollte - und auch da, nur wenn nötig - Angelegenheit des Staates sein. Und der begünstigt die Eheschließung bereits mit steuerlichen Vorteilen und vergibt Kindergeld.
Der Geldbetrag wird in meinem Umfeld zudem eher als Geschenk wahrgenommen – nicht als finanzielle Beihilfe, wie es eigentlich heißt. Das finde ich noch unangenehmer. Wenn die Firma zum Kind oder der Hochzeit gratulieren möchte, ist das nett. Eine persönliche Gratulation hat aber nichts auf der Lohnabrechnung zu suchen. Abgesehen davon finde ich es unpassend, dass der Arbeitgeber nur die traditionelle Lebensweise beglückwünscht. Das wirkt auf mich wie: Ehe, Haus und Sprössling – so soll es sein. Single, WG, Hund – das scheint nicht erstrebenswert. Dabei sollten Lebensläufe vielseitig sein, genauso wie Mitarbeiter.
Es gibt Menschen, die bevorzugen die Ehe. Und es gibt Menschen, die knutschen wild herum. Dann gibt es welche, die sich Kind und Partner wünschen – denen aber der Funke Glück fehlt. Ob bewusste Entscheidung oder nicht: Weder der eine, noch der andere Lebensstil hat mehr Anerkennung verdient.
Ich gönne meinen Arbeitskollegen oder Freunden jeden Bonus, heule bei Hochzeiten und finde Babys zuckersüß. Aber es hat einen faden Beigeschmack, wenn Arbeitgeber das Kinderkriegen und die Eheschließung belohnen. Denn eines ist klar: Eine solche Anerkennung gibt es nur für den einen, vermeintlich richtigen Lebensstil. Dabei ist es doch eine rein private Entscheidung, ob ich mir irgendwann ein Baby oder einen Hund zulege.
Ein Dackel ist nicht mit einem Baby vergleichbar – das ist mir bewusst. Doch auch Henry würde über Jahre an meiner Seite sein und mein Leben komplett umkrempeln. Warum verdient die eine, lebensverändernde Entscheidung eine Bonuszahlung und einen Präsentkorb und die andere nicht?
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Das Geldgeschenk, sei es von Freunden, Kollegen oder Arbeitgebern, drückt aus: Wir finden es toll, dass Du Kinder bekommst und heiratest. Ich wünsche mir diesen Zuspruch auch bei meinen, vermeintlich „alternativen“ Lebensentscheidungen. Es muss kein finanzieller Ausgleich sein, aber ein bisschen Anerkennung und Wertschätzung wäre toll. Nicht mal das. Ich wünsche mir lediglich Akzeptanz. Und eine Umverteilung der Geburts- und Heiratsbeihilfen. Sie sollten Mitarbeitern zugutekommen, die sie wirklich benötigen. Und nicht nur denen, die sich für eine traditionelle Lebensweise entscheiden.
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