Washington  So kam es zum Trump-Fiasko bei den US-Midterms

Friedemann Diederichs
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Von Friedemann Diederichs
| 10.11.2022 23:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ex-US-Präsident Donald Trump soll nach den Wahlen in den USA in Wutanfälle ausgebrochen sein. Foto: dpa/Andrew Harnik
Ex-US-Präsident Donald Trump soll nach den Wahlen in den USA in Wutanfälle ausgebrochen sein. Foto: dpa/Andrew Harnik
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Für Ex-US-Präsident Donald Trump und seine Anhänger enden die Midterms in den USA im Fiasko. Extreme Positionen und die Mär vom Wahlbetrug belasten die Kandidaten. Ist das Ende einer Ära gekommen?

Am Wahltag noch hatte die liberale „New York Times“ in einem seitenlangen Leitartikel das aus Sicht der Demokraten Schlimmste befürchtet: „Die Republikaner setzen mit aller Macht auf Trumpismus. Es wird funktionieren.“ Doch als sich am Abend abzeichnete, dass Amerikas Linke die von Demoskopen befürchtete Erdrutsch-Niederlage vermeiden würden, stand auch fest, dass sich die US-Traditionszeitung geirrt hatte.

Während sich Donald Trump angesichts des schlechten Abschneidens der meisten der von ihm geförderten Kongressbewerber minutenlangen Wutanfällen hingegeben haben soll, kam gleichzeitig in TV-Diskussionsrunden die Frage auf: Wird Trump wie geplant kommende Woche offiziell seine Kandidatur für 2024 bekanntgeben? Oder wird der Politiker, der noch nie gut verlieren konnte, seine Ambitionen noch einmal überdenken?

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Als dann Präsident Joe Biden am Mittwochnachmittag in seiner erst zweiten Pressekonferenz seit Jahresbeginn von einem „guten Abschneiden der Demokraten“ sprach und seine Absichten auf eine zweite Amtszeit bekräftigte, war trotz noch laufender Auszählungen der Umfang des Trump-Fiaskos bereits deutlich geworden.

Trump hatte sich persönlich für eine Rekordzahl von rund 300 Kandidaten stark gemacht – wohl auch, weil er den später dann wieder einmal falsch liegenden Demoskopen geglaubt hatte, die eine „rote Welle“ zu Lasten der Demokraten prophezeit hatten. Und Trump wollte diesen vorausgesagten Erfolg dann in erster Linie als seinen Verdienst vereinnahmen.

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Der republikanische Senatssprecher Mitch McConnell hatte trotz der guten Umfragen-Prognosen schon Böses geahnt – und kryptisch die „Kandidatenqualität“ seiner Partei bemängelt. Es war auch eine Anspielung auf die „Trumpisten“ unter den Bewerbern, von denen ein Teil immer noch den vermeintlichen und nie durch Fakten bewiesenen Wahlbetrug von 2020 bejammerte.

Und das geriet dann vielen der konservativen Kandidaten zum Nachteil. Eines der prominentesten Opfer: Der Promi-Mediziner Dr. Mehmet Oz, der in Pennsylvania einen wichtigen Senatssitz für die Republikaner sichern sollte und die Bundesstaats-Vorwahlen dank Trumps Eingreifen klar gewonnen hatte. Doch dann verlor Oz am Wahltag gegen den Demokraten John Fetterman, der kürzlich einen Schlaganfall erlitten hatte und am Ende trotz eines Fiaskos bei der einzigen TV-Debatte der beiden Bewerber die Nase vorn hatte.

Und wer als Trump-Kandidat Gouverneur werden wollte, hatte es auch schwer. In Michigan, Pennsylvania und Wisconsin verloren vom Ex-Präsidenten geförderte Bewerber und in Arizona deutet sich an, dass die Trump-Kandidatin Kari Lake - die explizit weiter von einem „Wahlbetrug“ in 2020 sprach und Mittwoch unverhohlene Drohungen gegen Medienvertreter aufgrund deren kritischer Berichterstattung aussprach – ebenfalls am Gouverneurs-Ziel trotz zunächst guter Prognosen scheitern könnte. Im selben Bundesstaat verlor auch der „Trumpist“ und Senatsbewerber Blake Masters gegen den Demokraten und Ex-Astronauten Mark Kelly.

Ein Indiz für das, was beim Wahlvolk ankommt und auch 2024 wichtig sein dürfte, lieferte im Bundesstaat Nevada der Republikaner Joe Lombardo. Er liegt im Gouverneursrennen in Führung, nachdem er sich geweigert hatte, Verschwörungstheorien von Trump zu verbreiten. Auch hatte er es bei einer Debatte abgelehnt, Trump als „großartigen“ Präsidenten zu bezeichnen. Wo es am Ende einige Kandidaten Trumps zum Sieg schafften, blieben ihre Prozentzahlen meist deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Das liegt auch daran, dass diese Bewerber – wie es eben schon Mitch McConnell angedeutet hatte – meist extreme Positionen einnahmen, fachlich kaum überzeugten und oft als einziges Prädikat vor sich her trugen, von Trump gefördert zu werden.

Trump-Widersacher Ron DeSantis hingegen, der in Florida klar seinen Gouverneurs-Posten wieder gewann, ist am Wahlabend zu einem neuen „Shooting Star“ der Republikaner geworden.

Sollte es Trump tatsächlich 2024 noch einmal wissen wollen, wird er DeSantis – der auch für Wechselwähler attraktiv ist – parteiintern besiegen müssen. Ein Sieg von diesem wäre der beste Weg für moderate Republikaner, sich endlich des Problemfalls Donald Trump zu entledigen.

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