Hamburg Schwester der toten Berliner Radfahrerin hinterfragt Methoden der Aktivisten
Am Unfalltod einer Radfahrerin in Berlin entbrannte eine Debatte über die Proteste der „Letzten Generation“. Die Zwillingsschwester der Getöteten äußert sich jetzt in einem Interview zu der Tragödie und der umstrittenen Rolle der Klimaaktivisten.
Sie verlor vergangene Woche ein Familienmitglied: Anja ist die ältere Zwillingsschwester der in Berlin getöteten Radfahrerin. Der Tod von Anjas Schwester sorgte für eine hitzige Debatte über die Grenzen des Klimaaktivismus - auch wenn mittlerweile belegt ist, dass die Blockade der Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ keinen entscheidenden Einfluss auf die Versorgung der verunglückten Radfahrerin hatte.
Seit dem Tod ihrer Zwillingsschwester fühlt es sich so an, als liefe Anja „durch einen Albtraum.“ Die Schwester der verunfallten Radfahrerin in Berlin sprach zum ersten Mal öffentlich in einem Interview mit dem „Spiegel“ über das Unglück, das ihrer Schwester das Leben nahm.
Erst gegen Abend habe sie gemerkt, dass etwas nicht stimmen könnte. Sie und ihre jüngere Zwillingsschwester wohnten und arbeiteten zusammen. Anja verabschiedete ihre Schwester am Morgen, als sie abends nach Hause kam, war die Wohnung leer. Erst einige Anrufe in Krankenhäusern in Berlin gaben ihr die traurige Gewissheit: „In dem Moment war klar, dass ihr etwas Schlimmes zugestoßen sein muss.“
Den Schritt in die Öffentlichkeit zu machen und ihre Geschichte zu erzählen, habe Anja selbst getroffen. Sie wolle ihre Stimme nutzen, „weil ich in der Berichterstattung las, wie ignorant einige Klimaaktivisten den Tod von Menschen in Kauf nehmen, die sich unter Umständen selbst für Umweltschutz und andere Menschen einsetzen.“
Gemeinsam mit ihrer Schwester betrieb Anja ein veganes Modelabel in Berlin, sie setzten sich für Umwelt- und Naturschutz ein. Sie und ihre Schwester teilten zu „100 Prozent“ die Ziele der Klimabewegung, aber wie „ignorant mit dem Schicksal meiner Schwester umgegangen wird, verletzt mich sehr.“
Anja habe zwar bis zum Interview mit dem Nachrichtenmagazin nicht gewusst, dass die Blockade der Klimaaktivisten keinen Einfluss auf die Rettung ihrer Schwester gehabt habe. Jedoch ändere das aus ihrer Sicht nichts daran, dass das Fahrzeug behindert wurde: „Und es hätte ja ebenso gut sein können, dass dieses Fahrzeug das Leben meiner Schwester hätte retten können.“
Trotzdem spüre Anja keine Wut gegenüber den Aktivisten der „Letzten Generation“. Das würde ihre Schwester auch nicht zurückbringen. Sie stehe weiterhin hinter den Aktivisten, wenn auch sie ihre Methoden infrage stelle. Diese sollten über andere Wege des Protestes nachdenken, es gebe sanftere Wege.
Anja wolle keine Diskussion über Schuldige oder Unschuldige auslösen, nur zeigen, was die Aussagen einiger Aktivisten in ihr auslösten: „Es ist keine Wut, es sind Messerstiche.“
Wie genau der Unfall in Berlin abgelaufen ist, bei dem Anjas Schwester von einem Betonmischer getötet wurde, sollen Sachverständige nun klären. Gegen die Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ wird ermittelt, unter anderem wegen unterlassener Hilfeleistung.