Auf Kosten der Sicherheit?  Ärger um abgeschaltete Straßenlaternen

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 08.11.2022 17:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Um 20 Uhr gehen an den Straßen in Nortmoor alle Lichter aus. Symbolfoto: Ortgies
Um 20 Uhr gehen an den Straßen in Nortmoor alle Lichter aus. Symbolfoto: Ortgies
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In Nortmoor wird es um 20 Uhr zappenduster. Dann gehen in der Gemeinde seit Neuestem alle Straßenlaternen aus. Das sorgt für Diskussionen: Manche bangen um die Sicherheit der Fußgänger.

Nortmoor - In Nortmoor sorgen die Straßenlaternen für Streit. Diese leuchten seit Ende Oktober am Abend nur noch bis 20 Uhr. Die Gemeinde will dadurch Geld und Energie sparen. Doch bei manchen in der Gemeinde sorgt die Maßnahme für Unmut. „Selbstverständlich sollten die Kommunen aufgrund der momentanen wirtschaftlichen und politischen Situation Vorbildcharakter in Bezug auf Energieeinsparungen zeigen“, schreibt der Seniorenbeirat der Samtgemeinde Jümme in einer Mitteilung. „Dies kann jedoch nicht auf Kosten der Sicherheit von Bürgerinnen und Bürgern, vor allem der älteren, gehen.“ Der Beschluss des Gemeinderats, die Laternen früher auszuknipsen, sei „trotz einer Intervention des Senioren- und Behindertenbeirates und trotz zahlreicher Beschwerden aus der Bevölkerung“ erfolgt.

Was und warum

Darum geht es: In Nortmoor gehen die Laternen früher aus. Das sorgt für Unmut.

Vor allem interessant für: Menschen, die häufig in den Abendstunden unterwegs sind.

Deshalb berichten wir: Der Seniorenbeirat hat sich mit Kritik an die Öffentlichkeit gewandt.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

In der Darstellung des Gemeinderates hatte das noch anders geklungen. Der hatte in der vergangenen Woche seine einstimmige Entscheidung in einer gemeinsamen Pressemitteilung verteidigt und sich auf breite Zustimmung berufen. „Insbesondere die ältere Generation, die noch um Entbehrung weiß, versteht und unterstützt die aktuellen Energiesparmaßnahmen“, hieß es darin. Wilfried Heikens, Vorsitzender des Seniorenbeirats, kann diese Darstellung nicht nachvollziehen. „Die Leute, mit denen ich gesprochen habe, sind alle dagegen oder regen sich sogar darüber auf“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion.

Keine Hand frei für eine Taschenlampe

Gerade ältere Menschen hätten oft Hunde, die abends noch vor die Tür müssten. „Das ist in der völligen Dunkelheit dann gerade mit Stock oder Rollator sehr gefährlich“, erklärt Heikens. Mit Hundeleine in der einen und Gehstock in der anderen Hand, sei kein Platz mehr für eine Taschenlampe. Er hoffe, dass die Politik Einsicht zeige. „Straßenbeleuchtung ist kein verzichtbarer Luxus – sie dient der Verkehrssicherheit“, sagt der Vorsitzende des Seniorenbeirats. Er wünscht sich, dass die Laternen künftig zumindest bis 22 Uhr leuchten. „Das wäre annehmbar“, sagt Heikens.

Nortmoors Bürgermeister Udo Dänekas (CDU) verteidigt hingegen die neue Regelung, nach der die Lampen bereits um 20 Uhr ausgehen. „Ich gehe davon aus, dass es erst einmal so bleiben wird“, sagt er. Immerhin habe der Rat einstimmig entschieden. „Alle stehen dahinter“, sagt er über die Haltung der Ratsmitglieder in dieser Frage. Jeder sei sich aber auch bewusst, dass es keine angenehme Entscheidung sei. „Wir haben uns das nicht einfach gemacht“, so Dänekas.

Weitere Sparmaßnahmen angekündigt

In der Krise müsse die Gemeinde genauso wie die Privathaushalte Einsparungen vornehmen. Dass die verkürzten Leucht-Zeiten der Laternen keine gewaltige Energieeinsparung bringen wird, räumt der Bürgermeister aber ein. „Ich glaube nicht, dass es riesige Mengen bringt, aber es hilft“, sagt Dänekas. Genaue Einspar-Zahlen könne er nicht nennen. Genauso wenig gibt Dänekas eine Prognose ab, wie lange es bei der Abschaltung um 20 Uhr bleiben soll. Nur so viel: „Es soll nicht dauerhaft sein.“ Entscheidend seien die weitere Entwicklung des Krieges in der Ukraine und die daraus resultierenden Folgen für die Energieversorgung in Deutschland.

Außerdem kündigt der Bürgermeister bereits weitere Energiesparmaßnahmen an. Alle gemeindeeigenen Gebäude sollten zeitnah in den Blick genommen werden. „Das Ziel ist es, alle von ihnen auf einen energiesparenden Weg zu führen“, sagt der Bürgermeister. Beispiele seien etwa die Installation von Photovoltaikanlagen.

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