Public Viewing in Leer  Fußball-WM in Katar stürzt Grünen-Ratsherrn in Zwiespalt

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 07.11.2022 18:37 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Auch in leer gehörte Public Viewing zu den Fußball-Weltmeisterschaften dazu. Dieses Mal gibt es darum aber eine hitzige Debatte. Foto: Wolters / Archiv
Auch in leer gehörte Public Viewing zu den Fußball-Weltmeisterschaften dazu. Dieses Mal gibt es darum aber eine hitzige Debatte. Foto: Wolters / Archiv
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Die Leeraner Grünen rufen zum Boykott des Public Viewing in der Stadt auf. Die einzige Veranstaltung findet im Millennium statt. Das gehört einem Grünen-Ratsherrn.

Leer - Es sind eigentlich nur wenige Zeilen, aber diese bergen Sprengstoff. Die Leeraner Grünen rufen zum Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar auf. In der Stadt gibt es bisher auch nur einen Ort, in dem ein Public Viewing geplant ist. Doch dieser gehört ausgerechnet einem grünen Ratsherrn.

Was und warum

Darum geht es: Die Grünen wollen, dass das Public Viewing in Leer boykottiert wird. Dabei gibt es nur eine Veranstaltung und die findet in einem Eventcenter statt, das einem Mitglied der grünen Stadtratsfraktion gehört.

Vor allem interessant für: Alle, die sich für die WM und die Politik in Leer interessieren

Deshalb berichten wir: Die Grünen rufen zum Boykott eines Public Viewing der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar auf.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

„Angesichts der Menschenrechtsverletzungen und der schwierigen Arbeitsbedingungen für die Gastarbeiter in Katar fordert der Vorstand der Leeraner Grünen die Stadt Leer und auch die Gastronomen und Hallenbesitzer in Leer auf, bewusst auf Liveübertragungen des Sport- Events zu verzichten“, schreiben Mechthild Tammena und Hayo Hayunga in einer Mitteilung.

Public Viewing im Millennium-Eventcenter

Die Stadt selber ist dabei überhaupt nicht in Zugzwang: „Es liegt uns kein einziger Antrag vor, in Leer ein Public Viewing abzuhalten“, sagt Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos). Tatsächlich soll es in der Stadt aber eine größere Veranstaltung geben. „Im Millennium soll es ein Public Viewing geben. Das ist eine private Veranstaltung, auf die wir keinen Einfluss haben“, so Bürgermeister Horst.

Im Millennium-Eventcenter wird Ekko Gosch das Public Viewing organisieren. Über seine Idee sprach er vor Kurzem mit den Millennium-Inhabern Ferhat Özdemir und Aslan Sat und erhielt umgehend eine Zusage. Ferhat Özdemir ist zwar kein Mitglied der Grünen, sitzt allerdings für sie im Leeraner Stadtrat. Also für die Partei, die nun zum Boykott einer Veranstaltung in seinem Eventcenter aufruft.

Fußballbegeisterung

„Jeder kann das Eventcenter anmieten“, betont der Geschäftsmann. Er sehe darin auch kein Problem, da er ja nicht als Veranstalter, sondern lediglich als Vermieter auftrete. „Ich werde mir die Spiele, soweit ich es schaffe, angucken, da ich fußballbegeistert bin: Das heißt aber nicht, dass ich die Menschenrechtsverletzungen nicht verurteile“, sagt er. Er stehe deshalb voll hinter der Mitteilung der Grünen, nur eben mit der Ausnahme, dass er die Fußballspiele sehen möchte.

Zudem sei die Übertragung auch nicht verboten. „Für einen Boykott wären die Regierung, der DFB und auch die übertragenden Sender in der Pflicht“, sagt Özdemir. Da die Spiele aber live übertragen werden, würden diejenigen, die nicht zum Public Viewing gehen, sich die Spiele zu Hause angucken. Dabei sieht er auch eine Parallele zur Weltmeisterschaft 2018 in Russland.

Vergleich mit WM 2018

„Die WM wurde auch übertragen, obwohl Russland zu dem Zeitpunkt bereits die Krim besetzt hatte“, sagt er. Tatsächlich gab es auch im Jahr 2018 Boykottaufrufe. Auf Bundesebene setzten sich vor allem die Grünen dafür ein. Gleichzeitig gab es auch Public Viewing und rauschende Partys zu den Spielen der deutschen Nationalmannschaft. „Ein Verbot der Übertragung müsste vom DFB und den Sendern kommen, aber das gibt es nicht“, sagt Özdemir.

Im Leeraner Millennium wird es in diesem Monat noch das erste Public Viewing zur WM in Katar geben. Foto: Archiv
Im Leeraner Millennium wird es in diesem Monat noch das erste Public Viewing zur WM in Katar geben. Foto: Archiv

Zugleich betont der Unternehmer, nicht Veranstalter des Leeraner Public Viewings zu sein. Man trete als Vermieter einer angemeldeten Veranstaltung auf. Mit ihrem Boykott-Aufruf griffen die Grünen einen offenen Brief von Borussia Leer auf. Der Verein habe sich der Initiative Boycott Qatar 2022 angeschlossen. „Wir lehnen diese WM ab. Diese Weltmeisterschaft raubt dem Fußball endgültig die Seele. Die politischen und sozialen Verhältnisse in Katar widersprechen eklatant den Grundsätzen der Menschenrechte“, schreibt der Verein. Von der Stadt fordere man, keine Genehmigung für ein Public Viewing zu geben.

Das Leinwand-Spektakel sollte den Fans ursprünglich in einem Zelt auf der „Großen Bleiche“ geboten werden, wie der Veranstalter vor Kurzem mitteilte. Doch die Zeltkosten seien in die Höhe geschnellt. „Von 20.000 auf 40.000 Euro“, sagte Ekko Gosch, der Organisator des Public Viewing vor Kurzem. Das war ihm doch ein zu großes finanzielles Risiko. Deshalb hat der Chef-Organisator das Eventzentrum Millennium in der Nähe des Emsparks als Stätte der Fußballfeste auserkoren. „Da passen 1200 Leute rein. Das reicht.“

Mehrere Abende geplant

Nun sollen dort bei allen Deutschland-Spielen WM-Partys steigen. Am 23. November trifft Deutschland im ersten Duell um 14 Uhr auf Japan. Gosch weiß aber auch, dass er mit seinen Plänen nicht überall auf Gegenliebe stoßen wird und etliche Menschen einen Boykott der WM fordern. „Die Menschrechtslage in Katar finde ich auch nicht toll“, sagt Gosch. „Aber der DFB hat entschieden, dort anzutreten und die Politik keine Einwände erhoben.“ Nun möchte er bei den Leuten vor Ort für ein bisschen WM-Atmosphäre sorgen. „In diesen finsteren Zeiten müssen mal wieder schöne Sachen stattfinden.“

Das sehen die Grünen in Leer anders. Schon einige französische und deutsche Städte haben Public Viewings abgesagt, um ein Zeichen zu setzen. „Eine Weltmeisterschaft ohne Fernsehpublikum wäre ein deutliches Signal an die internationalen Sportverbände“, schreiben die Grünen abschließend.

schlossen. „Wir lehnen diese WM ab. Diese Weltmeisterschaft raubt dem Fußball endgültig die Seele. Die politischen und sozialen Verhältnisse in Katar widersprechen eklatant den Grundsätzen der Menschenrechte“, schreibt der Verein. Von der Stadt fordere man von der Stadt, keine Genehmigung für ein Public Viewing zu geben.

Das Leinwand-Spektakel sollte den Fans ursprünglich in einem Zelt auf der „Großen Bleiche“ geboten werden, wie der Veranstalter vor Kurzem mitteilte. Doch die Zeltkosten seien in die Höhe geschnellt. „Von 20.000 auf 40.000 Euro“, sagte Ekko Gosch, der Organisator des Public Viewing vor Kurzem. Das war ihm doch ein zu großes finanzielles Risiko. Deshalb hat der Chef-Organisator das Eventzentrum Millennium in der Nähe des Emsparks als Stätte der Fußballfeste auserkoren. „Da passen 1200 Leute rein. Das reicht.“

Mehrere Veranstaltungen geplant

Nun sollen dort bei allen Deutschland-Spielen WM-Partys steigen. Am 23. November trifft Deutschland im ersten Duell um 14 Uhr auf Japan. Gosch weiß aber auch, dass er mit seinen Plänen nicht überall auf Gegenliebe stoßen wird und etliche Menschen einen Boykott der WM fordern. „Die Menschrechtslage in Katar finde ich auch nicht toll“, sagt Gosch. „Aber der DFB hat entschieden, dort anzutreten und die Politik keine Einwände erhoben.“ Nun möchte er auch bei den Leuten vor Ort für ein bisschen WM-Atmosphäre sorgen. „In diesen finsteren Zeiten müssen auch mal wieder schöne Sachen stattfinden.“

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