WWF bittet um Hinweise Weitere Seepferdchen im Wattenmeer entdeckt
Immer wieder werden in Niedersachsen seltene Seepferdchen-Arten angespült – auch auf Borkum. Nun berichtet die WWF von einem neuen, ungewöhnlichen Fundort und bittet um Unterstützung.
Borkum/Husum/Oldenburg - Wer am Borkumer Strand einen Spaziergang macht, sollte die Augen offen halten. Denn mit etwas Glück kann man dort einen außergewöhnlichen Fund machen. Seit 2020 werden nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF vermehrt seltene Seepferdchen an den Stränden im Wattenmeer entdeckt. „Letztlich wissen wir überhaupt nicht, was die Gründe dafür sind“, sagt Hans-Ulrich Rösner, Leiter des WWF-Wattenmeerbüros in Husum. „Ob es an anderer Stelle mehr Seepferdchen gibt, die durch Strömungen ins Wattenmeer getragen werden, oder ob es eine im Wattenmeer lebende lokale Population gibt.“
Zuerst sorgten Funde der kleinen Fischart an der Küste von Niedersachsen für viel Aufmerksamkeit. Bereits im Jahr 2020 waren auch zwei Exemplare vor Borkum ins Netz gegangen. Eines zog ein Junge mit einem Köcher aus dem Borkumer Hafenbecken, das andere entdeckten Fischer in ihren Netzen. Beide bekamen im Nordsee-Aquarium Borkum ein neues Zuhause, verstarben aber 2021. „Die hatten ein gutes, glückliches Leben“, sagte Göran Sell, Geschäftsführer der Nordseeheilbad Borkum GmbH.
Auswildern ist in Ordnung
Auch im Januar dieses Jahres entdeckten Urlauber aus Uplengen ein lebendiges Kurzschnäuziges Seepferdchen am Borkumer Strand. „Ich dachte erst, da liegt ein mit Sand bedeckter Wattwurm, doch es war ein Seepferdchen“, erzählte die Finderin Hilde Meeuw damals dieser Zeitung. Gemeinsam mit ihrem Mann Jann und einem weiteren Spaziergänger setzte Hilde Meeuw das Seepferdchen wieder in der Nordsee aus. „Wir wollten es eigentlich ins Aquarium bringen, aber das hatte schon zu“, so Meeuw. „Weil es schon eine Weile am Strand gelegen haben musste, haben wir das Seepferdchen dann sofort wieder ins Wasser gebracht.“ Gemeinsam gingen der Spaziergänger und Hilde Meeuw auf eine nahegelegene Buhne und legten das Tier ins Wasser.
„Alles richtig gemacht“, sagte Imke Zwoch, Pressesprecherin der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Es sei völlig in Ordnung, die Natur Natur sein zu lassen, und das Tier auszuwildern. Die Tiere müssten nicht zwingend in ein Aquarium. Auch der Fund eines toten Seepferdchens, wie im Frühjahr auf Juist und Wangerooge, sei kein Grund zur Beunruhigung: „Das wird den Weg in den natürlichen Kreislauf finden und von jemandem verwertet werden“, so Zwoch.
WWF bittet um Unterstützung
Anfang dieses Jahres hatten aufgrund der vermehrten Funde seltener Seepferdchen-Arten mehrere Institutionen in Niedersachsen – darunter etwa das Oldenburger Landesmuseum Natur und Mensch – um die Hilfe von Inselgästen sowie Besuchern des niedersächsischen Nationalparks Wattenmeer gebeten. Nun will der WWF gemeinsam mit den Projektpartnern den Aufruf um Schleswig-Holstein erweitern. Denn: „In Schleswig-Holstein ist Ende September auch ein Seepferdchen gefunden worden“, sagte Hans-Ulrich Rösner. Es sei im Wattenmeer-Gebiet zwischen Pellworm und Hooge entdeckt worden. Das sei sehr selten, betonte der 64-Jährige.
Auf der Online-Plattform beachexplorer.org können Spaziergänger ihre Funde am Strand eintragen sowie Fotos hochladen. Allein in der ersten Hälfte dieses Jahres seien bereits rund 30 lebende oder tote Seepferdchen entdeckt worden, berichtete Rösner. „Das sticht im Vergleich zu der Vergangenheit schon hervor.“ Bei fünf dieser Einträge ist Borkum als Fundort angegeben. Insgesamt seien auf der Plattform inzwischen, so Rösner, 60 Funde eingetragen – auch aus den Niederlanden oder Dänemark.
Wer, so rät der WWF, ein totes Seepferdchen an der Nordseeküste findet, sollte ein Foto machen und am besten eine Euro-Münze als Maßstab danebenlegen, damit sich die Größe des Tiers bestimmen lässt. „Wir erhoffen uns Unterstützung aus der Öffentlichkeit“, betonte Rösner. „Wir sind ziemlich gespannt, ob jetzt noch mehr Seepferdchen gesehen werden.“
Mit Material von dpa.