Kolumne „Digital total“ Sich selbst durch eine KI ersetzen
Im Home-Office entstehen manchmal offenbar verrückte Ideen. Unser Kolumnist hat ein spannendes Beispiel gefunden.
Home-Office ist schon was Schönes. Ich muss schon zugeben, als Selbstständiger, der jetzt seit fast vier Jahren nur noch von zu Hause arbeitet, genieße ich das dann doch sehr. Ich habe allerdings den Vorteil, dass ich mein eigener Chef bin und mich deswegen sehr gut selbst kontrollieren kann. So schön das Home-Office für Arbeitnehmer auch ist, ich frage mich schon manchmal, wie Chefs damit umgehen. Nicht, weil ich irgendwie viel Mitleid für Chefs habe, aber ich glaube schon, dass vielerorts die Produktivität doch arg leidet.
Was Arbeitnehmer im Home-Office treiben
Ein lustiges Beispiel für das, was Arbeitnehmer so im Home-Office treiben, habe ich neulich erfahren, als ich mich mit einem guten Freund traf, den ich länger nicht gesehen hatte. Er arbeitet in der Tech-Branche und ist seit Beginn der Pandemie komplett im Home-Office. Seine Aufgabe besteht darin, unheimlich komplizierte Dinge auf einem Supercomputer-Cluster ausrechnen zu lassen. Als mein Freund nicht mehr ins Büro gehen musste, kam er auf die Idee, seinen Job zu automatisieren. Er hat sich ein paar Skripte geschrieben und eine Reihe von Software-Programmen zusammengeschaltet. Marketing-Leute würden das wohl als „Künstliche Intelligenz“ (KI) bezeichnen.
Wie sich herausstellt, hat mein Freund es geschafft, sich fast komplett durch diesen selbst geschriebenen Bot zu ersetzen. Das Ding funktionierte wochenlang, ohne dass er irgendwas tun musste. Vereinzelt musste er mal ins Büro, Dinge mit seinem Vorgesetzten besprechen, aber mindestens 90 Prozent seiner Arbeit erledigt er jetzt automatisch mit dieser Software. Und das Beste dabei: Keiner weiß es. Das schafft einem natürlich gehörig mehr Freizeit im Leben. Ich habe auch schon von Leuten gehört, die ähnliche Sachen abgezogen haben und dann heimlich einen zweiten Job hatten, um mehr Geld zu verdienen. So etwas scheint vor allem in der Tech-Branche verbreitet zu sein, aber ich denke, das wird in Zukunft auch in anderen Bereichen auf uns zukommen.
Kontakt: kolumne@zgo.de
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