Torsten Körner in Barßel  Barßel ist für ihn Heimat – aber er bleibt in Berlin

Hans Passmann
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Von Hans Passmann
| 07.11.2022 09:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Im Dialog: Barßels Bürgermeister Nils Anhuth (links) und der Vorsitzende des Bürger- und Heimatvereins Barßel, Otto Elsen (rechts), unterhielten sich mit Autor und Filmemacher Torsten Körner über seine Kind- und Jugendzeit in Barßel und sein Künstlerleben. Fotos: Passmann
Im Dialog: Barßels Bürgermeister Nils Anhuth (links) und der Vorsitzende des Bürger- und Heimatvereins Barßel, Otto Elsen (rechts), unterhielten sich mit Autor und Filmemacher Torsten Körner über seine Kind- und Jugendzeit in Barßel und sein Künstlerleben. Fotos: Passmann
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Torsten Körner ist erfolgreicher Buchautor und preisgekrönter Dokumentarfilmer. Außerdem stammt der 57-Jährige aus Barßel. Jetzt war er in seiner alten Heimat zu Besuch und erzählte Verblüffendes.

Barßel - Torsten Körner gilt als einer der besten Dokumentarfilmer Deutschlands. Er drehte Filme über Gerhard Schröder und Angela Merkel. Für seinen Dokumentarfilm „Schwarze Adler“, der von Erlebnissen dunkelhäutiger Profi-Fußballer in Deutschland handelt, wurde er mit dem Deutschen Fernsehpreis 2021 und 2022 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet.

Der promovierte Biograf, freiberufliche Autor und Journalist, geboren in Oldenburg, wuchs in Barßel auf. Jetzt war er auf Einladung des Barßeler Heimatvereins zu Gast in seiner alten Heimat. Im Hotel Ummen gestaltete er einen „Abend mit Torsten Körner“. Dabei tauschte sich der 57-Jährige mit Otto Elsen vom Bürger- und Heimatverein sowie Barßels Bürgermeister Nils Anhuth aus. Vor rund 50 Zuhörern plauderte der Sohn des bereits verstorbenen Barßeler Realschullehrers Johannes Körner und dessen noch lebender Ehefrau Christa über seine Kindheit und Jugend in Barßel und über sein Leben als Autor.

Kein früher Erfolg als Dichter und Musiker

Es war ein amüsanter und interessanter Abend. Körner erwies sich als ein guter Zuhörer und angenehmer Erzähler. Auf die Frage von Otto Elsen, warum er seine ersten Jugendgedichte im elterlichen Garten in Barßel verbrannt habe, erklärte der Erfolgsautor: „Ich war da ein junger Autor, und es war kalt. Für mich waren die Geschichten schlecht geschrieben. Aber es war ein Anfang mit Blick in die Zukunft.“ Schon mit 14 Jahren sei ihm klar geworden, dass er Schriftsteller werden wolle.

Elsen bemerkte: „Du hast in einer Barßeler Heavy Metal-Band gespielt.“ Das sei korrekt, bestätigte Körner. Doch auch dieses kulturelle Abenteuer sei nicht erfolgreich gewesen. „Unser erster Auftritt war im Jugendtreff in Neuscharrel. Das war es dann auch schon“, resümierte er die Bandhistorie.

An der Schule gelitten und zweimal sitzengeblieben

Für ihn sei Barßel immer noch Heimat, wenngleich er den Begriff so auslege, dass Heimat überall dort sei, wo man sich wohlfühlte, und das sei für ihn auch in seinem jetzigen Lebensmittelpunkt Berlin der Fall. „In Barßel habe ich eine glückliche Zeit verbracht. Auch beim STV Barßel , wo ich in der Jugend gespielt habe, war für mich Heimat. Das bleibt ein Leben lang“, versicherte der Kulturschaffende, der nicht so gern auf seinen Doktortitel angesprochen werden möchte. Heimat sei sexy, sagte Körner. Junge Leute sollten Heimat wertschätzen.

Körners Spielerpass, als er in seiner Jugend für den STV Barßel kickte.
Körners Spielerpass, als er in seiner Jugend für den STV Barßel kickte.

Auf die Frage eines ehemaligen Gymnasiallehrers, wie er heute seine Schulzeit sehe, erwiderte Körner: „Das war eine schreckliche Zeit. Ich habe sehr unter der Schule gelitten.“ Zweimal blieb der Schriftsteller sitzen. Mit einigen Lehrern am Albertus-Magnus-Gymnasium in Friesoythe sah er sich „im Krieg“. Monatelang schwieg er im Unterricht, auch wenn die Lehrer ihn etwas fragten. „Heute würde ich sagen: Total nette Leute“, versicherte der Wahl-Berliner.

Begründung fürs Bücherschreiben

Am erfolgreichsten sei er im Schreiben gewesen. Regelmäßig veröffentlichte er in der Schülerzeitung Gedichte. Sie hießen „Herbstgedicht“. Oder auch: „Großes Lippenbekenntnis des großen Milchmanns oder das Statement der gelogenen Unschuld“. Torsten Körner weiß das nicht mehr so genau, weil er ja als Jugendlicher all seine Gedichte im elterlichen Garten verbrannt hat. „In einem sehr pathetischen Akt“, wie er sagt. „Ich hatte gelesen, das machen Schriftsteller so.“

Der 57-jährige erfolgreiche Dokumentarfilmer und Autor wuchs in Barßel auf. An dem Abend im Hotel Ummen zeigte er ein Kinderfoto von sich.
Der 57-jährige erfolgreiche Dokumentarfilmer und Autor wuchs in Barßel auf. An dem Abend im Hotel Ummen zeigte er ein Kinderfoto von sich.

Warum schreibt jemand Bücher? Die Biografien waren spannend auch „auf der Begegnungsebene“, sagt Körner. Franz Beckenbauer stand für den früheren Fußball-Star, Götz George für das Kind der 80er. „Schimanski war mein Held.“ Bei seiner Biografie über Willy Brandt habe er das biografische Schreiben auf die Spitze treiben wollen: noch literarischer, noch sprachbewusster sollte das Buch werden. „Ich habe alles ausgeschöpft.“

Wahl-Berliner erweist sich als Werder-Fan

Ein Zwischenruf aus dem Publikum unterbrach diese Erinnerungen: „Werder hat 2:1 gegen Schalke gewonnen!“ Da ging bei Werder-Fan Körner der Daumen hoch. Bei Bürgermeister Nils Anhuth zeigte er nach unten. Der ist bekennender Fan des Ruhrpottclubs.

„Ob er sich vorstellen könne, jemals wieder nach Barßel zu ziehen?“, fragte eine Zuhörerin: Ein zögerndes „jein“ kam über Körners Lippen. „Ich denke eher nicht. Dort, wo ich jetzt in einem Berliner Stadtteil wohne, ist auch Heimat für mich. Da ist es fast wie auf dem platten Land. Man kennt sich.“

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