Gas- und Strompreise EWE-Kunden müssen über 2600 Euro mehr bezahlen
Wer bei der EWE unter Vertrag ist, muss für Strom und Gas ab Januar erneut mehr berappen. Für manche Kunden kommt es besonders dicke.
Oldenburg/Ostfriesland - Der Oldenburger Energiedienstleister EWE erhöht zum 1. Januar erneut die Preise für Gas und Strom. Das trifft in der Region rund 330.000 Strom- und 180.000 Gaskunden, wie EWE am Freitag mitgeteilt hat. Im Jahresvergleich wird Strom nun um 75 Prozent und Gas um 110 Prozent teurer. Das hat drastische Auswirkungen auf die Geldbörse der Verbraucher, wie Beispielrechnungen zeigen.
Von der erneuten Preiserhöhung sind allerdings nicht alle EWE-Kunden gleichermaßen betroffen, sondern zunächst einmal nur jene, die sich in der sogenannten Grundversorgung befinden. Auf Nachfrage unserer Redaktion teilte EWE mit, dass es sich um die Tarife „Strom Comfort“ und „Erdgas Comfort“ handelt. Wer in solch einem Tarif steckt, muss für Strom ab 1. Januar 2023 im Vergleich zum Vorjahr jährlich 683,74 Euro mehr bezahlen – bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 2800 Kilowattstunden pro Jahr.
Mehr als doppelt so viel für Gas
Noch höher fällt die Preissteigerung beim Gas aus. Wer im Jahr 20.000 Kilowattstunden verbraucht, also einem durchschnittlichen Haushalt von zwei bis drei Personen angehört, zahlt pro Jahr ab Januar 2023 im Vergleich zum Vorjahr genau 1926,06 Euro mehr, wie EWE berechnet hat. Mit dem zusätzlichen Kosten für Strom macht das dann ein Plus bei den Energiepreisen in Höhe von mehr als 2600 Euro im Jahr aus – also etwa 220 Euro im Monat.
Die Oldenburger begründen die Preiserhöhungen mit gestiegenen Kundenzahlen und weiter wachsenden Einkaufspreisen. „Immer mehr Kunden aus dem EWE-Heimatmarkt, die zu Wettbewerbern gewechselt waren, wechselten wieder in die EWE-Grundversorgung“, sagte Oliver Bolay, Vertriebschef bei EWE. „Für diesen schwer zu kalkulierenden Kundenzuwachs muss EWE zu den aktuellen Preisen Energie am Markt nachkaufen.“ Anders ausgedrückt: Mitschuld sind Verbraucher, die sich jahrelang günstige Anbieter ausgesucht haben und in der jetzigen Situation zu EWE zurückkehren müssen.
Keine Entspannung in Sicht
Über all dem schweben aber auch die kriegsbedingt höheren Beschaffungskosten für Energie. „EWE kauft Erdgasmengen rollierend ein, also zu unterschiedlichen Zeitpunkten und damit zu unterschiedliche Preisen“, erläuterte ein Konzernsprecher unserer Redaktion. Aufgrund der milden Temperaturen im Oktober sei der Preis im Oktober zwar kurzfristig gefallen. Für die restlichen Wintermonate aber orientiere sich der EWE-Gaspreis weiterhin am Einkaufspreis für Erdgas aus den vergangenen Monaten. Der EWE-Sprecher: „Es ist derzeit nicht davon auszugehen, dass der Gaspreis sich im Jahr 2023 spürbar entspannen wird.“
Mit ungewohnter Deutlichkeit hat unterdessen EWE-Chef Stefan Dohler die Bundesregierung kritisiert. „Die Entlastung der Kunden ist ohne Frage dringend nötig und wird von EWE seit Monaten gefordert“, sagte Dohler. Die Versorger müssten das aber auch umsetzen können. In wenigen Wochen, noch ohne vorliegende gesetzliche Grundlage, für alle Gas-, Fernwärme- und Stromkunden komplexe Anpassungen in den Abrechnungsprozessen umzusetzen, diese in den Systemen zu programmieren, zu testen und dann für Strom mit Wirkung zum 1. Januar 2023 anzuwenden, werde vielfach faktisch unmöglich sein.
Dohler: „Das ist eine Zumutung der Politik, die über ein Aussetzen der Abschläge für Strom im Januar, wie im Dezember beim Erdgas, eine einfache Alternative hätte, die auch dem Realitätscheck standhält und den Wintereffekt bis März kompensiert.“ Der Staat könne auch ein weiteres Mal ein Energiegeld auszahlen. Ab März wirke dann die reguläre Preisbremse. „Es stellt sich schon die Frage, wozu es eine Expertenkommission gab, wenn sich Politik nun rigoros über deren Empfehlungen hinwegsetzt“, sagte der EWE-Chef. Seite 7