Geschichte Leers Der historische Ratskeller – Seit Jahren leer aber voller Hoffnung
Die letzte durchgehende Nutzung des Ratskellers endete 2009. Seitdem möchte die Stadt den Raum gern sanieren. Dafür fehlt aber das Geld. Doch, die Hoffnung bleibt.
Leer - Es war eine recht seltene Gelegenheit. Während des Gallimarkts war eine Tür geöffnet, die ansonsten meist verschlossen ist: die zum historischen Ratskeller.
Was und warum
Darum geht es: Um den Ratskeller wieder richtig nutzen zu können, muss er saniert werden. Doch dafür fehlt das Geld.
Vor allem interessant für: Alle, die den Ratskeller mit schönen Erinnerungen verbinden
Deshalb berichten wir: Während des Gallimarkts war der Ratskeller geöffnet. Wir wollten wissen, ob es Neues zum Zustand gibt. Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
„Zum Gallimarkt hatten wir ihn vermietet. Es war ein voller Erfolg“, zeigt sich Bürgermeister Claus-Peter Horst erfreut. Die Stadt würde den historischen Ratskeller gern sanieren. „Dafür fehlen uns aber die Mittel“, so der Bürgermeister, der von den verborgenen Schätzen weiß. „Unter der weißgetünchten Farbe sind Wandmalereien verborgen“, so das Verwaltungsoberhaupt. Diese wurden 2012 bei Sanierungsarbeiten entdeckt.
Langer Leerstand
Zu diesem Zeitpunkt stand der Ratskeller bereits drei Jahre lang leer. „Der Ratskeller wird dauerhaft als Gastronomie seit Sommer 2009 nicht mehr genutzt, jedoch ist er zu Gallimarktszeiten zum Feiern geöffnet und immer wieder für Ausstellung genutzt“, erklärt Stadtsprecher Edgar Behrendt.
Nachdem der damalige Betreiber die Einrichtung rund 15 Jahre lang geführt hatte und dann gegangen war, fand die Stadt keinen Nachfolger mehr. Deshalb wird der Keller nur noch sporadisch genutzt. Zuletzt hat der Leeraner Künstler Manfred Baasner dort beispielsweise seine Werke ausgestellt.
Die Geschichte des Ratskellers
Zu den Postkartenansichten des 1894 offiziell eröffneten Rathauses gehörte neben dem Kaiser- und dem Sitzungssaal der Ratskeller. Die untere Hälfte der Wände war holzvertäfelt, Decke und Rundbögen waren mit Malereien wie Ranken und Trinksprüchen verziert. Der erste Pächter des Ratskellers war J. Janssen. Viel weiß man nicht über ihn. In den Bauakten der Stadt ist nur der Vertrag mit ihm abgeheftet. Glück mit dem Ratskeller hatte er offenbar nicht. Schon nach zwei Jahren kündigte Janssen den Kontrakt mit der Stadt. Sein Nachfolger wurde Fritz Bartels. Aber auch er hielt es in dem Kellergewölbe nicht lange aus. Der Besitzer des Hotels Oranien in der Brunnenstraße, B. Dalbender, übernahm um 1900 den Betrieb. 1925 war die gastronomische Ära des Kellers erst einmal beendet. Ein Vorläufer des Arbeitsamtes und das Wohnungsamt zogen ein. In den 50er Jahren blühte der Ratskeller wieder auf. Danach diente er als Lager für Akten. 1984 erlebte der Ratskeller seine letzte Renaissance, mit allerdings häufig wechselnden Inhabern.
Hohe Kosten
Eine große Frage ist die nach den Kosten einer Sanierung. „Die Kosten sind derzeit nicht abzuschätzen und abhängig von einer Nutzung. Investition von geschätzt etwa 350.000 Euro je nach Nutzungskonzept sind wahrscheinlich erforderlich“, so der Stadtsprecher.
Im vergangenen Jahr wurden diese Kosten auch politisch diskutiert. Dabei kam auch die Idee auf, einen Investor zu suchen, der sich finanziell an der Sanierung beteiligen müsste. Erst dann könne man überlegen, ob sich auch die Stadt beteilige. Den Ratskeller jetzt schon zu sanieren, ohne zu wissen, was überhaupt geplant sei, sei falsch. So weit ist man aber noch nicht. „Es gibt keinen Investor oder potentiellen Betreiber“, so Behrendt. Sollte sich jemand finden, müsste dieser der Stadt ein passendes Konzept vorstellen. Doch, wie ist es eigentlich um den Zustand bestellt?
Viel Arbeit
„Grundsätzlich sind baulichen Maßnahmen zur Substanzerhaltung vorzunehmen. Wünschenswert wäre eine dauerhafte Verpachtung des Ratskellers“, erklärt der Stadtsprecher. 2016 sei bereits ein Konzept zur Sanierung des Ratskellers durch das AB Angelis und Partner aus Oldenburg erstellt worden. „Dieses umfasste insbesondere Restauratorarbeiten sowie die üblichen Gewerke wie Maler-, Tischler-, Maurerarbeiten sowie umfangreiche Elektroinstallationsarbeiten und Heizungs- und Sanitärarbeiten“, sagt er.
Unter den vorhandenen Malschichten der Kellergewölbe befinden sich zudem Wandfassungen. „Um diese zu konservieren, ist die Entfernung dieser Malschichten erforderlich.“ Um dies realisieren zu können, hat die Verwaltung eine große Hoffnung: „Vielleicht finden sich hier Sponsoren oder Spender.“ Auch die Herstellung der Barrierefreiheit war Teil der Ausarbeitung. Das Konzept zielte allerdings auf eine Gastronomienutzung hin. Sollte sich jemand finden, der im Ratskeller etwas anderes realisieren möchte, beispielsweise eine Galerie, müssten auch andere Erfordernisse umgesetzt werden.
Teils desolater Zustand
Generell ist der Ratskeller nicht im besten Zustand. „Aufgrund vorhandener hoher Luftfeuchtigkeit im Ratskeller sind, insbesondere im Bereich des seitlichen Bogens, unterhalb der Treppe, Salpeterausblühungen vorzufinden und damit verbundene Ablösungen des Putzes“, erklärt Behrendt.
Positiv ist, dass die Sanitäreinrichtungen vorhanden und funktionstüchtig seien. Allerdings würden sie sich in „desolatem Zustand“ befinden. Zudem sind keine Boden- und Wandbeläge vorhanden. Auch Heizkörper oder Lüftungsanlage gibt es nicht. Dies müsste, je nach Gebrauch, nachgerüstet werden.
Trotz dieses Zustands will die Stadt an dem Ratskeller festhalten. Das liegt auch am hohen emotionalen Wert. „Das gesamte Historische Rathaus hat einen hohen Stellenwert für die Stadt Leer. Aus diesem Grunde wurden in verschiedenen Bauabschnitten die Fassaden Rathauses sorgsam, denkmalgerecht und substanzerhaltend saniert“, betont der Stadtsprecher. Dieses Jahr wurde beispielsweise die Brüstung der Rathaustreppe fertiggestellt. Pünktlich zum Gallimarkt konnten auch die Lampen wieder an ihrem ursprünglichen Standort montiert werden. Auch im Innenbereich sollen Arbeiten erfolgen. Der Ratskeller wird dabei immer mitbetrachtet, doch vorerst wird er leer bleiben.