Jena  Keine Lust auf Elon Musk? So funktioniert die Twitter-Alternative Mastodon

Viktoria Meinholz
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Von Viktoria Meinholz
| 04.11.2022 10:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Elon Musk ist nicht unbedingt ein Symphatieträger. Nach seiner Übernahme von Twitter liebäugeln viele Nutzer mit einem neuen Kurznachrichtendienst. Doch was steckt hinter Mastodon?

In diesem Artikel erfährst Du:

Elon Musk hat den Chefsessel bei Twitter übernommen – und sich mit ein paar Kündigungen in der Chefetage anscheinend auf einen umfassenden Stellenabbau eingestimmt. Auch wenn das nicht überraschend kommt, ist die Unruhe bei Twitter groß.

Viele hatten zuvor gedroht, den Kurznachrichtendienst zu verlassen, sollte Musk tatsächlich Twitter übernehmen. Ihre Befürchtung: Hetze und Lügen werden bei Twitter noch weiter zunehmen. Musk hatte wiederholt betont, dass er gegen jegliche „Zensur“ sei und Twitter zu einem Ort der Redefreiheit machen wolle.

Ob tatsächlich ein merkbarer Nutzerschwund stattfinden wird, muss man abwarten. Doch eine mögliche Alternative zu Twitter wird bereits jetzt häufig genannt: Mastodon. Auch ein Kurznachrichtendienst, aber doch ganz anders als Twitter.

Das von Eugen Rochko aus Jena entwickelte Netzwerk ist werbefrei, offen und funktioniert dezentral. Das heißt, die Daten finden sich nicht auf einem Server, sondern auf vielen verteilt. Diese können von Privatpersonen oder einer Gruppe von Menschen betrieben werden. Rochko entwickelte Mastodon 2016 eigenen Angaben zufolge als Alternative zu den großen sozialen Netzwerken, als erstmals Gerüchte über eine Übernahme Twitters die Runde machten.

Die Nachrichten, die man bei Mastodon schreibt, können 500 Zeichen lange sein und heißen „Toots“, was mit „Tröts“ übersetzt werden kann. Es wird also nicht gezwitschert, sondern getrötet. Die Funktionen sind denen von Twitter sehr ähnlich: Man kann Beiträge teilen, favorisieren, Umfragen oder Listen erstellen, es gibt Hashtags und private Nachrichten. Zusätzlich entscheidet man bei jeder einzelnen Nachricht, ob man sie privat oder öffentlich teilen möchte.

Was bei Mastodon aber komplizierter ist als bei anderen Netzerken, ist die Anmeldung. Da muss man sich für einen Server entscheiden – wenn man nicht gleich einen eigenen betreibt, wie es Jan Böhmermann tut.

Auf dieser Seite findest Du eine Übersicht aller Instanzen, wie die einzelnen Server genannt werden. Welche Du wählst, sollte von Deinen Interessen abhängen. Tatsächlich unterscheiden sich die Darstellung und auch die Regeln und Funktionen abhängig davon, welchem Server Du Dich anschließt. Aber keine Bange: Du kannst diese Entscheidung auch ändern und später umziehen. Außerdem bietet Mastodon eine Art Entscheidungshilfe an, klick Dich einfach mal durch.

Wenn Du Dich einmal entschieden hast, läuft es ab wie gewohnt: Profil anlegen, Mailadresse bestätigen und los geht‘s. Anders als bei anderen Netzwerken ist dann Deine Seite allerdings erst einmal weiß. Niemand will auf Dein Adressbuch zugreifen, Kontakte musst Du selbst suchen. Bei Twitter verkünden viele gerade ihren neuen Mastodon-Namen, Du kannst aber auch nach Hashtags oder über Deine Instanz suchen. Außerdem gibt es drei verschiedene Timelines: von allen Nuztern, denen Du folgst, von allen aus Deiner Instanz und alle Tröts die weltweit gerade veröffentlicht wurden.

Neben Jan Böhmermann hat auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit eine eigene Instanz, die von mehreren deutschen Behörden genutzt wird. Mit „EU Voice“ gibt es auch ein Pilotprojekt des europäischen Datenschutzbeauftragten, wo unter anderem die Europäische Kommission und der Europäische Gerichtshof vertreten sind. Anders als bei Twitter oder Instagram gibt es keine blauen Haken, die die Echtheit eines Profils bestätigen.

Auf Mastodon wurden inzwischen 5,7 Millionen Konten angelegt. Zum Vergleich: Twitter kam nach jüngsten Zahlen Ende 2021 auf 217 Millionen täglich aktive Nutzer. Doch das Netzwerk wächst seit dem Bekanntwerden von Musks Plänen deutlich. Um die 3800 Instanzen wurden bereits eingerichtet.

Doch wahrscheinlich werden es viele erst einmal genauso wie Jan Böhmermann machen: Der hat sein Twitter-Konto bisher auch noch.

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