Hamburg  „Letzte Generation“ kritisiert Medien - und will weiter protestieren

Lucie Wittenberg
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Von Lucie Wittenberg
| 04.11.2022 10:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Klimaaktivisten blockieren eine Berliner Autobahnabfahrt (Symbolbild). Foto: imago images/Martin Dziadek
Klimaaktivisten blockieren eine Berliner Autobahnabfahrt (Symbolbild). Foto: imago images/Martin Dziadek
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Wegen eines tödlichen Unfalls in Berlin sind die Aktivisten der „Letzten Generation“ großen Vorwürfen ausgesetzt. In einer Erklärung beziehen sie Stellung und kündigen weitere Protestaktionen an.

„Wir wussten, dass uns einiges entgegenschlagen wird. Wir wussten, dass wir uns viele Feinde machen würden“, schreiben die Aktivisten der „Letzten Generation“ in einem Statement, das sie auf ihrer Homepage veröffentlicht haben. Die „Welle der Vorwürfe, Unwahrheiten und Hetze“, die wegen des Unfalls in Berlin aktuell über sie hineinbrechen würde, sei anders als zuvor. Das liege vor allem an der medialen Berichterstattung. Sie seien bestürzt und in Trauer über den Tod der Radfahrerin, „doch ist es an der Zeit, eine Grenze zu ziehen.“

In dem Text der Klimaaktivsten heißt es, dass durch private Medien zu Gewalt gegen die Gruppierung aufgerufen worden sei. Auch habe es Beleidigungen durch Journalisten am Telefon gegeben. Wie Medien und Gesellschaft auf die Aktivisten reagieren und welche Nachrichten über sie veröffentlicht werden, könnten sie nicht beeinflussen.

In einem offenen Brief forderte die „Letzte Generation“ am Freitag eine Richtigstellung des Vorfalls. Mittlerweile habe die Berliner Feuerwehr mittlerweile festgestellt, dass die Verzögerung der Rettung wegen des durch die Aktivisten verursachten Staus den Gesundheitszustands der verunfallten Frau nicht verschlechtert habe. „Der Klimaprotest hatte keinerlei Einfluss auf die Versorgung des Unfallopfers“, schreiben die Aktivisten im Offenen Brief.

Die „Letzte Generation“ will trotz der Vorwürfe ihre Proteste fortführen. Es bringe sie nicht davon ab, „das einzig moralisch Richtige zu tun: In einer alles entscheidenden Krise nicht zu verharren, sondern loszugehen.“ Sie kündigten an, nicht nur in Berlin, sondern auch in München und Freiburg Straßen zu blockieren.

In einem Interview mit der Berliner Zeitung sprach Henning Jeschke, Mitglied der „Letzten Generation“ und Teil des Hungerstreiks, darüber, wie die Protestgruppe bei ihren Aktionen vorgeht. Durch das Besetzten von Schilderbrücken und das vorherige Informieren der Polizei, sei es möglich, „so besonnen wie möglich und gleichzeitig so disruptiv wie nötig“ vorzugehen. In der Mitte jeder Straßenblockade seien die Aktivisten nicht festgeklebt, um im Notfall aufspringen zu können. Die Proteste benötigten einen „verdammt guten Grund“, den Jeschke in der Klimakrise gegeben sieht.

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat indes die Kritik der Gruppe zurückgewiesen. „Ich sehe keine Hetze in der Berichterstattung“, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner. „Die Letzte Generation muss sich gefallen lassen, dass über den Unfall in den Medien berichtet wird.“

Am vergangenen Montag kam es parallel zu einer Straßenblockade auf der Berliner Stadtautobahn zu einem Unfall. Eine Radfahrerin wurde von einem Betonmischfahrzeug eingeklemmt und einige Tage später für tot erklärt. Die Klimaaktivisten werden kritisiert, weil ihre Blockade einen Stau verursacht habe, der für eine Verspätung eines Spezialfahrzeuges der Feuerwehr gesorgt haben soll. Der kausale Zusammenhang ist aktuell nicht bewiesen und soll von Sachverständigen geprüft werden.

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