Klima und Ressourcen schonen  Lebensmittel retten – das machen Supermärkte

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 01.11.2022 19:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hannelore Maas, Edeka-Mitarbeiterin in Jemgum zeigt eine der Tüten, mit Obst und Gemüse, das Kundinnen und Kunden retten können. Foto: Vogt
Hannelore Maas, Edeka-Mitarbeiterin in Jemgum zeigt eine der Tüten, mit Obst und Gemüse, das Kundinnen und Kunden retten können. Foto: Vogt
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Bis 2030 soll die Lebensmittelverschwendung halbiert werden, auch um das Klima zu schonen. Was tut man bei Supermärkten gegen das sinnlose Wegwerfen?

Rheiderland - Was nicht schön aussieht, kommt in den Müll: Leider läuft es bei Lebensmitteln noch viel zu oft so. Laut Landwirtschaftsministerium werden rund elf Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle jedes Jahr bundesweit entsorgt. Auch noch essbare Lebensmittel werden in die Tonnen geworfen.

Was und warum

Darum geht es: Ziel ist es, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung pro Kopf zu halbieren – auf Verbraucher-, aber auch auf Einzelhandelsebene. Es gibt schon einige Stationen zwischen Feld und Zuhause, an denen das Thema angegangen wird. Das ist auch Klimaschutz.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich dafür interessieren, wie man verantwortungsvoller mit Ressourcen umgehen kann.

Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, was vor Ort getan wird.

Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de

„Hinzu kommen weitere Verluste entlang der Lebensmittelversorgungskette“, heißt es vom Ministerium. Ziel ist es, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung pro Kopf zu halbieren – da müssen die Verbraucher ran, aber auch Erzeuger und Einzelhandel. Wer Lebensmittel rettet, schont Ressourcen und das Klima. Unabhängig von irgendwelchen Fristen, wollten wir wissen, was nun schon passiert und zwar vor Ort. Viele kaufen ihre Lebensmittel bei Supermärkten. Wir haben uns umgehört, was die Unternehmen schon jetzt tun, um Lebensmittel vor dem Müll zu retten. Hier kommen einige Beispiele:

Edeka

Ein Schild macht auf die Möglichkeit, die App zu nutzen, aufmerksam. Foto: Vogt
Ein Schild macht auf die Möglichkeit, die App zu nutzen, aufmerksam. Foto: Vogt
In Edeka-Märkten gibt es verschiedene Aktionen, erklärt eine Unternehmenssprecherin. Unter anderem „Lebensmittel-Rettertüten“ würden tagesaktuell gefüllt mit Obst und Gemüse, das optisch nicht perfekt aussieht und reduziert angeboten wird. Es gibt auch das „Zu schade für die Tonne“-Regal an, in dem kostenlose Produkte liegen.

Aber: Die Edeka-Gruppe ist genossenschaftlich organisiert und die rund 600 Kaufleute und deren Märkten seien selbstständig und man „entscheidet damit selbst über zum Beispiel Sortimente, Personal und eben auch über Maßnahmen zur Lebensmittelverschwendung.“ Und so kommt es, dass es bei Edeka Blank in Jemgum, Ditzum und Leer ein anderes System gibt: „Wir arbeiten seit letztem Jahr mit ‚Too Good To Go’. Das ist eine App“, erklärt Marktleiter Gunnar Blank. Über diese könnten die Kunden Lebensmittel, die zu retten sind, in Tüten packen lassen und in den Läden abholen.

Auch Bäckereien, Cafés oder Hotels können mitmachen und über die App Lebensmittel anbieten, die nicht verkauft worden sind. In der Region machten bis jetzt wenige Supermärkte mit, sagt Blank. „Die haben sicher andere Varianten. Ich habe auch gedacht, es dauert, bis sowas auf dem Land ankommt, aber seit Woche eins, läuft es toll. Wir sehr zufrieden“, sagt er. In Jemgum habe man gestartet und dann auch in Ditzum und Leer nachgezogen. „In den Tüten landet bei uns Obst und Gemüse mit dem Wert von zwölf bis 15 Euro, sie kosten dann vier.“ Die Abwicklung laufe komplett über die App.

Bünting

Die Bünting-Gruppe, zu denen die Combi- und Famila-Märkte in der Region gehören, gibt andere Ansätze: „Natürlich versuchen wir, den Einkauf so zu disponieren, dass nahezu alle Waren verkauft werden, um schließlich die Vernichtung zu minimieren“, sagt Sprecher Johannes Booken. Dennoch kaufe der Kunde immer unterschiedlich ein – Aber: „Unsere Märkte, ebenso wie unsere Warenverteilzentren, arbeiten schon seit Langem mit den örtlichen Tafeln zusammen, die täglich aussortierte, aber noch verzehrfähige Lebensmittel abholen und verteilen.“

Multi

Florim Ismani, Abteilungsleiter Obst und Gemüse im Multi Süd, zeigt Obst und Gemüse, das von der Lebenshilfe verarbeitet werden könnte. Foto. Archiv
Florim Ismani, Abteilungsleiter Obst und Gemüse im Multi Süd, zeigt Obst und Gemüse, das von der Lebenshilfe verarbeitet werden könnte. Foto. Archiv
Multi und die Lebenshilfe Leer arbeiten in Sachen Lebensmittelrettung zusammen. „Gutes x 3“ heißt ein Projekt. Obst und Gemüse, das bei der Qualitätskontrolle in den Märkten wegen kleinerer Blessuren durchfällt, wird „direkt und frisch nach wechselnden, selbst entwickelten Rezepturen in der Lebenshilfe-Großküche eingekocht, abgefüllt und etikettiert“, erklärt der frühere Küchenchef und ehrenamtliche Berater bei der Lebenshilfe, Arnold Burlager. So reduziere man die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln. „Pro Jahr entstehen hier gut 5000 Gläser an Konfitüren, Chutneys und Saucen“, sagt er.

Aldi

„Alle nicht mehr verkaufs-, aber noch verzehrfähigen Lebensmittel werden in der Regel gespendet“, sagt ein Aldi-Nord-Unternehmenssprecher. Hierfür kooperierten nahezu alle Filialen man mit regionalen gemeinnützigen Organisationen und Tafeln. Nahezu alle unserer Filialen spenden Lebensmittel an soziale Einrichtungen.

Auch über die Bestellungen wolle man für möglichst wenig Lebensmittelabfälle sorgen: Filialverantwortlichen nutzten dafür ein intelligentes Bestellvorschlagssystem, das automatisch die Ware erfasst und entsprechend bestellt. „Zeichnet sich trotz sorgfältiger Planung ab, dass Produkte nicht verkauft werden, bietet Aldi die Ware zu einem reduzierten Preis an.“ Zudem habe man flächendeckend loses Obst und Gemüse als Wiegeware im Angebot, so dass Kunden genau die Mengen kaufen können, die sie auch benötigten, so der Sprecher. Es würden auch Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum zeitnah ablaufen, reduziert. Außerdem biete man Brot vom Vortag zu einem pauschalen Verkaufspreis von 50 Cent an.

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