Artikel 1, GG  Ein Appell für mehr Rücksicht auf andere

Canan Topçu
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Ein Kommentar von Canan Topçu
| 01.11.2022 14:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Canan Topcu
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Mittwochs geht es hier um den Umgang mit unterschiedlichen Kulturen. Heute geht es darum, dass viele Menschen im Alltag keine Rücksicht nehmen. Ein Beispiel: Raucher.

Ich ärgere mich über Raucher! Nicht etwa, weil ich eine militante Nichtraucherin bin. Es gibt durchaus die eine oder andere Situation, in der ich auch mal eine Zigarette rauche und sie tatsächlich auch genieße. Meistens rauche auf einer Feier nach ein oder zwei Gläsern Wein, dann Wochen und Monate gar nicht. Anders als viele Ex-Raucher gehöre ich also nicht zu denen, die ein grundsätzliches Problem mit Rauchern haben. So lange ich nicht in einem schlecht belüfteten Raum viele Stunden mit ihnen verbringen muss, halte ich mich zurück mit Kommentaren und Hinweisen.

Nun wäre mir aber beinahe der Kragen geplatzt, als mir auf der Straße ein Raucher entgegenkam. Weil mir tags zuvor klar geworden war, dass viele Raucher rücksichtslos sind. Als ich das Laub auf dem Fußweg vor unserem Grundstück fegte, fielen mir nämlich die vielen Kippen dazwischen auf. Dann, vor dem Eingang zur Hochschule, an der ich lehre, sah ich, dass der Fußweg übersät ist mit Kippen. Was denken sich die Leute eigentlich dabei, ihre Zigarettenstummel auf den Fußweg zu schmeißen? Die lösen sich ja nicht in Luft auf.

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Warum ich hier über Kippen schreibe, die im öffentlichen Raum entsorgt werden? Ich könnte genauso über Menschen schreiben, die in Bussen, in der Bahn, in Lokalen etc. laut sind. Es umreißt nämlich das gleiche Thema: Rücksichtslosigkeit. Die einen sind es, weil sie gar nicht wahrnehmen, dass sie so sind. Weist man sie darauf hin, zucken sie zusammen und entschuldigen sich. Andere hingegen sind rücksichtslos, weil es ihnen egal ist, ob sie die Grenzen der anderen überschreiten oder mit ihrem Verhalten anderen schaden. Spricht man sie darauf an, wird man sofort angepöbelt.

Aus Angst vor eben solch einer Reaktion habe ich den Mund gehalten, als der mir entgegenkommende Mann seine Kippe auf die Straße warf. Nun tröste ich mich damit, dass es eh nicht zur Lösung des Problems beiträgt, einzelne Personen um Rücksicht zu bitten und sie aufzufordern, Zigarettenstummel sachgerecht zu entsorgen.

Kontakt: kolumne@zgo.de

Zur Person

Canan Topçu (57) ist als Tochter türkischer Arbeitsmigranten in Hannover aufgewachsen. Nach der Ausbildung bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung wechselte die Journalistin zur Frankfurter Rundschau. Seit 2012 ist die Hanauerin freiberuflich als Autorin sowie als Referentin und Dozentin tätig.