Elversberg  Hier spricht der Macher des Dorfvereins, der die 2. Bundesliga ansteuert

Harald Pistorius
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Von Harald Pistorius
| 28.10.2022 20:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Spieler, Trainer, Präsident, Sponsor und nun Aufsichtsratsvorsitzender: Frank Holzer ist der SV 07 Elversberg seit Jugendtagen an verbunden. Foto: Imago/Labz
Spieler, Trainer, Präsident, Sponsor und nun Aufsichtsratsvorsitzender: Frank Holzer ist der SV 07 Elversberg seit Jugendtagen an verbunden. Foto: Imago/Labz
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Eine 8000-Einwohner-Gemeinde aus dem saarländischen Landkreis Neunkirchen könnte der kleinste Standort in der Geschichte der Deutschen Fußball-Liga werden. Die SV Elversberg führt die 3. Liga an. Hier spricht der Mann, der den Verein so weit nach oben gebracht hat.

Als Trainer, Sponsor und Präsident hat der ehemalige Bundesligaprofi Frank Holzer seinen Heimatverein einst auf den Weg gebracht. Inzwischen hat der Gründer des Pharma-Unternehmens Ursapharm sich etwas zurückgezogen, nimmt aber als Aufsichtsratsvorsitzender Einfluss und Anteil – und genießt den Erfolg.

Öffentlich hält sich der 69-Jährige zurück, viel Aufhebens macht er nicht von sich und seinem Erfolg. In diesem Interview beschreibt Holzer seinen Weg mit der SV Elversberg, erinnert sich an seine aktive Laufbahn mit Trainern wie Branko Zebec und Mitspielern wie Uli Hoeneß und verrät, warum er sich nicht bei einem Traditionsverein engagiert.

Herr Holzer, was bedeutet Ihnen der sportliche Erfolg speziell der letzten Jahre und dieser Saison? Wie haben Sie den Aufstieg, den guten Start und die Pokal-Erfolge empfunden?

Der Aufstieg war nach mehreren vergeblichen Versuchen, bei denen wir zweimal in der Relegation hängen geblieben sind, schlichtweg eine Erlösung – menschlich und sportlich. So einen Start in die 3. Liga, dazu der Pokalsieg gegen Leverkusen – das hätten wir uns nicht mal erträumt. Es ist der Lohn für ruhige, kontinuierliche Arbeit. Wir haben Rückschläge weggesteckt und uns systematisch verbessert.

Seit 2006 hat kein saarländischer Club in der 2. Bundesliga gespielt. Könnte die SV Elversberg diese Durststrecke beenden?

Es ist eigentlich ein Auftrag an alle saarländischen Vereine, dort wieder hinzukommen. Auch im Interesse des Wirtschaftsstandortes Saarland, denn wir merken auch in unserem Unternehmen auf der Suche nach Fachkräften vermehrt, dass ein guter Fußballclub zu den weichen Faktoren gehört, die für die Menschen bei der Wahl des Arbeitsplatzes eine wachsende Rolle spielen. Viele Leute wollen alle 14 Tage attraktiven Fußball im Stadion sehen und mit einem Verein mitfiebern.

Schließen Sie doch mit der SV Elversberg diese Lücke…

Vor dem Saisonstart habe ich ein paar Eröffnungsworte an die Jungs gerichtet und dabei gesagt: „Ihr bekommt von uns keinerlei Druck – den einzigen Druck macht ihr euch selbst durch sportliche Erfolge.“ So sind wir in die Saison gegangen, und so werden wir sie beenden. Wir waren schon mal in der 3. Liga, 2013/14. Da haben wir in der Vorrunde unseren Mitaufsteiger RB Leipzig 1:0 besiegt und waren nach der Vorrunde Neunter. Am Ende sind wir abgestiegen.

Damals waren selten mehr als 1500 Zuschauer bei den Heimspielen. Inzwischen haben Sie eine Fanbasis mit einem Schnitt von knapp 5000, ein Stadion, das nicht weit von Zweitliganiveau entfernt ist, ein Nachwuchszentrum ist aufgebaut, und Frauenfußball gibt es auch. Die Infrastruktur passt.

Ja, da haben wir tatsächlich eine Menge getan, darauf sind wir auch ein bisschen stolz. Aber dennoch: Wir lassen die Kirche im Dorf und beschäftigen uns mit der 2. Bundesliga erst, wenn die Realität sich den Träumen annähert…

25 Kilometer entfernt von der Ursapharm-Arena steht der modernisierte Ludwigspark, Heimat des größten saarländischen Clubs. Sie haben früher – an der Seite von Felix Magath – beim 1. FC Saarbrücken gespielt. Wäre es für Sie als Macher und Sponsor nicht einfacher gewesen, dort einzusteigen als in Elversberg?

Das mag auf den ersten Blick so scheinen. Ich bin aber in Elversberg geboren, die SVE ist mein Heimatverein. Es ist eine außergewöhnlich enge Beziehung, ich fühle mich hier sehr wohl. Unabhängig davon glaube ich, dass Traditionsvereine wie der 1. FC Saarbrücken eine besondere Belastung tragen, die man auch nicht ohne Weiteres abstreifen kann. Dort wirken alte Verbindungen, Gewohnheiten und Eifersüchteleien in komplizierte Hierarchien hinein, deshalb ist es sehr schwer, Neuerungen und Veränderungen konsequent und schnell umzusetzen; dazu kommt natürlich der immense Erwartungsdruck. In kleineren Vereinen, die diesen Ballast nicht mit sich herumschleppen, ist es viel einfacher, mit weniger Druck etwas aufzubauen, mit klarer Aufgabenverteilung und Kontinuität in der Führung. Ich möchte betonen, dass ich sehr viel Respekt vor diesen Traditionsvereinen habe.

Mit Ihrem Unternehmen Ursapharm sind Sie seit vielen Jahren Trikot- und Hauptsponsor, im Verein waren Sie Präsident und sind jetzt Vorsitzender des Aufsichtsrats. Wie im Unternehmen haben Sie die Führungsrollen an Ihren Sohn Dominik übergeben. Ein reibungsloser Prozess?

Ich bin ein Anhänger kontinuierlichen Verhaltens, ich habe im Fußball und im Unternehmen gelernt, dass man einen langen Atem braucht. Einfach ist ein solcher Wechsel nicht, denn da prallen nun mal die Generationen aufeinander. Das ist wie in einer normalen Familie. Wenn man die Sache und nicht die Personen in den Mittelpunkt rückt, findet man einen Weg.

Sie waren Fußballprofi und erfolgreicher Amateurtrainer; anders als andere Sponsoren sind Sie Fußballexperte. Müssen Sie sich bremsen, wenn es um Spiel und Spieler geht und Sie den Verantwortlichen am liebsten Hinweise geben würden?

An der Vergangenheit komme ich ja nicht vorbei, ich habe im Fußball einiges erlebt, bin mit dem FCS aufgestiegen und habe mit Eintracht Braunschweig um die Meisterschaft gespielt. Ich hatte Trainer wie Otto Rehhagel und Branko Zebec, meine Mitspieler waren Uli Hoeneß, Felix Magath oder Paul Breitner. Manchmal reizt es mich natürlich, etwas zu sagen, aber ich kann mich zurücknehmen. Wir pflegen eine Art Gewaltenteilung… Ich mische mich nicht ein, gebe aber eine Antwort, wenn ich gefragt werde. Ich schaue alle im Heimspiele im Stadion und einige Auswärtsspiele; meistens mit meinem alten Kreis, mit dem ich diskutiere wie früher. Mit Trainer Horst Steffen oder Sportdirektor Nils-Ole Book tue ich das nicht.

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