Augsburg  Markus Söder bundesweit im Aufwind – wie macht er das nur wieder?

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 28.10.2022 18:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Markus Söder beim CSU-Parteitag in Augsburg. Viel Ampel-Bashing, Hauptgegner sind die Grünen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Markus Söder beim CSU-Parteitag in Augsburg. Viel Ampel-Bashing, Hauptgegner sind die Grünen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
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Markus Söder war jüngst in einer Umfrage der beliebteste Politiker Deutschlands. Wie kommt’s? Eine Spurensuche beim CSU-Parteitag in Bayern.

„Markus, komm her, hier ist eine evangelische Bratwurst für Dich!“ Natürlich ergreift Markus Söder die dargebotene Wurst im Brötchen am Stand vor der Messehalle in Augsburg. Eben erst ist der 55-jährige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident beim Parteitag vorgefahren. Kurzer Auftritt vor vielen Kameras. „Das Land ist in schwerer Zeit“, sagt Söder mit ernster Miene, um die nächsten zwei Minuten zu erklären, was er alles will: Einen „Bayern-Turbo“ beim Ausbau der erneuerbaren Energien zünden, Hightech nach Bayern holen, „Liberalitas bavarica statt Berliner Wokeness“. Söder sagt: „Bayern geht mit Sieben-Meilen-Stiefeln voran.“ Der Ton für den Parteitag ein Jahr vor der Landtagswahl ist gesetzt. Er eilt in die Messehalle.

Vor zwei Wochen hat das Meinungsforschungsinstitut Insa ihn zum bundesweit beliebtesten Politiker erklärt – vor Baerbock, vor Kanzler Olaf Scholz und vor allem: weit vor CDU-Chef Friedrich Merz. Es soll sogar Nachfragen bei Insa gegeben haben. Stimmt das? Und: Wie kann das sein?

Söder ist wieder zurück auf der bundespolitischen Bühne. Dabei schien seine beste Zeit vorüber. Die hatte er, als er im Duo mit Kanzlerin Angela Merkel das „Team Vorsicht“ in der Corona-Pandemie begründete. Von Umfragen beflügelt, griff er nach der Kanzlerkandidatur. Man erinnert sich, wie es ausging.

Seine Fouls gegen Armin Laschet im Wahlkampf hat man in der CDU nicht vergessen. Dort hält man Söder seither für „charakterlich ungeeignet“. Die Bevölkerung scheint das anders zu sehen. Wie sonst wäre die neue Beliebtheit zu erklären?

Der Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke von den „Blättern für deutsche und internationale Politik“ räumt ein, dass ihn die guten Werte für Söder ein wenig ratlos zurücklassen. Er vermutet aber, dass die autoritäre Attitüde, die Söder nun mal verkörpere, gerade in Kriegs- und Krisenzeiten noch immer gut ankommt. Der CSU-Chef habe die Nase immer im Wind und „ein enormes Gespür für die Themen, die die Leute bewegen“. Und während Friedrich Merz das Image des elitären Markliberalen nicht loswerde, „weiß Söder ganz genau, dass es am Ende auf die ´Leberkäsetage‘ ankommt“, sagt von Lucke. Womit wir wieder bei der Wurst in Augsburg wären.

16.30 Uhr hat Söder seinen großen Auftritt, die Rede beim Parteitag, seine Königsdisziplin. Söder sagt: „Wir denken an die Menschen in der Ukraine, aber wir sagen – anders als die Grünen: Wir denken auch an die eigene Bevölkerung.“ In seiner Betrachtung der Grünen zeigt sich vielleicht am deutlichsten, wie rasch Söder seine Meinung ändern kann. Vor der Bundestagswahl galt er als der, der eine schwarz-grüne Koalition im Bund eher führen könnte als Armin Laschet. Es gab freundliche Doppel-Interviews mit ihm und Robert Habeck. Jetzt sagt er in Augsburg für Bayern: „Schwarz-Grün ist keine Option.“ Ihm seien „rot-grüne Linien“ bei der Kernenergie egal. Es sei ein „ideologischer Schildbürgerstreich“, auf Kernkraft ab April zu verzichten. „Claudia Roth weint. Jürgen Trittin schreit. Das braucht Deutschland nicht.“ Söder braucht nur diese drei Sätze, um den CSU-Parteitag in Schwingung zu bringen.

In Bayern waren sie zuletzt weniger begeistert von ihm als im Rest der Republik. Es gab in den vergangenen Monaten Umfragen, die für Söders Koalition mit den Freien Wählern keine Mehrheit sahen. Der CSU-Kenner Heinrich Oberreuter hält Söder trotzdem für die „unangefochtene Führungsfigur“ in der CSU. „Es gibt doch gar keine Alternativen.“ Inhaltlich sei Söder zurückgekehrt zur Traditionslinie der CSU. Er umarme keine Bäume mehr. „Bayern ist eine Weltraummacht“, sagt Söder beim Parteitag. „Lasst die anderen nörgeln, lasst uns mit Optimismus in die Zukunft schauen.“ Entscheidend dafür, wie es in der Zukunft für den CSU-Chef weitergeht, sei das Wahlergebnis in Bayern 2023, sagt Oberreuter. 35 Prozent plus x müssten es schon sein.

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