Nach Spielabbruch Borussia und Kickers Leer erhalten identische Strafen
Im Rücken des Schiedsrichters kam es zu einer handfesten Auseinandersetzung zweier Fußballer. Es kam zum Spielabbruch in Leer – und einer Sportgerichtsverhandlung.
Hesel - Das Lokalderby in der Ostfrieslandklasse B zwischen Borussia Leer und der SG Kickers Leer II/Germania Leer III am 7. Oktober endete mit einem Spielabbruch. Am Mittwochabend war unter Leitung von Lothar Buscher nun die Kreissportgerichtsverhandlung in Hesel. Das Urteil: Die Partie wird nicht neu angesetzt, mit null Punkten und 0:5-Toren für beide Vereine gewertet. Zudem werden die beiden beteiligten Spieler mit einer achtwöchigen Sperre ab Verhandlungsdatum belegt.
Was war überhaupt passiert? In der 43. Minute ereignete sich hinter dem Rücken des umsichtigen Schiedsrichters Emanuel Schmitz (SC Rhauderfehn/Langholt) eine körperliche Auseinandersetzung zwischen zwei gegnerischen Spielern. Der Unparteiische konnte die Szene nicht sehen, somit die beiden Streithähne auch nicht bestrafen. Zunächst einigten sich die beiden Trainer darauf, beide Spieler vom Feld zu nehmen und die Partie dann fortzusetzen. Doch auf Drängen von Kickers Leer, um die Situation nicht noch zu verschärfen, wurde das Spiel dann abgebrochen und somit ein Fall für das Sportgericht.
Özdemir-Antrag erhält Zustimmung
Zur Verhandlung erschienen die beiden beteiligten Spieler, beide Trainer, Schiedsrichter Emanuel Schmitz, die beiden Vorsitzenden Ferhat Özdemir (Kickers Leer), Kai Buttjer (Borussia Leer) und noch ein wichtiger Zeuge, nämlich Schiedsrichter Johann Vry. Der war als Zuschauer dabei und sorgte mit seinen Aussagen für ganz wichtige Erkenntnisse. Er beschrieb in der Verhandlung, dass der Spieler von Borussia Leer am Boden lag, und der Gegner von Kickers Leer „stocherte immer noch nach und trat den am Boden liegenden Spieler aufs Bein“. Daraufhin sei der Spieler von Borussia Leer aufgestanden und verpasste seinem Gegenspieler eine Ohrfeige. Diese Aussagen gehen aus dem Verhandlungsprotokoll hervor, das der Redaktion vorliegt. Der leitende Schiedsrichter Emanuel Schmitz erklärte noch einmal, dass er die Auseinandersetzung und auch den Schlag nicht gesehen habe. Er habe nur wahrgenommen, dass der Spieler von Kickers Leer nach dem Vorfall seinen Gegenspieler aufs Übelste beleidigte und er an der Lippe blutete.
Nach Anhörung aller Beteiligten stellte Ferhat Özdemir als Vertreter von Kickers Leer den Antrag, die Spieler nach Ermessen des Kreissportgerichts zu bestrafen und eine Spielwertung für keinen der beiden Vereine auszusprechen. Diesem Antrag konnte sich Kai Buttjer als Vertreter von Borussia Leer auch anschließen. „Die Verhandlung verlief völlig ohne Probleme. Beide Spieler haben ihre Tätlichkeiten zugegeben und sich für ihr Verhalten entschuldigt“, erklärte Lothar Buscher, Vorsitzender des Kreissportgerichts. Zudem sei es wichtig gewesen, mit Johann Vry einen sehr glaubhaften Zeugen gehabt zu haben, der auch von beiden Parteien akzeptiert worden sei.
Facebook-Eintrag sorgt für Ärger
Beide Spieler hätten sich zu einer Tätlichkeit hinreißen lassen, so Buscher. Daher sei für beide Spieler eine achtwöchige Sperre verhängt worden. Das Gericht teilte die Ansicht, dass beide Spieler für den Spielabbruch verantwortlich seien. Daher wurden bei der Spielwertung auch beide Vereine bestraft, die Partie durfte daher nicht neu angesetzt werden. „Die Vereine werden ja auch künftig in Derbys gegeneinander spielen. Daher war es aus meiner Sicht auch sehr wichtig, dass die Vereinsverantwortlichen bemüht waren, mit einer guten Atmosphäre die Verhandlung zu verlassen“, erklärte Buscher. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, beide Vereine könnten noch in die Berufung gehen, wovon Buscher allerdings nicht ausgeht. Während die Punkte für die beiden Vereine futsch sind, sind die Auswirkungen der Strafen für die beiden Spieler sehr milde. Beide Spieler verpassen aufgrund der nahenden Winterpause nur eine Partie.
„Unsere Mannschaft konnte das Urteil der Spielwertung nicht so ganz verstehen, da wir ja weiterspielen wollten. Für uns ist das Thema aber jetzt erledigt“, erklärte Mario Rauch, 2. Vorsitzender von Borussia Leer. Die Borussia-Verantwortlichen haben sich nach dem Vorfall darüber geärgert, dass der Borussia-Spieler in einem Facebook-Eintrag von Kickers Leer als Wiederholungstäter dargestellt worden sei, was die Borussia deutlich zurückweist. Der Eintrag von Kickers Leer wurde mittlerweile gelöscht. Ein Verantwortlicher von Kickers Leer war für eine Stellungnahme für die Redaktion nicht zu erreichen. Daher ist auch noch offen, ob der Kickers-Spieler noch strafrechtlich gegen den Borussia-Spieler vorgehen wird, eine Anzeige wurde erstattet. Das war natürlich kein Thema für das Sportgericht.