Berlin  Tierschützer erstatten Anzeige gegen Lidl-Hühnermäster im Emsland

epd User, Jakob Patzke
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Von epd User, Jakob Patzke
| 27.10.2022 15:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wegen mutmaßlicher Tierschutzverstöße in einem Hühnermastbetrieb im Emsland hat eine Tierschutzorganisation Anzeige erstattet. Foto: dpa/Jens Büttner
Wegen mutmaßlicher Tierschutzverstöße in einem Hühnermastbetrieb im Emsland hat eine Tierschutzorganisation Anzeige erstattet. Foto: dpa/Jens Büttner
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Tierschützer haben schwere Vorwürfe gegen einen Hühnermastbetrieb im Emsland erhoben. Dort sollen Mitarbeiter die Tiere gequält und überzüchtet haben. Der Betrieb ist unter anderem ein Zulieferer für die Discounterkette Lidl.

Wegen mutmaßlicher Tierschutzverstöße in einem Hühnermastbetrieb im Emsland hat die spanische Tierschutzorganisation Equalia Anzeige erstattet. Dies teilte die Partnerorganisation „Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt“ am Dienstagabend auf epd-Anfrage mit. Den Angaben zufolge produziert der Betrieb Hühnerfleisch für den europaweit agierenden Lebensmittel-Discounter Lidl. Die britische Zeitung „The Times“ hatte am Dienstag zuerst über den Fall berichtet.

Der Anzeige liegen Undercover-Filmaufnahmen aus dem Maststall zugrunde, welche die Albert-Schweitzer-Stiftung am Dienstag veröffentlichte. Die Bilder sollen nach Angaben der Tierschutzorganisation im Sommer 2022 entstanden sein. Sie zeigen Hühner mit kahlen Stellen im Gefieder, die sich kaum auf ihren Beinen halten können. Zu sehen sind außerdem kranke, sterbende, tote und verweste Tiere.

Der Betreiber des Mastbetriebs war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Unterdessen teilte Lidl auf epd-Anfrage mit, dass der Konzern den Vorwürfen nachgehen wolle. „Lidl spricht sich in aller Deutlichkeit gegen Tierquälerei aus“, sagte eine Sprecherin. Der Discounter habe den Zulieferer um eine Stellungnahme gebeten und „eine unabhängige Prüfung durch externe Sachverständige“ veranlasst.

Nach Angaben des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) erklärte der Discounter darüber hinaus, dass er sich seit Jahren für die Weiterentwicklung von Tierwohlstandards einsetze. Daher werde man sich nach dem Ergebnis der geprüften Vorwürfe weitere Schritte vorbehalten.

Aus Sicht der Albert-Schweitzer-Stiftung sind die dokumentierten Missstände Ausdruck eines Systemversagens. Die Tiere seien auf schnelles Wachstum hin gezüchtet, kommentierten die Tierschützer die Aufnahmen. Knochen und Organe der Vögel seien daher überlastet. Zudem übersähen Mitarbeiter in den riesigen Ställen offenbar tote Tiere. „Solche skandalösen Zustände sind Normalität in der konventionellen Tierhaltung. Es ist einkalkuliert, dass rund fünf Prozent der Tiere schon vor der Schlachtung sterben“, kritisierte die Stiftung.

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